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Mazyek: "Muslime sind verunsichert" Zentralrat nimmt Merkel in Schutz

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ZMD-Verbandschef Aiman Mazyek bei einer Demo gegen Rassismus in Berlin.

(Foto: REUTERS)

Die Wahlerfolge der AfD tragen nach Ansicht des Zentralrats der Muslime dazu bei, dass Rassismus in Deutschland gesellschaftsfähig wird - und das sei keineswegs nur die Schuld von Kanzlerin Merkel und ihrer Flüchtlingspolitik. Die Kritik richtet sich an einen anderen.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, führt das Erstarken der AfD nicht in erster Linie auf den Flüchtlingskurs von Kanzlerin Angela Merkel zurück. "Wer allein die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin für den AfD-Wahlerfolg verantwortlich macht, verkennt die tiefe Verankerung von rassistischen Ressentiments in unserer Gesellschaft", sagte Mazyek der "Welt".

Spätestens seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 fehle in den Köpfen vieler Menschen eine "Trennlinie" zwischen Extremismus und der Religion des Islam, kritisierte der Verbandschef. "Die AfD hat es am geschicktesten geschafft, diese Stimmung für sich in Wählerstimmen umzumünzen." Dass die AfD nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern in neun Landtagen sitzt, mache ihm Angst. "Früher gab es noch Hemmschwellen und Sanktionen, die nun im Sog der Flüchtlingsdebatte wegfallen."

Rassismus, so Mazyek weiter, werde auf diese Weise immer mehr gesellschaftsfähig. Dies sei nicht nur ein vages Gefühl, sondern lasse sich in Zahlen belegen. "Die Angriffe auf Moschee-Gemeinden haben sich von 2014 bis 2015 vervielfacht", beklagte der Verbandschef. "Die Zahl der Anschläge auf Flüchtlingsheime nimmt in nie gekanntem Maße zu. Ebenso die körperlichen und verbalen Angriffe gegen Muslime auf den Straßen."

Erst am Mittwoch hatte die Nachricht von einem Angriff auf eine hochschwangere Muslimin im Zentrum von Barcelona für europaweite Schlagzeilen gesorgt. Weil die junge Frau den traditionellen Gesichtsschleier Niqab trug, war sie zunächst von mehreren Männern beleidigt worden. Dann traten die Männer der Schwangeren in den Bauch.

Burka-Verbot ist "Stellvertreterdebatte"

"Es herrscht ein Gefühl der Verunsicherung", sagt Mazyek auch mit Blick auf die Muslime in Deutschland. "Man ist geradezu erschlagen angesichts der Häufung von Vorurteilen und auch Hass, der einem entgegenschlägt." Forderungen - etwa aus der CSU von Horst Seehofer - nach einem Burka-Verbot bezeichnet Mazyek in der Zeitung als "Stellvertreterdebatte", die nur der AfD nutze.

"Die Art und Weise, in der wir diese Diskurse führen, heizt Missverständnisse ungeheuer an", kritisiert der Verbandschef. "Gerade die verschwindend geringe Zahl von Burkas in Deutschland zeigt, dass die Aufregung überhaupt nicht von den Zahlen gestützt wird."

Quelle: n-tv.de, jug/dpa

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