Dossier

"Wir können bleiben" Anwohner feiern Transrapid-Aus

Bei den Transrapid-Gegnern knallten die Korken. "Mehrere Anwohner waren da, wir haben zwei Flaschen Champagner getrunken", sagt Monika Barzen, Vorsitzende zweier Bürgerinitiativen gegen den Transrapid, nach dem Aus für das Projekt. "Wir haben ganz schön geprostet." Jahrelang haben die Anwohner gegen das Milliardenprojekt gekämpft. Jetzt sind sie "unglaublich erleichtert".

Sie fürchteten vor allem hohe Lärmbelastung, Erschütterungen und den Sog des mit außerorts bis zu 350 Stundenkilometern vorbeirauschenden Transrapid. "Es ist ein richtiges Aufatmen. Man kann es noch gar nicht richtig begreifen", beschreibt Barzen die Stimmung. "Mein Gott, jetzt können wir bleiben."

Straßenfeste und Gartenpartys

Feierstimmung herrscht entlang der ursprünglich geplanten 37- Kilometer-Trasse vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen. Straßenfeste und Gartenpartys soll es geben. "Ich werde ein Anti-Transrapid-Fest machen", kündigt Familienvater Freddy Moritz an. Der Transrapid wäre 30 Meter neben dem Haus der vierköpfigen Familie vorbeigedonnert. "Vor dem Lärm hatten wir am meisten Angst: Alle fünf Minuten, 190 Mal am Tag: Da hört der Spaß auf." Er habe zahlreiche Glückwunsch-E-Mails von Bekannten bekommen. "Es war mir klar, dass es niemanden interessiert, dass ich daneben wohne - aber ich habe mir schon gedacht, dass das Projekt nicht finanzierbar ist", sagt Moritz.

"Wir haben immer gehofft", sagt auch Edith Reinhart, deren Familie mit drei Generationen in einem Haus 40 Meter von der Trasse entfernt wohnt. "Aber es war eine riesengroße Überraschung, dass es jetzt so schnell gegangen ist."

Für andere Anwohner kam die Entscheidung zu spät. Mindestens zwei ihrer Mitstreiter hätten ihre Wohnungen in der früheren Olympia- Pressestadt schon verkauft und seien weggezogen, sagt Barzen. Die 65- jährige Ex-Chefin einer Steuerkanzlei hatte den Verein Aktionskreis contra Transrapid (AcT) und die Anti-Transrapid-Einwendergemeinschaft (ATEG) gegründet, die vergangenen Jahre standen für sie ganz im Zeichen des Widerstands.

Einen Auslöser für das Scheitern des Projekts sieht Barzen auch in dem schlechten Abschneiden der CSU bei den Kommunalwahlen. "Man hat gemerkt, dass man den mehrheitlichen Willen nicht mehr ignorieren kann." Außerdem habe Ministerpräsident Beckstein (CSU) als Nachfolger des Transrapid-Förderers Stoiber den Transrapid nicht "auf Biegen und Brechen" gewollt.

Anwohner bleiben skeptisch

Barzen bleibt auch nach dem politisch erklärten Aus für den Transrapid vorsichtig. Eine Informationsveranstaltung für Anwohner zur Bildung von Klägergemeinschaften werde nicht abgesagt. Der Termin solle aber auch schon eine kleine Vorfeier werden. Mit Klagen wollen die Gegner gegen den erwarteten Planfeststellungsbeschluss vorgehen. "Wir brauchen jetzt eine verbindliche Zusage, dass es keinen Planfeststellungsbeschluss geben wird."

Auch der Antrag der Gegner auf ein landesweites Volksbegehren läuft weiter. Über das Bürgervotum wollten sie dem Freistaat verbieten, sich finanziell am Transrapid zu beteiligen - und so das Milliardenprojekt stoppen. Nach Auffassung des Innenministeriums ist das Volksbegehren verfassungswidrig, weil es in die Haushaltshoheit des Parlaments eingreife. Am 4. April soll deshalb der Bayerische Verfassungsgerichtshof entscheiden. "Wir werden alle zum Gericht gehen", sagt Barzen. Sollte das Gericht das Volksbegehren zulassen, hieße es auch hier abwarten. Der Auftrag der rund 100 000 Unterzeichner bestehe vorerst weiter. "Erst muss alles sicher sein, dann feiern wir. Aber dann tanzen wir wirklich auf den Tischen."

Von Sabine Dobel, dpa

Quelle: n-tv.de