Dossier

Kampf um neues Image Australiens Probleme

Alice Springs hat aufgeräumt. Alkohol trinken in der Öffentlichkeit ist in der Stadt im Herzen Australiens jetzt verboten. Arbeitslose Aborigines aus den 23 Towncamps am Stadtrand malen jetzt zum Teil für angesehene Ateliers die traditionellen Dot-Painting-Kunstwerke. So wie Alice Springs kämpft auch die Regierung für ein neues Image Australiens. Nun hat sich Premierministers Kevin Rudd bei den Aborigines für die jahrzehntelange Diskriminierung entschuldigt. Doch viele Probleme im Zusammenleben zwischen den Ureinwohnern und den Nachfahren der weißen Siedler bleiben. In kaum einer anderen Stadt zeigt sich dies so wie in Alice Springs.

Bob Taylor steht am ausgetrockneten Todd River und zeigt auf ein versandetes Wasserloch. Die lästigen Buschfliegen vertreibt er mit der Hand. "Hier ist der Ursprung von Alice Springs", sagt er. Die weißen Siedler nannten die kleine Quelle im Zentrum des Kontinents 1871 "Alice", nach der Frau des Postmeisters Charles Todd, der den Bau einer Telegrafenleitung von der Süd- zur Nordküste vorantrieb.

Nicht die ersten gewesen

Wie fast überall in Australien: Die Europäer haben die Städte gegründet, doch sie waren nicht die ersten hier. Schon Zehntausende Jahre zuvor zogen Taylors Urahnen durch das Land rund um das heutige Alice Springs: Die Aborigines vom Stamme der Aranda oder Arrernte nannten den Ort Mbantua - Treffpunkt. "Ich fühle den Geist dieses Landes, die Anwesenheit unserer Vorfahren, Mutter Erde", sagt Taylor.

Taylor? Klingt nicht sehr eingeboren. Das Schicksal des 47-jährigen Kochs und Fremdenführers ist das Schicksal einer ganzen "gestohlenen Generation": Wie Zehntausende andere Aborigine-Kinder wurde er als Achtjähriger seinen Eltern weggenommen und in einem Erziehungsheim nach europäischen Maßstäben großgezogen. "Ich habe dort in Adelaide genug zu essen gehabt, konnte die Schule besuchen und in Sicherheit leben. Aber es war schwer für mich, so viele Jahre getrennt zu sein von meinen Eltern."

Australien bemüht sich um Aussöhnung. Bereits 1985 konnten die Anangu-Aborigines das Land rund um das Wahrzeichen Ayers Rock (Uluru), das ihnen im 19. Jahrhundert weggenommen wurde, wieder offiziell in Besitz nehmen. Doch die Wunden der Geschichte reißen immer wieder auf. Zuletzt Ende vergangenen Jahres: Eine weiße Richterin schickte neun junge Männer aus Queensland, die ein Aborigine-Mädchen vergewaltigt hatten, nicht ins Gefängnis, sondern nach Hause. Begründung: Das zehnjährige Opfer habe der Tat "wahrscheinlich zugestimmt".

Wenige Erfolgsgeschichten

"Ein rassistisches Urteil", sagt Dennis Orr von der Frontier Camel Farm in Alice Springs. So wie er sehen das viele in Alice Springs, auch der Aborigine-Tänzer Peter Williams, der eigentlich Thulli Bibaway Thirramagundy heißt: "Die Regierung will uns nur stärker kontrollieren. Daher behauptet sie, wir würden unsere Kinder missbrauchen." Der 43-Jährige Williams träumt davon, das Land seiner Vorfahren zu kaufen. "Vor der Besiedelung durch Weiße hatten wir das ideale Leben als Nomaden und Jäger."

Zurück zu den Aborigine-Ursprüngen - dieses Motto hat auch das Art-Center Ngurratjuta Iltja Ntjarra. Dot-Painting heißt die traditionelle Malweise der Ureinwohner, früher als Zeichnungen im Sand, heute auf Leinwänden, professionell vermarktet. Eine Art naive Malerei mit Natursymbolen - überlieferten Zeichen etwa für Wasserlöcher, Bäume, Kängurus, Schlangen und Kinder. "Unsere Malerei ist wie eine Meditation, ein Traum", sagt Marilyn Armstrong. Sie ist eine von 400 Künstlern, die im Art-Center registriert sind. Einige der hier entstandenen Werke hängen in den führenden Galerien der Welt und erzielen auf dem Kunstmarkt hohe Summen - eine der ganz wenigen Erfolgsgeschichten der Aborigines in Australien.

Von Bernward Loheide, dpa

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen