Dossier

Übergang zur Demokratie Bhutan hat Parlament gewählt

Das Himalaja-Königreich Bhutan hat offiziell den Übergang zur Demokratie vollzogen. Am Dienstag gab die staatliche Wahlkommission in der Hauptstadt Timphu das Ergebnis der historischen Abstimmung zur Nationalversammlung bekannt: Fast 80 Prozent der gerade einmal 318.465 Wahlberechtigten hatten am Vortag von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht und der Harmonie-Partei Bhutans (DPT) mit 44 von 47 gewonnenen Mandaten einen Erdrutschsieg beschert. "Wir sind überwältigt", freut sich DPT-Sprecherin Khandu-om Dorji.

Über die Gründe für den deutlichen Wahlsieg der DPT sind sich Beobachter nicht einig. Die einzige Konkurrentin, die Volksdemokratische Partei PDP, war mit ähnlichen Zielen und ähnlichem Programm ins Rennen gegangen. Beide Parteien bekannten sich zum Königshaus sowie zur Staatsphilosophie vom "Bruttosozialglück" - einer Mischung aus nachhaltiger Entwicklung, geistigem Wohlergehen und Bewahrung kultureller Identität. Die Slogans wirkten austauschbar. "Aufschwung durch Gerechtigkeit", forderte die DPT. "Wohlergehen für alle" plakatierte die PDP auf eigens für die Wahl aufgestellten Infotafeln.

Jahrelange Wahlvorbereitungen

In entsprechend entspannter Atmosphäre verliefen Wahlkampf und Abstimmung. Jahrelang hatten die Behörden alles bis ins kleinste Detail vorbereitet. Selbst in entlegene Regionen wurden zum Teil mit Hilfe von Maultieren oder zu Fuß elektronische Wahlmaschinen und Wahlunterlagen gebracht. Auch der Wahltag war für alle 672.000 Bewohner des wegen der heftigen Himalaja-Stürme auch "Land des Donnerdrachens" genannten Königreichs zu einem Feiertag erklärt worden. Alle sollte in Ruhe ihre Stimme abgeben können.

Hinter dem politischen Wandel der einstmals absoluten Monarchie steht König Jigme Singye Wangchuck. Bereits vor drei Jahren hatte er angekündigt, Wahlen abzuhalten und den Weg in eine konstitutionelle Monarchie zu ebnen. Auch sein Sohn, Kronprinz Jigme Khesar Namgyel Wangchuck, der die Amtsgeschäfte Ende 2006 übernahm, setzt die Politik der Demokratisierung und schrittweisen Öffnung Bhutans fort.

Was bringt die neue Freiheit?

Die Untertanen allerdings sind sich trotz hoher Wahlbeteiligung noch unsicher, was ihnen die neue Freiheit bringen wird. "Unsere Gesellschaft ist auch ohne Demokratie stabil. Wir sind glücklich unter der Monarchie", erklärt ein pensionierter Armeeoffizier im indischen Fernsehen. Eine der Befürchtungen ist, dass die Korruption - wie in anderen Ländern der Region - um sich greifen könnte, wenn gewählte Politiker am Ruder sind. Aber der König werde schon wissen, was gut ist für sein Volk, so der Offizier.

"Eine der wichtigsten Aufgaben der neuen Regierung wird sein, die Menschen von den Vorzügen der Demokratie zu überzeugen", weiß DPT- Sprecherin Khandu-om Dorji, deren Partei den ersten frei gewählten Regierungschef Bhutans stellen wird. Aller Voraussicht nach wird es der 56-jährige Jigme Y. Thinley, der im königlichen Kabinett bereits zwei Mal Regierungschef war und von 1998 bis 2003 als Außenminister amtierte. Sein Konkurrent, PDP-Präsident Sangay Ngedup, hatte bei der Wahl nicht den Hauch einer Chance - obwohl er ein Onkel des geliebten jungen Königs ist. Vielleicht ist auch das ein Zeichen des Wandels im Land des Donnerdrachens.

Von Stefan Mentschel, dpa

Quelle: ntv.de

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