Politik
Ein Bild von der BND-Zentrale können sich Passanten wohl erst machen, wenn sie 2014 fertig gestellt ist.
Ein Bild von der BND-Zentrale können sich Passanten wohl erst machen, wenn sie 2014 fertig gestellt ist.(Foto: picture-alliance/ dpa)
Mittwoch, 24. März 2010

Unbefugte bleiben draußen: Der geheime Bau der BND-Zentrale

Blickdichter Holzzaun, überall Kameras: Die Errichtung der neuen BND-Zentrale in Berlin findet unter strengster Überwachung statt. Die Geheimdienstler befürchten Spione.

Es ist das größte Bauprojekt des Bundes in der Hauptstadt seit der Wiedervereinigung - und es ist eine Baustelle der Geheimnisse: die neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes (BND). Seit fast zwei Jahren wächst aus dem Sandboden in der nördlichen Mitte Berlins, nicht weit von Kanzleramt und Parlament, die Zentrale des Auslandsgeheimdienstes in die Höhe. Der Rohbau des Hauptgebäudes ist fast fertig, am 25. März ist Richtfest.

Blickdichter Holzzaun, Kameras überall. Durch die eisengrauen Stahltore dürfen nur Arbeiter und Lkw-Fahrer, die einen speziellen Sicherheitscheck hinter sich haben. Die Geheimdienstler befürchten, schon lange vor dem Einzug selbst zum Ziel von Spionen zu werden. Im BND hat man nicht vergessen, was den Amerikanern 1988 passierte. Damals musste das fast fertig gestellte neue US-Botschaftsgebäude in Moskau abgerissen und neu gebaut werden. Der von sowjetischen Arbeitern gebaute Neubau war komplett "verwanzt".

Bauphasen penibel überwacht

Der Kalte Krieg ist vorbei, doch auch heute noch soll die Arbeit des BND vor allem eines bleiben: geheim. Deshalb haben Sicherheitsbeamte heikle Bauphasen penibel überwacht. Müsste das Riesen-Areal nachträglich auf Abhöreinrichtungen abgesucht werden, könnte das den Einzug verzögern und die Kosten in die Höhe treiben.

Verzögerungen gab es genug. Zuletzt verschob sich der geplante Umzug noch einmal um ein Jahr auf Anfang 2014. Die Baukosten, 2006 kalkuliert, dürften sich nach Angaben der Bauverwaltung wegen steigender Bau- und Rohstoffpreise von 730 Millionen auf rund 790 Millionen Euro erhöhen. Bei den geschätzten Gesamtkosten von unter 1,5 Milliarden Euro inklusive Umzug werde es aber bleiben, betont ein BND-Sprecher. Damit würde der "Kiez der Spione" noch etwas teurer als der Berliner Hauptbahnhof - der hatte 1,2 Milliarden gekostet.

"Modernste Geheimdienstzentrale Europas"

So soll die BND-Zentrale einmal aussehen.
So soll die BND-Zentrale einmal aussehen.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Für die Planer vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung ist der Neubau ein Projekt der Superlative. Rund 4000 BND-Mitarbeiter sollen in der "modernsten Geheimdienstzentrale Europas" auf etwa 260.000 Quadratmetern Geschossfläche arbeiten. 35 Fußballfelder könnten auf dieser Fläche Platz finden, hat Amtssprecher Andreas Kübler ausgerechnet. Von hier aus sollen die Einsätze der deutschen Spione in aller Welt geplant, gesteuert und ausgewertet werden. Auch eine Schule für BND und Verfassungsschutz wird es geben.

Als der BND-Umzug 2003 von der damaligen rot-grünen Regierung beschlossen wurde, hagelte es Proteste, vor allem aus Bayern. Bis dahin residierte die Zentrale des Geheimdienstes in Pullach bei München. Die CSU fürchtete den Verlust der Kaufkraft tausender Geheimer und kritisierte vor allem die hohen Umzugskosten für die Steuerzahler. Doch Rot-Grün argumentierte mit der veränderten Sicherheitslage und einer neuen außenpolitischen Rolle Deutschlands - und setzte sich durch. Der Nachrichtendienst sollte näher an die politischen Entscheider heranrücken.

BND bringt keine Chancen für das Viertel

Im Juli 2004 entschied sich die Bundesregierung auch deshalb für das Areal an der Berliner Chausseestraße. Zu DDR-Zeiten stand dort das "Stadion der Weltjugend". Als Berlins Mitte nach der Wende "hip" zu werden begann, schlugen Golfer hier in der Mittagspause Bälle ab.

Heute endet der "Latte-Macchiato-Gürtel" der schicken Berliner Mitte wenige hundert Meter vor dem BND-Gelände. Statt Muffins und Modeläden gibt es als Nachbarn Imbisse, Hostels und eine kaputte alte Fabrik. Der Mauerstreifen, der die Nachkriegsentwicklung des ganzen Viertels ausbremste, ist nicht weit. Ein paar Townhouse-Bauer haben sich in dieser Brache versucht. Ihre Häuschen wirken verloren.

Wo der BND-Präsident sitzt, bleibt geheim

Ob vom BND für die Entwicklung des Viertels Impulse ausgehen werden, ist fraglich. Seit der Grundsteinlegung im Mai 2008 hat sich hier nichts bewegt, außer den vielen Lastwagen, die 370.000 Kubikmeter Sand und Boden aus der Baugrube fuhren. Das hätte gereicht, um das Berliner Olympiastadion zu füllen. Nun ist der Rohbau des bis zu neunstöckigen Hauptgebäudes - 280 Meter lang, 150 Meter breit und 30 Meter hoch - fast fertig. 1000 Firmen übernehmen den Innenausbau. Wo genau der BND-Präsident sitzen wird, bleibt natürlich geheim.

Mehr als 1500 BND-Mitarbeiter arbeiten seit 2003 in mehreren Standorten in Berlin, darunter Präsident Ernst Uhrlau. Gut 2000 der 3500 noch in Pullach und anderen bayerischen Standorten beschäftigten Mitarbeiter sollen umziehen. Zurück in Bayern bleiben 1500 Geheimdienstler, die sich vor allem mit der "technischen Aufklärung" befassen sollen, mit der Überwachung von Telefonen, Internet und anderen Kommunikationsmitteln. Uhrlau selbst zieht nicht mehr in die neue Zentrale ein: 2011 geht er in den Ruhestand.

Quelle: n-tv.de