Dossier

Dsching Dsching ... ... Dschinghis Khan im Interview

"Dsching-, Dsching-, Dschinghis Khan! He Reiter, ho Reiter, he Reiter, immer weiter" - es gibt wohl kaum jemanden in Deutschland, der das nicht mitsingen könnte. 1979 vertrat Dschinghis Khan mit dem von Ralph Siegel komponierten Song Deutschland beim Eurovision Song Contest (4. Platz) und landete einen Riesen-Hit.

Zwei Mitglieder der sechsköpfigen Original-Besetzung von Dschinghis Khan sind verstorben. Und Leslie Mandoki widmet sich inzwischen lieber Produzenten-Tätigkeiten. Die übrigen drei Musiker jedoch haben sich - pünktlich zum Eurovision Song Contest 2007 - wieder zusammengetan und veröffentlichen am 11. Mai ein neues Album.

n-tv.de sprach mit dem letzten männlichen "Dschinghis Khan", Wolfgang Heichel, über die Rückkehr der Mongolen des Schlagers, Ralph Siegel und die deutschen Chancen beim Song Contest am Samstag in Helsinki.


n-tv.de: Dschinghis Khan reiten wieder. Was hat Sie denn bewogen, fast 30 Jahre nach Ihren großen Erfolgen die Gruppe wieder zu vereinigen?

Wolfgang Heichel: Mir ist erst nachdem ich aufgehört hatte, bewusst geworden, welche "verheerenden" Auswirkungen Dschinghis Khan hinterlassen hat - durch die Reaktionen des Publikums und dadurch, wie ich angesprochen wurde. Und es war Trotz, dass ich gesagt habe, ich will in Zeiten von Tokio Hotel und entgegen dem deutschen Jugendwahn-Irrsinn es noch einmal wissen. Das waren zwei Motivationspunkte für mich: Das Publikum wünscht, dass wir noch mal etwas machen, und ich sehe nicht ein, dass wir schon als Restmüll der Gesellschaft betrachtet werden.

Am 11. Mai erscheint ein neues Album mit dem Titel "7 Leben". Worauf müssen wir uns da gefasst machen?

Mindestens auf das, was Sie von Dschinghis Khan bisher gekannt haben. Wir haben versucht, die exotische, mystische und märchenhafte Welt in der bekannten Form weiterzuführen. Sicherlich sind auch ein paar Songs anders, unter anderem gibt es ein Lied, dass wir unseren beiden verstorbenen Kollegen gewidmet haben. Aber in jedem Fall geht es richtig ab.

Von der Originalbesetzung sind ja nur noch drei Mitglieder dabei. Ist Dschinghis Khan also nur noch ein Trio?

Was die Originalbesetzung angeht: Ja. Wir haben uns aber zusätzlich mit fünf Musical-Darstellern, die sowohl singen als auch tanzen können, ausgestattet, um auch dem "Brand name" Dschinghis Khan gerecht zu werden. Wir haben uns besprochen und sind zu der Meinung gelangt, dass es auch im Sinn der Verstorbenen ist, dass wir weitermachen und Dschinghis Khan so aufrecht erhalten.

Sie haben in Osteuropa ja schon Live-Auftritte absolviert. Und auch in Deutschland sind Konzerte geplant. Geht es bei den etwas gealterten Dschinghis Khan noch so wild wie früher zu?

Es ist mindestens noch so wild wie früher, nur mit dem Unterschied, dass die älteren Semester etwas weniger Bewegung machen und sich auf den Gesang konzentrieren.

Die Wiedervereinigung der Gruppe fand ohne Ralph Siegel statt. Hat die Chemie nicht mehr gestimmt?

Nein, die Chemie zwischen uns ist absolut in Ordnung. Wir hatten mit Ralph als Erstem gesprochen und ihn informiert, dass wir noch einmal ein Comeback versuchen wollen. Er wollte wohl einfach nicht mehr so richtig. Er hat uns alles Gute gewünscht, stand aber im Endeffekt eben nicht selbst zur Verfügung.

Bedauern Sie das?

Ein bisschen schon, aber ein bisschen auch nicht. Das ist so wie bei einem Klassentreffen. Man sieht sich nach 20 Jahren wieder, und jeder wird dann auch irgendwie respektmäßig in seine alte Rolle versetzt, ob er will oder nicht, und auch unabhängig davon, ob er sich in den vergangenen zwanzig Jahren verändert hat. Ich finde so ein neues Team um uns herum, nachdem wir auch mit den neuen Leuten gearbeitet haben, sehr spannend, interessant und kreativ. Das steht dem Ralph in Nichts nach.

Mit Ralph Siegel hat Dschinghis Khan 1979 am Eurovision Song Contest teilgenommen. Am Samstag ist es wieder so weit - interessiert sie der Song Contest in Helsinki?

Ja, klar.

Was empfinden Sie, auch mit Blick auf Ihren Auftritt vor 28 Jahren, wenn Sie heute den Song Contest sehen?

Wissen Sie, wenn Sie da selbst einmal mitgemacht haben, dann haben Sie einen ganz anderen Bezug dazu. Das betrifft nicht nur die Sendung, die nach außen geht. Sie schauen sich auch jeden Interpreten an und versuchen, zu beobachten oder mitzufühlen, was in ihm gerade vorgeht. Diese immense Aufregung und Nervosität, die da dabei ist, ist ja ein einmaliges Gefühl. Sie müssen sich nur vor Augen halten, dass Sie dort vor einer halben Milliarde Leute auftreten.

Das hört sich an, als ob es bei Ihnen richtig kribbelt …

Ja, absolut. Da kommen in einem auch die Gedanken an den eigenen Auftritt noch einmal hoch.

In den vergangenen Jahren ist der Song Contest stark in die Kritik geraten: Zu albern, zu flach, zu viel Englisch - das sind nur einige der Vorwürfe. Würden Sie sich dem anschließen?

Ich meine, das ist auch ein Entwicklungsprozess, den der Song Contest durchmacht, dass es weg von der Landessprache geht und verschiedene Sachen ausprobiert werden. Als Abba damals gewonnen hat, hieß es auch, man sei jetzt weg vom Chanson und plötzlich im Pop-Bereich. Solche Formulierungen sind damals auch durch die Medien gegeistert. Die Welt dreht sich doch permanent, es gibt permanent Veränderungen, warum also nicht auch bei den Kriterien des Song Contest. Ich finde das in Ordnung.

Die bunte Truppe Dschinghis Khan passte 1979 ja auch nicht unbedingt in das Grand-Prix-Schema …

Absolut. Über uns wurde sogar im Bundestag debattiert! Und im Spiegel wurde darüber geschrieben, ob es richtig sei, dass gerade wir Deutschland vertreten - mit so Gewalt verherrlichenden oder blutrünstigen Liedern, wie es hieß. Man hat es nicht mal mehr als Unterhaltung gesehen. Aber Fakt ist: Wir haben Deutschland vertreten - und dabei waren wir sogar multinational besetzt.

Was halten Sie vom diesjährigen deutschen Beitrag von Roger Cicero?

Kompliment, Hut ab, finde ich gut. Ich habe sogar selbst angerufen. Der Mann hat internationale Klasse, Talent und Können, nicht nur weil er der Enkel vom Jazzmusiker Eugen Cicero ist. Für mich ist das der europäische Michael Bubl.

Ein Tipp - wo landet Deutschland in diesem Jahr?

Wünschen würde ich Roger Cicero den ersten Platz, damit auch die Qualitätsmarke hier in Deutschland hoch gelegt wird. Wir haben aber international schon einige Geschmacksausrutscher erlebt. Um zu wissen, wie die anderen Länder das empfinden, kenne ich sie zu wenig. Aber ich denke, Roger Cicero wird unter die ersten zehn kommen, weil er eben doch internationale Klasse hat.

Die Original-Mitglieder von Dschinghis Khan sind heute zwischen 53 und 66 Jahre alt. Können Sie sich noch mal einen Auftritt beim Song Contest vorstellen?

Auf jeden Fall. Wir haben erst gestern Abend darüber gesprochen. Ich meinte: Was haltet ihr davon, wenn wir zu unserem 30-jährigen Bestehen 2009 das noch einmal machen? Das müssen wir aber wirklich in Ruhe diskutieren. Sehr viel hängt vom Song und den Umständen dann ab. Aber im Prinzip schon!

(Das Interview führte Volker Probst.)

Quelle: ntv.de