Dossier

Konflikt im Ostkongo Kämpfe gehen weiter

General Dieudonne Kayembe, Oberbefehlshaber der kongolesischen Armee, kam ohne Umschweife zur Sache: Alle Chancen auf eine friedliche Lösung des Konflikts in Nord-Kivu seien gescheitert, sagte der General vor wenigen Tagen bei einem Besuch in der ostkongolesischen Provinzhauptstadt Goma. Als Antwort auf die andauernden Spannungen bleibe nur Krieg. Dabei ist es schon seit Monaten alles andere als friedlich in den Vulkanbergen im Grenzgebiet zu Ruanda und Uganda.

Laurent Nkunda, abtrünniger General der kongolesischen Truppen, kämpft dort seit fast einem Jahr gegen Regierungstruppen und Hutu- Milizen. Waffenstillstandsgespräche scheiterten ebenso wie eine an die Rebellen gerichtete Frist, die Waffen niederzulegen. Von den Auseinandersetzungen ist vor allem die Zivilbevölkerung betroffen.

400.000 Menschen auf der Flucht

Fast 400.000 Menschen sind aus ihren Dörfern geflohen, um nicht zwischen die Fronten zu geraten. Die Glücklichen unter ihnen schafften es bis Goma, wo sie Schutz und Versorgung durch die Friedenshüter der UN-Mission MONUC finden. Andere leben in beengten Verhältnissen bei Freunden und Verwandten, in ständiger Furcht, die Kämpfe könnten sie auch dort erreichen. Viele der Flüchtlinge berichten von Gräueltaten, Plünderungen, Massenvergewaltigungen und Exzessen sexueller Gewalt, die selbst vieles von dem übertreffen, was in den vergangenen Jahren zur traurigen Realität in Konfliktgebieten wurde. Auch Kinder werden zunehmend zwangsrekrutiert.

Der abtrünnige General Nkunda gehört zur Volksgruppe der Tutsi. Er begründet den Kampf seiner etwa 6.000 Anhänger gegen die Regierungstruppen mit dem Schutz der kongolesischen Tutsi. Die Regierung von Präsident Joseph Kabila habe nicht genug getan, um Hutu-Milizen auf kongolesischem Gebiet zu entwaffnen - Milizen, die mitschuldig am Völkermord an den Tutsi in Ruanda im Jahr 1994 waren. Innerhalb von 100 Tagen wurden damals mindestens 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu brutal ermordet.

Stabilität der Nachbarstaaten in Gefahr

Die Regierung Ruandas hat bislang zurückhaltend auf den Konflikt auf der anderen Seite der Grenze reagiert, auch wenn es Berichte über eine Unterstützung für Nkunda gibt. Doch je näher die Kämpfe der Grenze kommen, desto angespannter wird die Situation. Auch Burundi könnte angesichts eigener Erfahrungen mit blutigen Konflikten zwischen Tutsi und Hutu seine Neutralität aufgeben, je mehr sich die Kämpfe dem kleinen zentralafrikanischen Land nähern.

Uganda hat bereits seine Grenze zum Kongo stärker gesichert und die Entwaffnung und Festnahme aller Kämpfer angeordnet, die ihre Waffen beim Grenzübertritt nicht abgeben. Die Regierung in Kampala will ein Übergreifen der Kämpfe auf die ugandische Seite unbedingt verhindern. Tausende von Flüchtlingen haben währenddessen jenseits der kongolesischen Grenzen Zuflucht gesucht.

Nicht zuletzt geht es beim Kampf um die Kontrolle über die Region Kivu auch um wirtschaftliche Interessen. Denn wer das Sagen in Kivu hat, hat auch Zugang zu den reichen Bodenschätzen des Landes.

Von Eva Krafcyzk, dpa

Quelle: ntv.de

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