Dossier

IWC-Tagung gescheitert Wale vor düsterer Zukunft

Südkorea kündigt an, wieder auf Walfang zu gehen. Der umstrittene Antrag Dänemarks wird vertagt. Japan jagt Wale aus wissenschaftlichen Zwecken: Auf der Jahrestagung des IWC werden keine Fortschritte erzielt und Schuld daran haben die USA und die EU.

toterwal.jpgFür die Wale wird die Lage immer bedrohlicher: Die 85 Mitgliedstaaten der Internationalen Walfangkommission (IWC) konnten auf ihrer Jahrestagung in Portugal keine Fortschritte erzielen. Und zu allem Übel kündigte Südkorea an, man wolle wieder auf Waljagd gehen. Nachdem die IWC auf der Insel Madeira gleich zu Beginn beschlossen hatte, dass man dieses Jahr keine "kontroversen Resolutionen" angehen wolle, wurde unerwartet auch die Abstimmung über einen umstrittenen Antrag Dänemarks vertagt. Daraufhin wurden die Gespräche einen Tag vor dem geplanten Tagungsende abgebrochen. Volker Homes vom WWF Deutschland ist enttäuscht: "Der große Durchbruch ist erneut ausgeblieben und die Blockadesituation von Walfanggegnern und -befürwortern konnte nicht aufgehoben werden".

In die Schusslinie der Kritiker gerieten nicht nur die Walfangnationen Japan, Norwegen und Island, sondern vor allem die US-Regierung von Barack Obama. Sie schlug sich den Tierschützern zufolge bei dem dänischen Antrag, den indigenen Einwohnern Grönlands in den nächsten fünf Jahren die Jagd auf insgesamt 50 Buckelwale zu genehmigen, auf die Seite der Walfänger und verhinderte "mittels Verfahrenstricks" eine Ablehnung. Noch vor Ende des Jahres will die IWC nun eigens eine Zwischenkonferenz zu Dänemark einberufen. "Die absolut skandalöse Politik der USA hat das ermöglicht. Sie wollte das Klima der Konferenz nicht gefährden, absurd", kritisierte Nicolas Entrup von der internationalen Wal- und Delfinschutzbewegung WDCS die Amerikaner.

EU und USA sind Schuld

Die Schuld am kläglichen Scheitern des Treffens in Funchal wird auch der Europäischen Union zugeschrieben. Dänemark sei es gelungen, ein Keil in die EU zu treiben, sagte Entrup. Lediglich Deutschland, England, Belgien, Portugal und Luxemburg hätten die Fahne des Walschutzes hochgehalten. "Die Verhandlungen der IWC (über Dänemark und über die Genehmigung eines Küstenwalfangs für Japan) mussten immer wieder unterbrochen werden, weil die EU sich nicht auf eine gemeinsame Stellungnahme einigen konnte", verriet Sandra Altherr von der Organisation "Pro Wildlife". Viele Staaten hätten "zu Recht mit Spott und Verärgerung" auf die schlecht vorbereitete EU reagiert.

wal.jpgDänemark und die Befürworter-Staaten beteuern, dass die Tötung von zehn Buckelwalen pro Jahr den Bestand nicht gefährden würde. Die Tierschützer entgegnen, Grönland habe in den vergangenen zehn Jahren nie seine volle Quote für den Walfang von Ureinwohnern ausgenutzt und Walfleisch verderben lassen oder sogar an Touristen verkauft. Nicht nur die Tierschützer sind empört. Australiens Umweltminister Peter Garrett schloss rechtliche Schritte gegen die Walfangnationen nicht aus. "Lebende Wale sind wertvoller als tote", betonte er. Walbeobachtungen hätten zuletzt im Schnitt 3,7 Prozent pro Jahr zugenommen und Tausende von Arbeitsplätzen geschaffen.

Japan nutzt Schlupfloch aus

Auf Madeira wurde mitgeteilt, dass im vergangenen Jahr ungeachtet des seit 1986 geltenden Walfangverbots weltweit 1930 der riesigen Säugetiere, die sich nur langsam vermehren, erlegt wurden. Japanische Harpunen töteten 52 Prozent davon. Im Gegensatz zu den Walfangnationen Island und Norwegen beachtet Japan formal zwar das Moratorium. Da Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt ist, nutzt das asiatische Land dieses Schlupfloch aus. Das japanische Forschungsprogramm gilt aber als Deckmantel für die kommerziell ausgerichtete Jagd. Indigene Völker dürfen eine begrenzte Zahl Großwale zur Selbstversorgung jagen.

Obwohl es - auch dank des Moratoriums - noch hunderttausende Wale gibt, weisen Tierschützer darauf hin, dass die sensiblen Säuger darunter litten, wenn getötete Tiere fehlen. Nach einem WWF-Bericht werden zudem die Auswirkungen des Klimawandels auch Wale, Delfine und Tümmler betreffen. Der Stress für die Tiere nehme zu, Nahrungsquellen würden knapper. Walschützer blicken in eine düstere Zukunft: "Während die Walfangländer seit Monaten mit immer neuen Fangquoten und Walfleischlieferungen provozieren, verlangen sie von den Walschutzländern, still zu halten. Und diese fügen sich widerstandslos - für die Wale ist dies brandgefährlich", sagte Sandra Altherr.

Quelle: n-tv.de, Emilio Rappold, dpa

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