Dossier

Vier Spitzenkandidaten Wer beerbt Olmert?

In Israel steht am 10. Februar, kurz nach dem Gaza-Krieg, eine Parlamentswahl an. Vier Spitzenkandidaten haben Chancen auf die Nachfolge von Ministerpräsident Ehud Olmert, der wegen Korruptionsaffären aus dem Amt scheidet.

BENJAMIN NETANJAHU: Der 59-jährige Oppositionsführer hat die größten Chancen auf den Posten Olmerts. Umfragen zeigen den Vorsitzenden der rechtsgerichteten Likud-Partei leicht in Führung. Netanjahu war bereits von 1996 bis 1999 Ministerpräsident. Unter Ariel Scharon bekleidete er von 2003 bis 2005 das Amt des Finanzministers. In weiten Teilen der Bevölkerung gilt er als der Architekt von Wirtschaftsreformen, die den Aufschwung des Landes begründeten. Im Gaza-Krieg stand Netanjahu hinter dem Kurs der Regierung. Der hochdekorierte frühere Elitesoldat hat angekündigt, den Friedensprozess mit den Palästinensern weiter voranzutreiben. Netanjahu will dabei den Fokus weg von territorialen Fragen hin zum Aufbau der Wirtschaft in den Palästinensergebieten legen.

ZIPI LIVNI: Die Außenministerin und Vorsitzende der regierenden Kadima-Partei liegt in den Umfragen knapp hinter Netanjahu. Livni gilt als mächtigste Frau in Israel seit der legendären Ministerpräsidentin Golda Meir aus den 70er Jahren. Die frühere Geheimdienstagentin Livni war lange Chefunterhändlerin im Nahost-Friedensprozess. Zuletzt verteidigte die 50-jährige die israelische Offensive im Gazastreifen vehement gegen internationale Kritik. Mit den USA handelte sie ein Abkommen aus, das die Wiederbewaffnung der radikal-islamischen Hamas verhindern soll.

EHUD BARAK: Der 66-Jährige ist Chef der Arbeitspartei, dem wichtigsten Koalitionspartner der Kadima. Als Verteidigungsminister konnte er sein Profil während des Gaza-Kriegs schärfen und seine Beliebtheit steigern. Umfragen zeigen den hochdekorierten Ex-General aber abgeschlagen hinter Netanjahu und Livni auf dem dritten Platz. Barak war bereits von 1999 bis 2001 Ministerpräsident. Seine Regierungszeit endete mit dem erfolglosen Versuch, Frieden mit dem Nachbarn Syrien zu schließen.

AVIGDOR LIBERMAN: Geboren 1958 in der ehemaligen Sowjetunion und mit 20 Jahren nach Israel emigriert, könnte er mit seiner Partei Israel Betheinu (Israel unser Haus) die Arbeitspartei von Barak noch überflügeln. Liberman diente beim Militär und studierte politische Wissenschaften. Er war Generalsekretär der Likud-Partei und Generaldirektor des Ministerpräsidentenamtes unter Benjamin Netanjahu. 1999 gründete er seine eigene Partei, die heute auf allen chancenreichen Plätzen nur aus Russland stammende Kandidaten aufweist. Unter Ehud Olmert wurde Liberman "Minister für strategische Angelegenheiten", zuständig für die Beobachtung des Iran und seines Atombomben-Projekts. Der scharf rechtsgerichtete Politiker will Israel in der EU und der NATO sehen. Er könnte nach den Wahlen der "Königsmacher" werden, zumal er nicht verrät, wen er dem Staatspräsidenten als künftigen Ministerpräsidenten empfehlen will.

Quelle: ntv.de

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