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Auch ohne "Durchbruch" Annapolis ist Riesenerfolg

Die Araber von Marokko bis Irak leben in einer heilen Welt. Da gibt es offenbar keine amerikanischen Besatzer im Irak und Terrorattacken mit eintausend Toten pro Woche. Niemand sieht die zwei Millionen Flüchtlinge im Sudan, die vor einem Genozid flüchten, der schon mindestens einer halber Million Menschen das Leben gekostet hat. Im Libanon scheint es auch keine Verfassungskrise mitsamt drohendem Bürgerkrieg zu geben.

Hätten die Amerikaner zu einem internationalen Treffen in Annapolis gerufen, um die oben genannten Problemchen zu lösen, wären wohl kaum 49 Nationen mitsamt Weltbank, Vatikan, Saudi Arabien und Südafrika gekommen. Wenn es aber um den 22.400 Quadratkilometer großen Flecken Israel geht, ein Ländle von der Größe Hessens, und um den noch nicht real existierenden Staat Palästina, dann ist plötzlich aller Hass auf George W. Bush vergessen. Dann dürfen sich die Amerikaner wieder als Weltmacht profilieren. Allein die Tatsache, dass es den Saudis gelang, Syrien zur Pilgerfahrt nach Annapolis zu zwingen, ohne Versprechen von Bush, die Golanhöhen zu erwähnen, kann schon als Riesenerfolg gewertet werden. Die giftigen Reaktionen des Iran über die „Dummheit“ der Syrer, nach Annapolis zu fahren, und die Bestürzung der Hamas, zumal ihr oberster Chef Chaled Maschal in Damaskus sitzt, können die Amerikaner und Saudis mit Genugtuung erfüllen.

Israel und die Palästinenser verhandeln ohnehin einmal die Woche auf höchster Ebene. Dafür benötigen sie keine Adrenalinspritze aus Annapolis. Der Präsident von Halb-Palästina (ohne den Gazastreifen) kann sich nur noch mit Hilfe Israels halten. Und Israel will die Hamas nicht auch im Westjordanland sehen. Es tut also alles, um Mahmoud Abbas mit Vitaminspritzen über Wasser zu halten.

Annapolis ist für alle Beteiligten ein Riesenerfolg, obgleich klar ist, dass es beim sogenannten Nahostkonflikt keinen „Durchbruch“ geben werde. Denn in Wirklichkeit geht es um den „Mittleren Osten“, um Iran, die potentielle iranische Atombombe und den Einfluss Teherans auf eine Internationale des Terrorismus: die Hisbollah im Libanon, die Hamas in den Palästinensergebieten und letztlich auch um El Kaeda. Trotz Irak, Verruf und schwindendem Einfluss scheinen die Amerikaner den gemäßigten arabischen Staaten mehr zu bieten, als wahrgenommen. Die 49 geladenen Staaten wären kaum zur größten Polit-Party dieses Millenniums gekommen, wenn es nur darum ginge, die Palästinenser vor dem Abgrund einer Hamas-Diktatur zu retten oder Israel zur Aufgabe von ein paar Quadratkilometern zu erpressen.

Quelle: ntv.de