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"In zwei Wochen Kiew einnehmen" Putins Kriegsdrohung entlarvt den Kreml

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Wladimir Putin, drohend.

dpa

Der russische Präsident spricht mit dem mächtigsten Mann der EU und droht mit Krieg. Egal, warum sich Putin dazu hinreißen lässt - die Aussage zeigt, dass der Kreml angeschlagen ist. Der Weg des Westens zeigt sich damit umso deutlicher.

"Wenn ich will, kann ich Kiew in zwei Wochen einnehmen." Dieser Satz stammt von Wladimir Putin. Der russische Präsident sagte ihn während eines Telefonats mit EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso. Der Kremlchef habe so vor weiteren Sanktionen gegen sein Land warnen wollen, heißt es in "La Repubblica", die das Zitat zuerst veröffentlicht hatte. Putin sieht sich als starken Mann, doch mit dieser Aussage hat er einen Fehler gemacht: Er zeigt Schwäche.

Zugegeben, es gibt mehrere Möglichkeiten, die Drohung aus Moskau zu verstehen. Erstens: Russland legt die Karten endlich auf den Tisch, sagt, was es nicht beabsichtigt - einen offenen Krieg mit dem Ziel der Eroberung der gesamten Ukraine. Zweitens: Putin will den russlandtreuen Separatisten im Nachbarland den Rücken stärken, indem er sich als standhaft und militärisch potent präsentiert. Die dritte und wahrscheinlichste ist, dass die Sanktionen des Westens mehr wirken, als Putin zugeben will, und er sich in die Enge getrieben fühlt.

Dies ist sowohl für den Westen als auch für Kiew die wünschenswerteste Deutung. Denn beide wollen die territoriale Einheit der Ukraine erhalten.

Putin disqualifiziert sich

Unabhängig davon, ob die Aussage im Affekt geschah oder Teil eines Plans war: Spätestens jetzt hat sich Putin als Verhandlungspartner des Westens disqualifiziert. Wenn der so machtversessene Kremlchef sich von Emotionen übermannen lässt, ist er nicht mehr berechenbar. Falls die Androhung militärischer Gewalt kalkuliert war, ohnehin. Dann befindet Putin sich mit seiner Taktik der schrittweisen verbalen Konfrontation endgültig im Fahrwasser der großen Despoten.

Zu Recht hat der britische Regierungschef David Cameron davor gewarnt, die Beschwichtigungspolitik und diplomatischen Fehler im Umgang mit Nazi-Deutschland zu wiederholen. Trotzdem ist eine militärische Lösung des Konflikts mit offener Beteiligung der Nato-Staaten unter allen Umständen zu vermeiden; zu hoch ist das Risiko einer Eskalation, die zu Tod und Schrecken in ganz Europa und der Welt führen könnte.

Putins Kriegsdrohung ist jedoch kein Zeichen der Stärke - sondern ihr Zeitpunkt ein Beweis dafür, dass der Weg des Westens der richtige ist. Die Sanktionen gegen Russland sind effektiv. Jetzt kommt es darauf an, wer den längeren Atem hat.

Quelle: n-tv.de

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