Person der Woche

Person der Woche: Armin Laschet Drei Gründe, warum Laschet doch Kanzler wird

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Laschet hat sich noch längst nicht aufgegeben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Unionswahlkampf lief zuletzt miserabel bis katastrophal. Vier Wochen vor der Wahl aber beginnt ihr Kanzlerkandidat anzugreifen. Das erste TV-Triell bildet den Anfang. Die Granden der CDU entwickeln ein "Projekt 24" - und Laschet könnte am Ende noch ins Kanzleramt einziehen.

Armin Laschet war vor dem ersten Fernseh-Triell politisch nahtot. Die Umfragen im freien Fall auf die 20-Prozent-Marke zu, die Partei wie paralysiert, kein Mobilisierungsthema weit und breit. Der erste große TV-Wahlkampfauftritt drohte zur televisionären Beerdigung aller Kanzlerambitionen zu werden. Doch das Gegenteil ist passiert. Laschet hat das Triell zwar nicht fulminant gerockt oder auch nur messbar gewonnen. Aber es ist ihm etwas anderes, womöglich Entscheidendes gelungen - ein Comeback des Willens.

Der CDU-Vorsitzende hatte wochenlang die provozierend bräsige Strategie verfolgt, jeden Willen zu verstecken, bloß nicht anzuecken, im flüsterleisen Schlafwagen nach Berlin zu rollen. Jetzt hat er die fauchende Dampflok hergezeigt. Er war besser als sein Ruf, angriffslustig und kantig wie noch nie im Wahlkampf. Zugleich organisiert die Wahlkampfzentrale einen Strategiewechsel. Hinter den Kulissen formieren sich selbst die bislang passiven Parteigrößen. Am Montag glühten die Telefone der Union und alle haben den Impuls aufgenommen.

Hauptsache vorne

Für die zwischen Zweifeln und Verzweifeln taumelnde CDU "ist das ein Game-Changer", raunt selbst ein Laschet-Kritiker aus der eigenen Parteispitze. Es gibt drei Gründe, warum Laschet am Ende doch noch Kanzler werden könnte:

Erstens braucht Laschet für die Eroberung des Kanzleramts keine breite Woge der Zustimmung, weder 40 noch 30 Prozent der Wählerstimmen. Ihm reicht es, am Ende knapp vor der SPD zu landen und als stärkste Partei den legitimen Auftrag für die Koalitionsbildung zu erringen. Womöglich reichen ihm dafür sogar 24 Prozent. In Unionskreisen wird schon vom "Projekt 24" geunkt, was dort deswegen für bittersüße Stimmung sorgt, weil Helmut Kohl im Jahr 1976 selbst 48,6 Prozent der Stimmen nicht reichten, um Kanzler zu werden. Diesmal könnte hingegen exakt die Hälfte schon genügen.

In der CDU-Zentrale hält man 24 Prozent für "absolut realistisch". Es reiche daher "vollkommen aus", wenn man den engsten Kreis der Kernwählerschaft mobilisiere. Dies werde in einem Schlussspurt "immer möglich", zumal seit Montag der Hoffnungsfunken im eigenen Lager wieder da sei. In der CDU-Zentrale hofft man zudem auf einen Duell-Effekt zwischen SPD und Union. Da die Frage, wer von beiden vorne liegen wird, am Ende alles entscheiden könnte, würden bürgerliche Wechselwähler sich im letzten Moment von der FDP weg und hin zur CDU bewegen. Im linken Lager sei dies zwischen Grünen und SPD bereits passiert.

Achtung: die Sozialisten kommen!

Zweitens hat Laschet endlich sein Mobilisierungsthema fürs Wahlkampffinale gefunden. Da die Umfragen derzeit eine rot-rot-grüne Regierung möglich erscheinen lassen, kann die Union das eigene Lager mit diesem Schreckgespenst in Wallung bringen. Im Triell hatte Laschet einen der besten Momente, als er Scholz mit der Forderung, eine Koalition mit den Linken auszuschließen, in die Enge trieb. Viele Wähler der Mitte mögen einen Regierungswechsel befürworten. Eine Linksregierung unter Beteiligung der SED-Nachfolgepartei aber wird mit großen Mehrheiten abgelehnt.

Die Union wird in den kommenden Wochen daher den drohenden Linksrutsch Deutschlands intonieren. Das dürfte linke und grüne Kernwähler zwar kaltlassen, im eigenen Milieu aber verfängt das Thema sehr wohl. Laschet hat damit endlich das, was seiner Kampagne bisher völlig fehlte: ein echtes Motiv für die Stammkundschaft, doch noch einmal die CDU zu wählen.

Zuschlagen, wenn es zählt

Drittens wird zum Ende des Wahlkampfs eine Stärke Laschets sichtbar, die schon viele seiner politischen Gegner verblüfft hat - seine bemerkenswerte Resilienz. Laschet hatte in seinem politischen Leben häufig schon verloren geglaubte Kämpfe durchgestanden. Immer wieder musste er gegen in Umfragen beliebtere Gegner antreten. Ob Hannelore Kraft oder Norbert Röttgen, Friedrich Merz oder Markus Söder: Einen Konkurrenten nach dem anderen besiegte der vermeintlich lasche Weichspüler am Ende genau mit einem harten Überraschungs-Punch.

In der Union erinnern sich alle noch an Laschets Weihnachtswunder, als er vor neun Monaten in Umfragen peinlich abgeschlagen hinter Friedrich Merz im Wettbewerb um den CDU-Vorsitz lag, am Ende aber kurz vor dem Parteitag die Stimmung drehte. Oder auch ans Osterwunder, als Markus Söder alle Trümpfe im Kampf um die Kanzlerkandidatur in der Hand zu halten schien. Wieder war Laschet der Umfragen-Loser und wieder gewann er in letzter Minute.

Diesmal hoffen die CDU-Strategen aufs Septemberwunder, denn Laschet wirkt - diesmal gegenüber Olaf Scholz - wieder einmal auf der Verliererstraße. Doch es sei seine defensive Spezialität geworden, die Gegner erst im entscheidenden Moment mit Angriffen zu überwältigen. Laschet hat Durchhaltevermögen, er verfügt über gewitzte Widerständigkeit und die Gabe, sich erst in der letzten Sekunde bei der politischen Reise nach Jerusalem auf einen Stuhl zu werfen. So wie auch bei der NRW-Wahl 2017. Ein Vertrauter meint: "Im Grunde braucht Laschet die Underdog-Situation, um richtig gut zu werden."

Quelle: ntv.de

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