Pressestimmen

Wie Rechtsextreme profitieren "Angst ist ein schlechter Ratgeber"

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(Foto: picture alliance / dpa)

Terroranschläge, Flüchtlingskrise und der Rechtsruck innerhalb der Bevölkerung: Deutschland verändert sich zunehmend. Die Menschen verlieren immer mehr das Vertrauen in die Politik und schenken rechtsextremen Parteien Gehör. Das Instrument von Parteien wie der AfD oder des Front National in Frankreich ist Angst. Die diffuse Angst davor, sich im eigenen Land fremd zu fühlen und die konkrete Angst vor Terroristen, die als Flüchtende getarnt nach Europa kommen. Doch Angst sollte nicht über das Denken siegen, meint die Presse.

Die Neue Osnabrücker Zeitung stellt sich die Frage, woher die Angst in dieser wirtschaftsstarken Phase kommt: "Am ökonomischen Umfeld in Deutschland kann es nicht liegen. Doch jetzt stehen die Flüchtlinge vor unserer Tür, und zeigen uns drastisch, in welch schwierigen Zeiten wir leben. Die Griechenland- Krise, der Ukraine-Konflikt, die Annexion der Krim, der Krieg in Syrien und nicht zuletzt die Terroranschläge tun ein Übriges, um die Menschen zu verunsichern." Nichtsdestotrotz sollte man sich dieser Angst entgegenstellen. Denn "Angst ist ein schlechter Ratgeber, weil sie lähme und den Blick auf Lösungen verstelle. Stattdessen seien Mut und Beharrlichkeit gefragt, um eine vernünftige Lösung für den Krieg in Syrien und beim Kampf gegen Terrorismus und Extremismus zu finden.

Die Zeitung Aachener Nachrichten kann der Angst immerhin ein wenig Gutes abgewinnen. Ihrer Meinung nach sollte man Angst nicht verteufeln, schließlich sei sie auch ein Schutzreflex. "Könnte der Mensch keine Angst empfinden, gäbe es ihn vielleicht schon gar nicht mehr. Angst ist nicht schlecht. Nur die Konsequenzen, die Menschen aus ihr ableiten, können schlecht sein."  Wer die Ängste der Menschen versteht, habe Macht. Deshalb sollten Politiker die Sorgen der Menschen auch ernst nehmen. "Die hässliche Seite der Angst zeigt sich aber in dem Zuspruch, den rechte und rechtsextreme Parteien zurzeit erfahren." Parteien wie die AfD oder der französische Front National spielten ganz bewusst mit der Angst ihrer Anhänger vor dem Fremden, dem Islam und "mit dem Gefühl dieser Menschen, von den etablierten Parteien nicht beachtet zu werden."

Deutliche Worte findet die "Nordsee-Zeitung". Sie konstatiert: Es gibt keinen Grund für Angst. Die Welt sei, verglichen mit früher, sicherer geworden. Lediglich aufgrund der wachsenden Vernetzung "nehmen wir schlimme Ereignisse einfach stärker wahr als früher." Abgesehen von den Konfliktherden in der islamischen Welt, gehe es der Welt sogar viel besser als früher. "Freiheit, Wohlstand, Gesundheit - die Menschheit hat auf allen Gebieten Fortschritte gemacht. Und für unser Land gilt das ganz besonders." Zudem merkt sie an, dass knapp die Hälfte der Deutschen keine Angst vor der Zukunft haben. "Das sind diejenigen, die jetzt die Ärmel aufkrempeln sollten und ihre ängstlichen Nachbarn einfach mitnehmen sollten auf dem Weg dorthin."

Zusammengestellt von Son Pham Tuan

Quelle: ntv.de