Pressestimmen

Forderungen nach Körperscannern "Ein Reflex, der langweilt"

Noch 2008 erteilte die Große Koalition den "Nacktscannern" eine Absage. Nach dem versuchten Flugzeug-Attentat stehen sie nun wieder auf der Agenda. Die Versäumnisse liegen jedoch woanders.

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Schon wird auf Flughäfen schärfer kontrolliert.

(Foto: AP)

Es ist ein Reflex, der allmählich langweilt, heißt es in der Hamburger Morgenpost: Politiker forderten nach jedem Schlag der Terroristen höhere Sicherheitsstandards, was gleichzeitig den Abbau von Persönlichkeitsrechten bedeute. "Fatal" im Falle des verhinderten Flugzeugbombers Abdulmutallab sei, "dass der Flug des Nigerianers hätte verhindert werden müssen, hätten die Behörden nur alle Informationen konsequent ausgewertet." Das US-Zentrum für Terrorbekämpfung sei umfassend über die Gefährlichkeit des im Jemen geschulten Islamisten informiert gewesen.

Die Leipziger Volkszeitung pflichtet den Forderungen nach größeren Sicherheitsvorkehrungen bei, zweifelt jedoch an der Komplexität der Aufgabe: "Sollen Fluggäste künftig nicht nur den Inhalt ihres Handgepäcks vorzeigen, sondern auch Genitalien, Implantate, Prothesen, einen künstlichen Darmausgang?" Man könne diese Frage mit ja beantworten und hoffen, dass die "Aufgabe von Intimsphäre und Persönlichkeitsrechten" Terroranschläge in der Luft verhindern werde. Allerdings wundert sich die Zeitung, warum es möglich ist, Bilder von Wassertropfen auf dem Mond zu machen, aber noch keine akzeptable Kontrolltechnik auf Flughäfen vorhanden sei.

"Die Erregung in der Politik über die geplante Scannerei ist nur noch halb so groß wie vor einem Jahr." Aus der einhelligen Ablehnung sei ein 'Schaun mer mal' geworden, beobachtet die Süddeutsche Zeitung. "Das Wort 'nackt' wird von den Sicherheitspolitikern zunehmend vermieden." Es finde eine terminologische Verharmlosung statt - zur Vorbereitung der Einführung der Geräte. "Das Nacktscanning heißt jetzt Körperscanning; die Intimität soll, heißt es, gar nicht mehr gezeigt werden. Man hört die Botschaft, es fehlt der Glaube. Mit solchen Ankündigungen wird der Eingriff bagatellisiert."

In Rostock fühlt sich die Ostsee-Zeitung in der Debatte wie zuhause: "So viel, wie auf den Scanner-Bildern vom Körper zu sehen ist, präsentiert doch zumindest jeder zweite Badestrand-Besucher ganz freiwillig. Okay, da entscheiden Mann und Frau selbst, ob und wie weit sie sich entblößen. Ein auf möglichst gute Erkennung von Sprengstoff eingestellter Körper-Scanner wird da wenig Ausnahmen machen dürfen." Würde der Schambereich ausgeblendet, würden Attentäter genau dort die Bombe verstecken. Die Flughäfen bräuchten die Passagiere nur vor die Wahl zu stellen: Nacktscanner oder Abtasten.

Die Mittelbayerische Zeitung aus Regensburg riecht Sicherheits-Hysterie – und einen anderen alten Bekannten: Die Terrorangst und ihr Begleiter. "Jetzt, da es glücklicherweise gelang, ein schreckliches Attentat mit vermutlich Hunderten von Opfern zu verhindern, schallt es durch die nachweihnachtliche Ruhe: Wir brauchen mehr Sicherheit - und am besten noch die Nacktscanner dazu." Dass technisches Gerät alleine etwas nutzen würde, bezweifelt die Zeitung. Das Traurige an der Debatte sei, "dass sie viel zu oft einem quacksalberischen Arzt gleicht". Es werde an den Symptomen herumgedoktert, während die Ursache unbeachtet bleibt.

Quelle: ntv.de, Zusammengestellt von Roland Peters

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