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Geburtenrate in Deutschland sinkt "Eine Ohrfeige für die Politik"

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Noch immer müssen sich viele Frauen entscheiden: Kind oder Karriere.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Deutschland werden immer weniger Kinder geboren. Einer neuen Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zufolge spielt das gesellschaftliche Klima dabei eine wesentliche Rolle. So ist für Frauen, die Kinder und Karriere vereinbaren, das Wort "Rabenmutter" in den Köpfen vieler Deutscher noch immer verankert. Um das zu ändern, müssen die Politiker die Rahmenbedingungen schaffen. Die aber haben bisher kläglich versagt.

"Die Erkenntnis der neuen Studie ist so simpel wie erschreckend: Der Kinderwunsch scheitert an der gesellschaftlichen Realität." Die Pforzheimer Zeitung sieht die ganze Gesellschaft in der Verantwortung, die Politik allerding hätte zuletzt "nicht dazu beigetragen, dass sich etwas zum Besseren wandelt. Vom Elterngeld bis zum Betreuungsgeld, vom Ehegattensplitting bis zum Unterhaltsrecht - es ist ein einziges Hü und Hott, das da in Berlin produziert wird. Woran sollen sich Frau, Mann und Wirtschaft da bitte orientieren?"

Dass althergebrachte Rollenbilder in der Gesellschaft noch immer tief verankert sind, meint auch der Mannheimer Morgen: "Berufstätige Frauen ernten für ihren Spagat zwischen Büro und Bauklötzchen mehr Kritik als Anerkennung. Männer, die sich nicht nur am Wochenende um ihren Nachwuchs kümmern wollen, ebenso." Mit Geld alleine können Vorbehalte aber nicht aus der Welt geschafft werden, wie die Realität zeige: "Weder das Kindergeld noch die staatlich geförderte Elternzeit haben bisher einen Kindersegen bewirkt, vom Betreuungsgeld ganz zu schweigen. Nötig wäre eine echte Gleichstellung der Geschlechter - in den Köpfen und in der Arbeitswelt. Dann kommen die Babys vielleicht von ganz allein."

Das Bild von der Mutter, die ausschließlich für ihre Kinder da sein solle, müsse endlich als überholt angesehen werden, schreiben auch die Nürnberger Nachrichten. Das zu ändern sei "ein jahre-, wenn nicht jahrzehntelanger Prozess - das zeigt Frankreich, wo die Geburtenrate deutlich höher ist." Es sei die Aufgabe der Politik, Rahmenbedingungen zu schaffen, "die auch arbeitende Mütter zu einer Selbstverständlichkeit machen. Dazu gehört eine Kinderbetreuung, der die Eltern vertrauen können - und (…) eine Gleichstellung der Geschlechter. Bei beidem haben die Regierungen bislang weitgehend versagt. Der Kita-Ausbau kommt erst jetzt richtig in Schwung, die Frauenquote ist zur Flexiquote verkümmert."

"Was für eine Ohrfeige für die Politik!", kommentiert die Eßlinger Zeitung. Die Reaktion der Politiker fiele auch dementsprechend hilflos aus: "Sie könne ja nicht selbst für Nachwuchs sorgen, Kinder müssten schon die Menschen bekommen. Geschenkt. Auf die Weichenstellung kommt es an. Denn die in den Augen der Gesellschaft untergeordnete Wichtigkeit berufstätiger Mütter manifestiert sich in zahlreichen Bereichen: etwa in den noch immer schwierig mit Arbeitszeiten zu vereinbarenden Öffnungsstunden von Kindergärten, in schlecht bezahlten Teilzeitjobs mit mangelnden Aufstiegsmöglichkeiten sowie in der weiterhin üblichen Praxis, dass in erster Linie die Mutter die Betreuung und Erziehung des Kindes übernimmt.

Wie auch immer gearteter gesellschaftlicher Erwartungsdruck kann nach Meinung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nicht der Grund für die geringe Geburtenrate in Deutschland sein, sondern "schon eher Bildung, Selbstverwirklichung, Emanzipation - der Frauen natürlich", Männer hingegen "tun sich meist leicht mit der Behauptung, Beruf und Familie seien leicht miteinander zu vereinbaren. Denn ihr Beitrag zur Bewältigung dieses Spagats ist oft gering." Im Gegensatz zu anderen Zeitungen, findet das Blatt, dass der Staat schon einige Maßnahmen in die Wege geleitet habe ("er fördert Frauen im öffentlichen Dienst und subventioniert die Verbindung von Familie und Beruf"). Der Staat müsse aber an seine Grenzen stoßen, denn "er kann, will er seine freiheitlichen Grundlagen nicht verraten, schlechterdings Unternehmen nicht vorschreiben, wie sie ihre Gremien zusammenzusetzen haben."

Quelle: n-tv.de

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