Pressestimmen

Euro-Rettung in Brüssel "Nur ein erster Schritt"

Die europäische Idee ist nicht am Ende, das beweist laut n-tv.de der Euro-Gipfel in Brüssel. Auch die restliche Presse lobt die erzielte Einigung, auch wenn sie spät kommt und noch längst nicht die letzte erforderliche sein wird.

27666298.jpg

Eine Billion Euro sollen Europa retten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Den Finanzmärkten sei nach Sektlaune gewesen, die Kurse schnellten nach oben, beobachtet die Nürnberger Zeitung am Morgen nach den Beschlüssen zur Euro-Rettung. Doch das Blatt mahnt auch, dass dies nicht darüber hinwegtäuschen dürfe, "dass die lange Nacht von Brüssel nur ein erster Schritt war – wenn auch ein immens wichtiger. Der Euro bekommt eine neue Chance. Nicht mehr und nicht weniger. Ob die Signale aus Brüssel auch langfristig die gewünschte Wirkung zeitigen und die gemeinsame Währung retten, das wird die Zukunft zeigen. Die Griechen jedenfalls können nach dem 50:50-Schuldenschnitt nun durch eiserne Sparbemühungen ihren Platz im Euro-Raum rechtfertigen. Dafür, dass dies gelingt, stehen die Chancen wohl auch 50:50 – bestenfalls."

Ähnlich verhalten äußert sich das Mindener Tageblatt. Zwar lobt die Zeitung den errungenen Konsens: "So zäh und schwerfällig sich das europäische Krisenmanagement angesichts des Zwangs zur Einigkeit und der Unterschiedlichkeit der Interessen immer wieder erweist, so zuverlässig kommt am Ende doch ein Kompromiss heraus." Aber das Blatt weist auch darauf hin, dass die Gräben zwischen Euro-Gruppe und dem Rest der Union – insbesondere Großbritannien – unübersehbar seien. "Noch ist die Schuldenkrise beileibe nicht gemeistert. Klarer denn je ist nach diesem Gipfel, dass dies nur gemeinsam gelingen kann. Anstrengungen wie die jüngste sind dabei nicht beliebig wiederholbar. Die Grenzen der Belastbarkeit sind allseits erreicht." Das sei auch dem Führungspersonal anzusehen.

Die Westdeutsche Zeitung bewertet die Einigung in Brüssel als einen großen Erfolg: "Sie beschreibt womöglich den Startpunkt einer gemeinsamen Finanzpolitik, der sich die EU-Länder nicht mehr ohne Weiteres entziehen können. Vielleicht ist bald Schluss mit der hemmungslosen Schuldenmacherei im Euro-Raum."

"Besser spät als nie", meint das Handelsblatt: "Nachdem sie mehr als ein Jahr an den Symptomen der Schuldenkrise herumgedoktert und sich mit halbherzigen Maßnahmen immer wieder nur Zeit gekauft haben, drehen sie jetzt an den richtigen Stellschrauben, um zumindest die akute Krise in den Griff zu bekommen. Hätte man sich dazu bereits vor Monaten durchgerungen, wäre die Sache deutlich billiger geworden."

Die Stuttgarter Zeitung meint auch, dass der Schuldenschnitt sicherlich schon hätte früher beschlossen werden können. Doch das Blatt fragt: "Wer hätte noch vor einem Monat vorhergesagt, dass ein solches Bündel am Ende geschnürt werden kann?" Risiken blieben natürlich trotzdem. "Entscheidend, aber letztlich ungeklärt ist etwa die Frage, ob die geplante staatliche Absicherung wirklich ausreicht, um private Investoren zur Zeichnung von Anleihen der Krisenländer zu bewegen. Nur, wenn dieser aufgepumpte Rettungsschirm funktioniert, können die Staats- und Regierungschefs mit einiger Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass sie nicht noch einmal vor ihren Parlamenten um eine Aufstockung der Hilfsgelder bitten müssen."

Quelle: n-tv.de, zusammengestellt von Julia Kreutziger

Mehr zum Thema