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Automat streikt Darf man ohne Ticket Bahnfahren?

Gerade an kleinen Bahnhöfen gibt es schon lange keine Ticketschalter mehr, ein Automat muss reichen. Aber was, wenn der keine Fahrkarte herausrücken will? Wer nicht zum Schwarzfahrer wider Willen werden will, muss sich an die Regeln halten.

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Störung melden und dem Schaffner Bescheid geben, das ist der sicherste Weg, Strafzahlungen zu vermeiden.

(Foto: imago/Steinach)

Jede Minute fährt die Bahn ein, doch der Ticketautomat streikt oder nimmt das Geld nicht an. Was tun? Einfach ohne Fahrkarte einsteigen ist die naheliegende Lösung. Aber darf man das überhaupt? Und wie überzeugt man den Schaffner, dass man kein Schwarzfahrer ist?

Hat man am Bahnhof ausreichend Zeit, ist ein defekter Automat kein Problem. Man nimmt einfach einen anderen oder stellt sich am Schalter an. Gibt es solche Alternativen, dann muss man sie auch nutzen. Wer die Reise an einem größeren Bahnhof startet, wird sich also schwerlich damit herausreden können, dass ein einziger Automat ausgefallen ist.

Ist tatsächlich nur der störrische Automat in Reichweite, darf man auch ohne Ticket in den Zug steigen. Vorher sollte man sich aber zumindest noch die Automatennummer notieren. Außerdem ist es hilfreich zu wissen, wann genau das Gerät gestreikt hat. Wer auf Nummer sicher gehen will, meldet die Störung bei der Bahn. Die hat dafür mit der 0800-2886644 eine kostenlose Servicenummer eingerichtet.

Im Zug sollte man dann nicht einfach auf die Kartenkontrolle warten, sondern sich schnellstmöglich beim Bahnpersonal melden – ansonsten wird man doch noch als Schwarzfahrer eingestuft. Hat man die Störung schon durchgegeben, kann der Schaffner das mit der Automatennummer überprüfen. Er stellt dann einfach ein reguläres Ticket aus. Die Störungskontrolle der Bahn funktioniert allerdings nicht ganz zuverlässig. Ist beispielsweise der Geldeinwurfschlitz verklebt, kann das die Bahn bei der Online-Abfrage nicht unbedingt feststellen. Zur Sicherheit sollte man deshalb am besten ein Foto machen.

Hat man den Defekt noch nicht bei der Bahn angezeigt, wird es etwas komplizierter. Dann stellt der Schaffner zwar ebenfalls ein tarifmäßiges Ticket aus, will aber auch den Personalausweis sehen. Den braucht er, um eine "Fahrpreisnacherhebung" auszustellen. Das klingt drastischer, als es ist: Zahlen muss man erstmal nichts, die Nacherhebung wird nur fällig, wenn der Defekt nicht bestätigt werden kann. Sollte das der Fall sein, wird es teuer: die Nacherhebung kostet das Doppelte des normalen Fahrpreises, mindestens aber 40 Euro. Auf jeden Fall wird man von der Bahn nochmal angeschrieben.

Passendes Geld oder Karte

Übrigens: Auch wenn man eigentlich eine personalisierte Fahrkarte besitzt, diese aber vergessen hat, kommt das Nacherhebungs-Procedere in Gang. Kann man den Fahrausweis innerhalb von 14 Tagen vorlegen, kommt man um den erhöhten Fahrpreis herum und zahlt lediglich eine Bearbeitungsgebühr.

Manchmal scheitern Bahnfahrer auch am Automaten, weil der ihr Geld nicht will. Das passiert besonders bei Kleinbeträgen, wenn nicht mehr genügend Münzen als Wechselgeld vorhanden sind. Wer also ein 5-Euro-Ticket mit einem 20-Euro-Schein bezahlen will, muss sich darauf gefasst machen, dass das nicht funktioniert. Als Defekt gilt das normalerweise aber nicht, schließlich kann der Kunde immer noch mit Münzen oder Karte bezahlen. Wer trotzdem ohne gültiges Ticket in die Bahn steige, müsse sich auf ein erhöhtes Beförderungsentgelt gefasst machen, so die Erfahrung der Schlichtungsstelle Nahverkehr. In solchen Fällen bestehe das Verkehrsunternehmen in der Regel auf die Zahlung.

Quelle: n-tv.de, ino

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