Ratgeber

Reifen platt, Kette rostig Das Fahrrad in Eigenregie reparieren

Luft aufpumpen und Kette ölen: Das hat jeder Radler schon mal gemacht. Doch mit etwas Geschick und Wissen können ambitionierte Schrauber noch viel mehr an ihrem Drahtesel selbst erledigen. Bei manchen Problemen muss allerdings der Fachmann helfen.

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Selbst ist die Frau - auch am Rad.

(Foto: imago/Westend61)

Platter Reifen, verrostete Kette, verschlissene Bremse: Vieles können Radler mit etwas Geschick und Wissen selbst reparieren. Was geht und was geht nicht in Eigenregie? Experten erklären es.

Verrostete Kette

Mit einer verrosteten Kette läuft das Rad nicht nur ungeschmeidig. Sie verschleißt auch Kettenblatt und Kettenritzel. Sind die Glieder der Kette nicht mehr gegeneinander beweglich, wird es höchste Zeit für einen Wechsel. Auch wenn die Kette ausgeleiert ist, tauscht man sie lieber aus.

"Geübte Selbstschrauber bekommen den Tausch einer Kette hin", sagt Dirk Sexauer vom Verbund Service und Fahrrad (VSF) in Aurich. Dafür braucht man einen Kettennieter. Damit löst man die Kette - sofern diese kein Kettenschloss hat, mit welchem sie sich einfacher öffnen lässt. Der Nieter ist auch nötig, um die neue Kette auf die passende Länge zu kürzen. Dafür legt man sie neben die alte Kette oder zählt deren Glieder genau ab.

"Vor dem Austausch macht man noch ein Bild von der Kettenstellung", erklärt Arne Bischoff vom Pressedienst Fahrrad (pd-f) in Göttingen. So wird die neue Kette bei der Montage an der richtigen Stelle eingehängt. Bei einem Kettenschloss muss dieses fest einrasten. Wenn die Handkraft dafür nicht ausreicht, blockieren Radler mit der Bremse das Hinterrad und drehen gleichzeitig mit der Hand die Kurbel nach vorn. "Das Schloss rastet dann mit einem Knacken ein."

Platter Reifen

Einen Fahrradschlauch zu flicken, ist ein Klassiker der Selbstreparatur. Das Herausnehmen des Rades geht dank Schnellspannern meist recht leicht. Sonst helfen Ring- oder Maulschlüssel. Auch das Aushängen der Bremsen ist leicht. Am Hinterrad kann die Schaltung eine Stolperfalle sein, wenn das Rad demontiert werden soll. Bei Nabenschaltungen etwa muss das Schaltseil ausgehängt werden, sagt Sexauer.

Bei Kettenschaltungen geht es einfacher - wenn die Kette in der richtigen Stellung steht. Dann lässt sie sich einigermaßen problemlos von den Ritzeln abnehmen. Am besten geht es, wenn sie vorne auf dem größten Blatt und hinten auf dem kleinsten Ritzel ist, so Sexauer.

Der Reifen lässt sich mit Reifenhebern über das Felgenhorn heben. Spitze Gegenstände wie Schraubenzieher sind dafür tabu. Das Anheben klappt leichter, wenn vorher die Luft aus dem Schlauch herausgelassen wurde. Um das Loch im Schlauch zu finden, wird der wieder aufgepumpt. Ein Wasserbad hilft danach beim Finden des Lochs - dort steigen gut sichtbar Luftblasen auf. Alternativ rät Bischoff zum Lochschnüffler. Leichte Styroporkugeln bewegen sich bei jedem Luftzug und zeigen so das Loch. "Damit bleibt einem die Sauerei mit dem Wasser erspart."

Die Fläche um das Loch muss dann zunächst mit Schmirgelpapier aufgeraut werden. Anschließend kommt Vulkanisierflüssigkeit drauf. Die muss völlig getrocknet sein, bevor der Flicken draufkommt, betont Sexauer. "Denn die Flüssigkeit funktioniert nicht wie Kleber." Dann den Flicken kräftig auf die Stelle drücken.

Nun untersucht man den Reifen. Denn der Gegenstand, der den Platten verursacht hat, kann noch im Gummi stecken. Ist alles in Ordnung, kommt der Reifen mit einer Seite auf die Felge. Danach legt man den Schlauch - leicht angepumpt - in den Reifen hinein. Dieser wird anschließend von der ventilfernen Seite aus in die Felge gehoben. Ist der Reifen komplett in der Felge, drückt man kurz das Ventil kräftig nach außen. "Damit verhindert man, dass der Schlauch zwischen Reifen und Felge eingeklemmt wird", sagt Sexauer.

Ob der Reifen gleichmäßig aufliegt, zeigt ein Kontrollstreifen an der Flanke. Der sollte parallel zur Felgenflanke verlaufen. "Sonst eiert das Rad", erklärt Bischoff.

Lockere Teile

Schrauben und Muttern anziehen klingt trivial, doch ist es beim Fahrrad oft nicht. An vielen Teilen - vom Sattel bis zur Lenkerbügel - sind bestimmte Drehmomente vorgegeben, erklärt Sexauer. Die Werte stehen in der Bedienungsanleitung und sollten eingehalten werden. "Dafür braucht man einen Drehmomentschlüssel."

Gerade Carbon reagiert sehr sensibel auf zu starke Spannung. Dann können die Kohlenstoffstrukturen reißen. Während man viele Teile am Rad fettet, kommt darum beim Carbon auch eine spezielle Montagepaste zum Einsatz. "Die sorgt für mehr Halt, da die Klemmkräfte selbst bei Carbon nicht so hoch wie bei Metall sein können." Die Paste sorgt für Reibung, während Öl und Fett genau diese verhindern.

Verschlissene Bremse

Spätestens wenn Metall auf Metall quietscht, hat der Bremsbelag ausgedient. Wer vorher einmal die Rillen im Gummi prüft, handelt eher. Denn sie zeigen den Verschleiß. Sind die Rillen weggebremst, wird es schon Zeit für den Belagwechsel. Beim Kauf der neuen Beläge achtet man auf die Modellbezeichnung der Bremse. Diese steht etwa auf der Bremse oder dem Bremshebel, sagt Bischoff. Er rät jedoch, den alten Belag zu fotografieren oder mit ins Fachgeschäft zu nehmen. Das ist die sicherste Variante, um nicht daneben zu greifen.

Während hydraulische Felgenbremsen oft ein leicht zu bedienendes Stecksystem haben, sind V-Brakes und Scheibenbremsen anspruchsvoller. "Die korrekte Ausrichtung von V-Brakes ist nicht trivial", erläutert Sexauer. Beläge werden dort mit speziell geformten Unterlegscheiben justiert. Bei Scheibenbremsen sorgen Kolben dafür, dass die Bremsbeläge mit zunehmender Abnutzung näher an die Scheibe gedrückt werden. "Ein neuer Belag kann darum schleifen", sagt Bischoff. Für die nötige Neujustierung der Kolben rät er eher zum Experten.

Verzogene Speichen

Ein klarer Fall für die Werkstatt, betonen die Experten. Denn das Zusammenspiel der dünnen Metallstäbe ist komplex. Auch bei verbogenen Felgen sollte man nicht versuchen, diese mit der Hand wieder gerade zu biegen. Verformungen an der Felge muss der Fachmann prüfen, betont Sexauer. "Das ist sicherheitsrelevant." Im schlimmsten Fall brechen Felgenteile ab, Reifenplatzer drohen.

Der Zustand von Speichen und Felgen lässt sich dagegen recht leicht prüfen. Speichen sollten fest sein. Beim Druck mit dem Finger dürfen sie sich laut Bischoff nicht mehr als einen Zentimeter biegen lassen. Aluminiumfelgen wiederum können verschleißen, wenn man Felgenbremsen hat. Die Wände werden dann dünner. "Gewölbte Felgenflanken sind ein Anzeichen dafür", erklärt Sexauer. Als Daumenregel gilt: Weniger als einen Millimeter Wandstärke sollte die Felge nicht haben.

Abgefahrene Pedale

Im Dauerbetrieb von Viel-Radlern werden auch Pedale irgendwann reif für einen Wechsel. Das geht gut in Eigenregie, ein 15er-Maulschlüssel reicht dafür in Regel. Doch Sexauer weist auf ein wichtiges Detail hin: "Von der Sitzposition aus gesehen, hat die linke Pedalseite ein Linksgewinde, die rechte ein Rechtsgewinde." Wer bei Kurbeln aus Aluminium zu brachial in die falsche Richtung dreht, zerstört unter Umständen das Gewinde. "Und ein Austausch der Kurbel kostet viel mehr als neue Pedale."

Die genannten Beispiele zeigen: Mit dem nötigen Wissen können Fahrradfahrer an ihrem Drahtesel vieles selbst reparieren. Kleine Dinge wie das Prüfen von Lichtsteckern oder ein Lenkergriff-Wechsel gehen sogar absolut ungeübten Schraubern von der Hand. Doch es gibt auch Bereiche, die selbst versierte Bastler lieber meiden. Elementare Teile wie die Schaltung oder ein Tretlager seien ein Fall für den Fachmann, rät der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC).

Quelle: n-tv.de, awi/dpa

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