Ratgeber

Was taugen Bewertungsportale?Den richtigen Arzt finden

06.05.2009, 09:26 Uhr

Wer krank ist, geht zu Arzt. Aber zu welchem? Wenn die Auswahl groß ist, versprechen Bewertungsportale im Netz Hilfe. Nützlich ist die allerdings selten.

Gesundheit ist Vertrauenssache. Nur: Wem soll man Vertrauen schenken? Üblicherweise führt eine Erkrankung zum Hausarzt oder in die Apotheke um die Ecke. Ist die Auswahl groß, versprechen Bewertungsportale im Netz Hilfe. Dort sollen Patienten ihren Arzt anhand verschiedener Kriterien bewerten. Die sind manchmal sehr umfassend, oft aber wenig aussagekräftig. Und auch beim Kauf von Medikamenten über das Netz sind Verbraucher besser vorsichtig - hier lauern gefährliche Fälschungen.

Auf Seiten wie www.docinsider.de oder www.jameda.de kann der Patient zwar nach Symptomen und der passenden Stadt filtern. Doch die wenigsten Ärzte haben Bewertungen bekommen, die etwas über ihre Qualität aussagen. Auf www.imedo.de können sich die Nutzer immerhin austauschen. Das Portal www.helpster.de erlaubt außerdem Bewertungen im freien Text. Dafür ist die Datenmenge eher dürftig.

Undurchsichtige Urteile

Portale, auf denen Patienten nur Schulnoten abgeben können, seien im Prinzip überhaupt nicht aussagekräftig, sagt Peter Müller von der unabhängigen Stiftung Gesundheit. Am besten seien Anbieter, bei denen man auch einen Freitext zur Bewertung schreiben kann. "Nur so kriegen andere Nutzer ein Gefühl dafür, aus welchen Beweggründen der Schreiber etwas so oder anders geschrieben hat." Je umfassender der Patient informiert wird, umso klarer sei das Bild, das er sich von dem entsprechenden Arzt machen kann.

Auf vielen Portalen sei die Qualität der Informationen für Nutzer nicht durchschaubar, sagt auch der Max Geraedts, Gesundheitsforscher an der Universität Witten/Herdecke. Es müsse ersichtlich sein, ob die Bewertung auf Einzelurteilen beruht oder von mehreren Patienten stammt. "Häufig reicht die Datenbasis der Bewertungsseiten nicht aus, um eine objektive Einschätzung abgeben zu können." Ideal sei ein Mix aus standardisierten Bewertungskriterien und der Möglichkeit zur freien Beurteilung im Text.

Nicht nur die geringe Zahl der Bewertungen ist ein Problem, sondern auch die Auswahl der Bewertungskriterien. Schließlich sind die Erwartungshaltungen unterschiedlich, sagt Müller. "Der eine will nur eine schnelle Behandlung, der andere möchte ein vertrautes Verhältnis zu seinem Hausarzt." Wenn der Arzt von den allgemeinen Leitlinien abweichen muss, werde die Qualität der Behandlung und Diagnosestellung für den Patienten undurchschaubar, gibt Geraedts zu bedenken.

Der Patient könne aber durchaus bewerten, ob Symptome abklingen oder ob die Beratung verständlich war, erklärt Geraedts. "Deshalb brauchen wir den Patienten als Bewerter, aber nicht ihn alleine." Auf www.arzt-auskunft.de von der Stiftung Gesundheit fließt deshalb das Ansehen innerhalb der Ärzteschaft in die Bewertung ein. "Wir haben die Ärzte gefragt, zu wem sie im Ernstfall gehen würden", erläutert Müller. Daneben hält die Seite im "Arzt-Profil" die Bewertungen der Patienten bereit.

Wichtig ist, dass ein Bewertungsportal für Ärzte frei zugänglich ist und keine heimlichen kommerziellen Interessen verfolgt, sagt Müller. "Wir spüren derzeit eine große Nachfrage. Wenn es ernst wird, wollen die Leute den besten Arzt haben." Doch ein Restrisiko bleibt: "Eine absolute Sicherung gegen Betrug gibt es nicht."