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Zehn Jahre Starterkit Der Euro kam in Tüten

Die Neugier auf die neue Währung ist groß und so stellen sich die Deutschen im Dezember 2001 reihenweise an den Bankschaltern an, um 20 D-Mark in Euro-Kleingeld umzutauschen. Viele wagen es aber gar nicht, die Folie überhaupt aufzureißen. Schließlich könnte das Päckchen irgendwann sehr viel mehr wert sein als der Nennwert von 10,23 Euro.

Ein durchsichtiger Beutel mit einem aufgedruckten schwarzen Bundesadler, darin 20 Münzen aus Kupfer, Messing und Kupfernickel: Für Millionen Deutsche sah so der Erstkontakt zum Euro aus. Als Buchwährung gab es den Euro schon seit 1999. Doch erst drei Jahre später, am 1. Januar 2002, sollte er die D-Mark als offizielles Zahlungsmittel ablösen. In die Hand nehmen konnte man das neue Geld aber schon ein paar Tage eher. Seit dem 17. Dezember 2001 gaben Banken und Sparkassen die sogenannten Starterkits aus.

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Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zeigt am 12.12.2001 ein sogenanntes Euro-Starterkit, das er zuvor erstanden hatte.

(Foto: picture alliance / dpa)

Für 20 DM bekam man zwei Zwei-Euro-Münzen, drei Ein-Euro-Münzen, jeweils vier 50- und 20-Centmünzen, zwei Fünf-Cent-Münzen und jeweils ein Zwei- und Ein-Cent-Stück. Insgesamt also 10,23 Euro, genau einen Pfennig mehr als die 20 D-Mark eigentlich wert gewesen wären. Der Extra-Pfennig ging zulasten der öffentlichen Hand. Andernorts gab es größere Geschenke: Die Königin der Niederlande spendierte jedem Bürger ab sechs Jahren ein Mini-Starterkit im Wert von 3,88 Euro und auch im Vatikan wurden die Münzen kostenlos ausgegeben.

Banken basteln Not-Starterkits

Doch auch die Deutschen ließen sich beschenken, in vielen Familien lag das Starterkit unterm Weihnachtsbaum. Ob als Geschenk oder zum Eigengebrauch: Um an das neue Geld zu kommen, mussten Bankkunden nicht nur 20 Mark, sondern meist auch viel Geduld beim Schlangestehen mitbringen. Denn das Starterkit war heiß begehrt, so sehr, dass manchen Banken der Nachschub ausging. Um die Nachfrage zu befriedigen, legten sie eigene, sogenannte Not-Starterkits auf. Wer so eins bekam und es nicht sofort aufgerissen hat, kann sich glücklich schätzen. Denn weil die bankeneigenen Starterkits nur in Auflagen von einigen hundert herauskamen, haben sie heute Sammlerwert.

Von den regulären Starterkits kann man das nicht behaupten. Viele haben den Kunststoffbeutel nie geöffnet, in der Hoffnung, dass er irgendwann weit mehr wert sein würde als die darin enthaltenen 10,23 Euro. Sie täuschten sich: Bei Ebay werden deutsche Starterkits zum Teil sogar mit Verlust verkauft, wer Glück hat, bekommt 15 oder 16 Euro, professionelle Münzhändler rufen ähnliche Preise auf. Zum Vergleich: Wer die 10,23 Euro vor zehn Jahren mit drei Prozent Zinsen angelegt hat, freut sich heute über 13,75 Euro. Bei einer Gesamtauflage von weit über 53,5 Millionen ist es aber auch kein Wunder, dass die deutschen Starterkits nicht als Geldanlage taugen. Wie viele heute noch ungeöffnet in den Schubladen ruhen, weiß niemand. Doch selbst wenn 90 Prozent der Plastikbeutel früher oder später aufgerissen worden wären, blieben heute immer noch weit über 5 Millionen – das lässt Sammler nur müde gähnen.

Vatikan und Monaco machen reich

Weit bessere Karten haben jene, die bei der Euro-Einführung in den europäischen Zwergstaaten ein Starterkit ergattert haben. Spitzenreiter sind die Münzen aus dem Vatikan: Die 3,88 Euro im schlichten Plastikbeutel ohne Aufdruck wurden 2002 kostenlos an die Bevölkerung ausgegeben, Auflage etwa 2000 Stück. Heute werden die Originale mit weit über 700 Euro gehandelt. Ähnliche Werte erreicht allenfalls noch das Starterkit aus Monaco. Jeweils 15,25 Euro waren in den rund 52.000 Beuteln, die Ende 2001 an die Monegassen ausgegeben wurden.

Bei sechsstelligen Auflagen fällt die Wertsteigerung deutlich geringer aus: Für das finnische Starterkit mit 3,88 Euro verlangen Händler zehn Jahre nach der Ausgabe der 500.000 Beutel bis zu 50 Euro. Ähnlich sieht es beim portugiesischen Startpaket aus, das genau zehn Euro enthält. Für Beutel aus anderen Ländern zahlt man in der Regel zwischen 15 und 30 Euro, manchmal auch etwas mehr. Übrigens: Mag der Beitritt Griechenlands der EU eine Menge Ärger eingehandelt haben, können sich zumindest Sammler über ein wenig Rendite freuen: Das griechische Starterkit, das genau 14,67 Euro enthält, hat seinen Wert mehr als verdoppelt.

Manche, die vor zehn Jahren Starterkits als Geldanlage bunkerten, fürchteten, durch chemische Prozesse um ihren Gewinn gebracht zu werden. Die Plastikfolie beginnt nach 15 Jahren zu bröckeln, so die Theorie. Das kann tatsächlich passieren, wenn der Kunststoff während dieser Zeit permanenter Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist. In der Regel liegen die Starterkits in Schubladen und Schränken. Dort sind sie gegen UV-Licht geschützt – aber nicht gegen die Inflation.

Quelle: n-tv.de

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