Ratgeber

Diener eines Fremden Die Dispo-Falle der Banken

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Besonders in der Vorweihnachtszeit ist die Verlockung groß. Da hilft nur eins: eiserne Selbstdisziplin.

(Foto: Mensi, pixelio.de)

Es ist wie ein ungeschriebenes Gesetz. Die Umsätze im Einzelhandel sprudeln im Vorweihnachtsgeschäft. Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young wollen die Deutschen im Jahr der Wirtschaftskrise bei den Ausgaben für Weihnachtsgeschenke nicht kürzer treten. Im Gegenteil: Sie wollen sogar mehr Geld ausgeben.

 

Das freut die Wirtschaft. Auf der anderen Seite der Medaille stehen allerdings die Verbraucher, die das Geld ausgeben sollen. Gerade im Dezember und Januar müssen viele Jahresbeiträge für Versicherungen und Co. zahlen. Das kann schon mal ein tiefes Loch in die Haushaltskasse reißen.

 

In diesen Zeiten stehen einem die Banken zur Seite. Sie räumen jedem Kunden mit Gehaltseingang (und teilweise auch ohne) die Möglichkeit ein, das Girokonto in den Miesen zu führen. Die Faustregel für die Höhe der möglichen Kontoüberziehung liegt bei zwei bis drei Monatsgehältern. Im Konsumrausch wird da schnell vergessen, dass das Geld auch wieder zurückgezahlt werden muss, denn feste Raten für die Rückzahlung werden hier nicht vereinbart.

 

Fürstliche Entlohnung

 

Schulden machen einen Mann zum Diener eines Fremden, so ein Sprichwort. Da ist was Wahres dran, denn die Banken lassen sich den so genannten Dispo- oder Kontokorrent-Kredit fürstlich bezahlen. Trotz Niedrigzinsphase rufen Banken und Sparkassen größtenteils enorme Zinssätze auf. Wer sein Konto beispielsweise um 2000 Euro ins Minus bringt, zahlt bei der Santander Consumer Bank fast 17 Prozent Zinsen auf 1000 Euro – für die ersten 1000 Euro greift hier eine Stufenverzinsung. Auch viele Volksbanken und Sparkassen sowie die Postbank greifen mit einem Dispo-Zins in Höhe von 13,25 bis 13,75 Prozent den Kunden kräftig in die Tasche, wie eine Übersicht der FMH-Finanzberatung zeigt.

 

Privat-Girokonto  
Stand: 02.11.2009Dispozinsweitere Überziehung
Berliner Volksbank13,2518,25
Berliner Volksbank13,2518,25
Frankfurter Sparkasse13,2518,75
Frankfurter Sparkasse13,2518,75
Berliner Bank13,5018,50
Ostsächsische Spark. Dresden13,5018,50
Postbank13,5017,50
Sparkasse Hannover13,5018,00
Sparkasse Langen-Seligenstadt13,5019,25
Sparkasse Leipzig13,5018,50
Berliner Sparkasse13,7518,75
Santander Consumer Bank16,98*16,98
Quelle: FMH-Finanzberatung* ab 1.000 Euro Dispo

 

Vergleichsrechner – Das optimale Konto finden

 

Dabei sind Schulden für Konsum oder auch Reisen eigentlich sinnlos, denn das Geld, das man einmal ausgegeben hat, ist nicht in etwas geflossen, woraus man einen finanziellen Vorteil ziehen kann, sondern unwiederbringlich verloren. Wie soll jemand, der vorher mit seinen finanziellen Mitteln nicht in der Lage war, auf einen Konsumwunsch zu sparen, nach Überziehung des Kontos in der Lage sein, seine Schulden zu begleichen? Eine Rechnung, die nicht aufgehen kann.

 

Die Banken können sich die Hände reiben. Kunden, die ihr Konto konstant in den Miesen halten und nicht noch mehr Schulden aufbauen, sind die besten, die es gibt. So würde beispielsweise ein Kunde, der sein Konto bei der Berliner Sparkasse durchschnittlich mit einer Summe von 5000 Euro überzieht, bei dem aktuellen Zinssatz in Höhe von 13,75 Prozent im Jahr rund 687,50 Euro an Zinsen zahlen – und da ist nicht mal der Zinseszinseffekt mit eingerechnet, der dadurch entsteht, dass die Banken und Sparkassen die Zinsen monatlich oder quartalsweise in Rechnung stellen. Wäre es andersherum und der Kunde würde bei der Berliner Sparkasse 5000 Euro für ein Jahr auf dem Tagesgeldkonto parken, erhielte er hierfür schlappe 75 Euro.

 

Viel schlimmer kommt es noch für all jene, die in eine gewisse Abwärtsspirale geraten sind und das Girokonto immer weiter nach unten abgleitet. Irgendwann ist der eingeräumte Kontoüberziehungsrahmen ausgeschöpft. Halten Sparkassen und Banken ihre Kunden dann noch für ausreichend zahlungskräftig, dulden Sie eine weitere Überziehung des Kontos – gegen einen königlichen Zinsaufschlag. Unterm Strich verlangt beispielsweise die Sparkasse Langen-Seligenstadt in diesen Fällen 19,25 Prozent Zinsen. Wucher ist das zwar gesetzlich gesehen noch nicht, aber gefühlt sind wir da sicherlich nah dran.

 

Entschuldung

 

Einmal unten angekommen, wird man ohne einen Lottogewinn oder andere glückliche Fügungen da nicht mehr herauskommen, wenn man nicht grundlegend etwas an der eigenen Ausgabedisziplin ändert. Der erste Schritt ist hier, durch regelmäßige monatliche Zahlungen das Konto wieder auszugleichen. Dazu ist das Girokonto in der Regel nicht geeignet. Zum einen sind die Zinssätze hier zu hoch, zum anderen fehlt es den meisten an Selbstdisziplin, die monatlichen Raten auch abzuführen. Hier ist eine Umschuldung in einen Ratenkredit sinnvoll. Die Zinsbelastung sinkt und ein fester Vertrag über einen zuvor vereinbarten Zeitraum legt einen verbindlichen Rahmen fest.

 

Ganz wichtig: Bei der Umschuldung läst man sich am besten beraten. Die monatlichen Belastungen müssen auch machbar sein. Dementsprechend ist die Gesamtlaufzeit des Ratenkredits zu wählen. Am Ende der vereinbarten Laufzeit sind die Schulden optimalerweise völlig getilgt. Im Zuge der Umschuldung ist es zwingend notwendig, den Dispokreditrahmen auf dem Girokonto streichen zu lassen. Sonst gerät man in Versuchung, die Raten für den Ratenkredit mit neuen Schulden auf dem Girokonto zu tilgen – und das ist alles andere als sinnvoll.

 

Wer die Möglichkeit hat, sollte vor Abschluss des Ratenkredits Vergleichsangebote verschiedener Banken einholen. Hier kann man eine Menge Zinsen sparen, wenn die Bank bereit ist, sich auf den in Schieflage geraten Kunden einzulassen.

 

Vergleichsrechner - Ratenkredite

Quelle: n-tv.de

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