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Schadensersatz-Urteil Geld zurück für Verluste im Online-Casino

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Kernpunkt ist die Frage, ob Online Casinos in Deutschland legal betrieben werden dürfen.

(Foto: PantherMedia / luciano de polo)

Dank einer wegweisenden Entscheidung des Oberlandesgerichts Frankfurt steigen die Chancen auf Schadensersatz für alle, die Geld mit Internet-Casinos oder Online-Poker verloren haben. Doch müssen sie einiges beachten.

Erstmals hat mit dem Oberlandesgericht Frankfurt (Az.: 23 U 55/21) ein Gericht der zweiten Instanz entschieden, dass ein Online-Casino einem Spieler seine gesamten Verluste erstatten muss. Damit wird ein Urteil des LG Gießen (Az. 4 O 84/20) bestätigt, das zuvor genauso entschieden hatte. Gegen dieses Urteil war das Casino in Berufung gegangen, scheiterte nun aber beim zuständigen Oberlandesgericht.

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Roland Klaus arbeitet als freier Journalist in Frankfurt und ist Gründer der Interessengemeinschaft Widerruf.

Online-Casinos in Deutschland illegal

Kernpunkt ist die Frage, ob Online Casinos in Deutschland legal betrieben werden dürfen. Dies ist bisher nur sehr eingeschränkt möglich. Bis Mitte 2021 war es nur in Schleswig-Holstein erlaubt, in allen anderen Bundesländern jedoch verboten. Seitdem greift ein Verfahren, bei dem Internet-Glücksspiel dann angeboten werden kann, wenn das Casino strenge Verbraucherschutz-Maßnahmen beachtet und eine entsprechende staatliche Lizenz erhalten hat. Bisher hat allerdings noch kein Casino in Deutschland eine solche Lizenz bekommen. Das bedeutet: Sämtliche aktuellen Angebote bewegen sich in einer Grauzone.

Dies unterstreicht auch das OLG Frankfurt: Es habe keine Duldung von Online Casinos in Deutschland gegeben. Die Webseiten seien also zumindest bis Mitte 2021 illegal gewesen. Kannte der Kunde diese Regelung, so verliert er möglicherweise seinen Anspruch auf Schadensersatz. Allerdings, so das Gericht, könne der Casino-Betreiber nicht pauschal argumentieren, dass der Kunde von dem Verbot wusste und sich daher mitschuldig gemacht habe. Die Kenntnis des Kunden sei vielmehr im Einzelfall vom Casino nachzuweisen. Dies sei bei dem vorliegenden Fall nicht geschehen und erweist sich in der Praxis generell als schwierig.

Diese Anbieter sind betroffen

Somit haben nun Spieler, die im Internet mit Poker, Roulette, Black Jack oder Slot Machines Geld verloren haben, gute Chancen, ihr Geld wiederzubekommen. Betroffen sind beispielsweise Anbieter wie 777 und 888 Casino, Betway, Bwin, CasinoClub, Hyperino, Interwetten, Karamba, Lapalingo, LeoVegas, Mr Green, NetBet, Platincasino, Pokerstars, Rizk, Sunmaker, Tipico, Vera&John, Wildz, White Hat Gaming, Winner, Wunderino und viele mehr.

Doch auf dem Weg zum Schadensersatz lauern einige Stolpersteine. Unsere Erfahrung zeigt, dass ohne Anwalt und Klage nichts geht. Casino-Betreiber ignorieren regelmäßig die Aufforderung auf Rückzahlung von Verlusten - und übrigens häufig auch auf die Auszahlung von Gewinnen. Es hilft nur der Weg vor Gericht.

Prozessfinanzierung kann helfen

Rechtsschutzversicherungen zahlen für solche Klagen nicht, da Glücksspiel in ihren Bedingungen ausgeschlossen ist. Bleiben für Betroffene zwei Möglichkeiten: Selbst ins Risiko zu gehen oder mit einem Prozessfinanzierer zusammenzuarbeiten. Eine Klage auf eigene Kosten scheuen nach unserer Erfahrung die meisten Betroffenen - auch wenn die Aussichten gerade nach der jüngsten OLG-Entscheidung gut sind.

Prozessfinanzierer übernehmen dann die Kosten für Anwalt und Gericht. Im Gegenzug bekommen sie einen Anteil am Schadensersatz, ein sogenanntes Erfolgshonorar. Der Rest geht an den Spieler, ohne dass dieser ein Kostenrisiko eingeht. Die meisten Prozessfinanzierer wählen jedoch die Fälle streng aus, bei denen sie ins Risiko gehen. Meist werden sie erst bei Verlusten von mehr als 10.000 Euro tätig. Auf kleineren Verlusten bleiben Online-Spieler oft sitzen. Es sei denn, sie entscheiden sich doch noch, auf eigenes Risiko vorzugehen.

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Wie aussichtsreich ihr Fall ist und ob ein Prozessfinanzierer diesen übernimmt, sollten Betroffene in einem ersten Schritt von einem spezialisierten Anwalt einschätzen lassen. Eine solche Prüfung bietet beispielsweise kostenlos und unverbindlich die Interessengemeinschaft Widerruf.

Über den Autor: Roland Klaus arbeitet als freier Journalist in Frankfurt und ist Gründer der Interessengemeinschaft Widerruf. Bekannt wurde Klaus als Frankfurter Börsenreporter für ntv und den US-amerikanischen Finanzsender CNBC.

(Dieser Artikel wurde am Montag, 23. Mai 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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