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EMS-Training mit Folgen Kein Schmerzensgeld für Knochenbrüche

Wer mit wenig Trainingsaufwand viel erreichen will, der lässt sich beim Sport mit Stromstößen stimulieren. Bei einer Frau hat das allerdings sehr schmerzhafte Folgen. Vor Gericht geht sie leer aus.

Schlanke Schenkel, ein muskulöser Bauch oder ein knackiger Po: Normalerweise muss man einiges an Zeit aufwenden, um beim Muskeltraining sichtbare Effekte zu erreichen. Bei sogenannten  Elektro-Myo-Stimulationstraining, kurz EMS, sollen schon 20 Minuten pro Woche reichen. Doch das Training mit Stromreizen kann seine Tücken haben. Kommt es zu einem Unfall, haftet nicht unbedingt das Sportstudio. Das Kammergericht Berlin hat jetzt die Schmerzensgeldklage einer verletzten Freizeitsportlerin abgelehnt. (Az: 20 U 207/15)

Die heute 65-Jährige, die mit den Geräten vertraut war, hatte vor zwei Jahren die Ausrüstung am Körper befestigt und mit dem Training begonnen. Dafür drehte sie die Regler für den Stromdurchfluss auf – wie weit, konnte im Laufe des Prozesses aber nicht geklärt werden. Fakt ist, dass der Regler plötzlich auf höchster Stufe befand. Als das ein Mitarbeiter des Studios  bemerkte, stellte er das Gerät ab. Die Frau gab später an, einen starken Stromschlag  erhalten zu haben. Fakt ist, dass sie sich schwer verletzt hatte: Beide Schultern waren ausgerenkt, die Oberarmköpfe gebrochen. Noch heute leide sie unter erheblichen Bewegungseinschränkungen und starken Schmerzen, so die Klägerin.

Dafür verlangte sie vom Studio eine vierteljährliche Rente von 2000 Euro, außerdem Schadensersatz sowie 50.000 Euro Schmerzensgeld. Ohne Erfolg. Sowohl beim Landgericht als auch beim Kammergericht ging die Frau leer aus. Denn, da waren sich beide Instanzen einig, sie habe nicht nachweisen können, dass das Sportstudio seine Verkehrssicherungspflichten verletzt habe.

Bislang habe es keine Vorfälle gegeben,  bei denen jemand durch das Hochdrehen der Regler erheblich verletzt worden sei. Deshalb könne man dem Studio nicht vorwerfen, dass es nicht über die Gefahr aufgeklärt habe. Erst durch den Unfall ist laut dem Gericht deutlich geworden, dass es beim Training mit Strom in voller Stärke zu schweren Muskelkontraktionen bei den Sportlern kommen kann. Sprich: Künftig könnten Sportler, denen derartiges widerfährt, womöglich Ansprüche haben. Der Klägerin wird das aber nicht helfen. Sie kann jetzt höchstens noch auf den BGH hoffen.

Quelle: n-tv.de, ino

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