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Trotz zerrüttetem Verhältnis Kinder müssen Beerdigung der Eltern zahlen

Kinder sind generell verpflichtet, die Eltern zu bestatten. Hat das die Gemeinde übernommen, darf sie die Kosten zurückverlangen. Das gilt unabhängig davon, wie zerrüttet das familiäre Verhältnis war.

Das persönliche Verhältnis spielt keine Rolle: Kinder müssen für die Bestattungskosten ihrer Eltern aufkommen. Foto: Jens Schierenbeck

Das persönliche Verhältnis spielt keine Rolle: Kinder müssen für die Bestattungskosten ihrer Eltern aufkommen.

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Kinder müssen für Kosten der Beerdigung ihrer Eltern aufkommen. Das persönliche Verhältnis spielt dabei keine Rolle. Das entschied das Oberverwaltungsgericht Lüneburg (Az.: 8 LA 150/12), wie die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) mitteilt.

In dem verhandelten Fall organisierte die Gemeinde nach dem Tod des Vaters die Bestattung, da dies niemand sonst veranlasst hatte. Von dem Sohn verlangte sie die Kosten von rund 2500 Euro zurück. Dieser war der Meinung, dass er nicht zahlen müsse. Der Vater habe nach der Scheidung der Eltern kein Sorgerecht mehr gehabt. Überdies hätte er die Kinder und die Mutter misshandelt. Wenn dem Vater nicht durch die Scheidung das Sorgerecht ohnehin entzogen worden wäre, hätte dies wegen "Gefährdung des Kindeswohls" geschehen müssen.

Der Sohn war demnach laut dem Urteilsspruch als leibliches Kind seines verstorbenen Vaters neben seinem Bruder und seiner Halbschwester bestattungspflichtig. Die Bestattungspflicht setzt die Eigenschaft als Kind des Verstorbenen voraus, auf ein tatsächlich bestehendes persönliches Verhältnis zwischen dem Verstorbenen und dem Bestattungspflichtigen kommt es nicht an.

Nur in besonderen Ausnahmefälle entfällt die Bestattungspflicht naher Angehöriger, wie zum Beispiel wenn das elterliche Sorgerecht dauerhaft entzogen worden war. Unterhaltspflichtverletzungen des Verstorbenen gegenüber dem Bestattungspflichtigen gehören ebenso wenig wie ein zerrüttetes Verhältnis zwischen dem Verstorbenen und dessen nahen Angehörigen zu diesen Ausnahmen, urteilte das Gericht.

Auf das tatsächliche persönliche Verhältnis komme es dabei nicht an. Folge man der Argumentation des Sohnes, könnte die Bestattungspflicht immer dann wegfallen, wenn im Zuge einer Scheidung das Sorgerecht entzogen worden sei. Das wolle der Gesetzgeber aber nicht, so die Richter.

Quelle: n-tv.de, awi/dpa

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