Ratgeber

Reiseveranstalter ohne Schuld Krankmachender Badestrand kein Mangel

Nicht jede Beanstandung von Mängeln bei einer Pauschalreise führt zum Erfolg. Auch dann nicht, wenn ein durch Fäkalien verunreinigter Badestrand eine Erkrankung der Reiseteilnehmer zur Folge hat.

…der deutsche Hauptstadtfluss ist zu schmutzig. Im Wasser tummeln sich E. Coli-Bakterien.

Ein Schaden am Kanalisationsrohr der Gemeinde verursachte mutmaßlich eine bakterielle Erkrankung der Reisenden.

Ein Reisemangel, der außerhalb des Einflussbereichs des Reiseverans talters liegt, berechtigt nicht zur Minderung des Reisepreises. Dies entschied das Amtsgericht München (Az.: 132 C 15965/12).

In dem verhandelten Fall hatte eine Frau für sich und ihre Familie bei einem Reiseveranstalter eine dreiwöchige Pauschalreise in die Türkei gebucht. Sie bezahlte dafür 2079 Euro. Eine Woche nach ihrer Ankunft erkrankte die ganze Familie an Fieber und Durchfall, die spätere Klägerin musste sich sogar für zwei Tage in stationäre Behandlung begeben.

Wieder zu Hause verlangte sie von der Reiseveranstalterin 60 Prozent des Reisepreises zurück sowie Schadenersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit, insgesamt 2910 Euro. Die Erkrankung sei verursacht worden durch den Badestrand, der durch Fäkalien verunreinigt gewesen sei.

Reiseunternehmen will nicht zahlen

Das Reiseunternehmen weigerte sich aber, zu zahlen. Schließlich könne es nichts dafür. Die Verunreinigungen seien aufgrund eines defekten Kanalisationsrohrs der Gemeinde entstanden. Davon hätte es nichts gewusst. Im Übrigen liege dies auch nicht in seinem Einflussbereich.

Die Kundin der Reiseveranstalterin erhob daraufhin Klage vor dem Amtsgericht München. Der zuständige Richter wies diese jedoch ab - die Frau habe keinen Anspruch auf Minderung des Reisepreises und Schadenersatz, entschied das Gericht.

Dazu hätte sie einen Reisemangel vortragen müssen, der dem Reiseunternehmen auch vorgeworfen werden könnte. Die Behauptung, dass die ganze Familie aufgrund des verseuchten Badestrandes erkrankt sei, reiche dafür nicht aus. Der Mangel müsse nämlich im Einflussbereich des Reiseveranstalters aufgetreten sein. Ein Schaden am Kanalisationsrohr der Gemeinde reiche dafür nicht. Auch Anhaltspunkte dafür, dass das Reiseunternehmen von der Verseuchung Kenntnis hatte und sie somit die Klägerin hätte informieren müssen, lägen nicht vor.

Quelle: ntv.de, awi

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