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Wie kreditwürdig bin ich? Mehr Durchblick beim Scoring

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Auskunfteien wie die Schufa können irren. Jetzt ist bessere Kontrolle möglich.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Auf den Finanzmärkten beurteilen Rating-Agenturen die Kreditwürdigkeit von Firmen und Staaten. Für Verbraucher gibt es ein vergleichbares Verfahren, auch wenn die Betroffenen das nicht immer bemerken: Auskunfteien wie die Schufa, Creditreform, Infoscore oder Bürgel stufen ihre Bonität vor Geschäfts- und Vertragsabschlüssen im Auftrag von Banken und Firmen durch die Berechnung eines sogenannten "Scoring"-Werts ein.

 

War das Verfahren für die Betroffenen bisher meist schwer nachzuvollziehen und nach Einschätzung des Bundesverbraucherschutzministeriums außerdem oftmals fehlerhaft, ist ab 1. April Besserung in Sicht. Verbraucher können nun einmal im Jahr kostenlos Auskunft über ihre bei Auskunfteien gespeicherten "Scoring"-Werte verlangen. Außerdem haben sich die Bestimmungen für die Bonitätsberechnung in einzelnen Punkten verschärft.

Statistik als Maßstab

Der "Scoring"-Wert bezeichnet die Wahrscheinlichkeit, dass ein Verbraucher einer Zahlungsverpflichtung nachkommt. Damit wollen Banken, Versandhändler oder Handyanbieter abschätzen, ob sie einem neuen Kunden in finanzieller Hinsicht vertrauen können. Ermittelt wird er mit mathematischen Rechenmodellen, die je nach Anfrage mit verschiedenen Daten gefüttert werden. Dazu zählen Angaben etwa zum Zahlungsverhalten. Daneben können aber auch allgemeine statistische Informationen wie das Alter oder der Wohnort eine Rolle spielen, wenn es um die Bewertung der individuellen Kreditausfallrisiken geht.

 

Anlass für die jetzt in Kraft tretenden Änderung im Bundesdatenschutzgesetz war die Erkenntnis, dass viele der zur Wahrscheinlichkeitsberechnung genutzten "Scoring"-Daten fehlerhaft sind und Verbraucher in ihrer Kreditwürdigkeit zu Unrecht herabstufen. Ein Prüfbericht ergab 2008, dass fast die Hälfte der bei den getesteten Auskunfteien gespeicherten Angaben, die für die Berechnung herangezogen wurden, falsch war. Verbraucherschützer äußerten zudem immer wieder auch Vorbehalte gegen die pauschale Einstufung von Kunden auf Basis von Wahrscheinlichkeiten.

Genauere Datenbasis

Das veränderte Bundesdatenschutzgesetz enthält nun genauere Regelungen, etwa was die Verwendung von Angaben über das Finanzgebaren von Verbrauchern angeht. Bei der Berechnung von "Scoring"-Werten dürfen künftig nur noch offene Forderungen berücksichtigt werden, die gewissermaßen offiziell bestätigt sind - etwa Zahlungsrückstände. Ausschließlich auf Anschriftendaten dürfen Ratings nun gar nicht mehr beruhen.

 

Für mehr Transparenz soll außerdem eine Bestimmung sorgen, die Auskunfteien verpflichtet, den Verbrauchern einmal im Jahr auf Anfrage kostenlos schriftlich mitzuteilen, mit welchen "Scoring"-Werten sie geführt werden. Sie müssen nun offenlegen, welche "Scoring"-Werte sie Verbrauchern geben, welche Faktoren bei der Berechnung eine maßgebliche Rolle spielen, woher die entsprechenden Daten kamen und von wem diese abgefragt wurde. Bürger sollen so die Chance erhalten, bei falschen Angaben über ihre Bonität einzugreifen. Vordrucke für die Anfrage gibt es auf der Homepage des Bundesdatenschutzbeauftragten (www.bfdi.bund.de).

 



Quelle: ntv.de, AFP

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