Ratgeber

Fragwürdiger Vermietungs-Trend Möblierung macht Wohnungen noch teurer

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Gesetzeslücken bei der Mietpreisbremse bei möblierten Wohnungen und Kurzzeitvermietungen ermöglichen Vermietern, überhöhte Mietpreise zu verlangen.

(Foto: imago images/dolgachov)

Schaut man auf Immobilienportale, stellt man vor allem in größeren Städten schnell fest, dass sehr viele angebotene Wohnungen möbliert vermietet werden. Der Boom hängt vor allem mit der flexibleren Preisgestaltung der Mietpreise zusammen. Und die gehen schnell durch die Decke.

Möblierte Wohnungen ermöglichen das flexible Wohnen auf Zeit und sind vor allem für Studenten, Pendler oder Zeitarbeiter interessant. Immer öfter werden sie aber auch zur langfristigen Miete angeboten.

Dieser Trend hat aber auch Nachteile für die Mieter. Nicht nur, dass man die Einrichtung der Wohnung nicht nach eigenem Geschmack gestalten kann. Mieter solcher Angebote bezahlen häufig deutlich mehr, als sie müssten.

Eine Taktik, um die Mietpreisbremse zu umgehen?

Der Anteil an möblierten Wohnungen hat sich laut einer Studie des Immobilien-Forschungsinstituts F + B seit 2014 (8,3 Prozent) bis zum Jahr 2021 (18,3 Prozent) mehr als verdoppelt. Besonders in großen Städten ist das der Fall. Hier werden auf Immobilienportalen wie Immoscout oder Immonet mittlerweile bis zu 50 Prozent aller Wohnungen möbliert angeboten. Das Anbieten von möbliertem Wohnraum ist auch deshalb so beliebt, weil die Mieter in der Regel nicht langfristig bleiben. So können Vermieter die Miete häufiger wieder anheben.

Die Vermieter können den Mietpreis aber auch bei möblierten Wohnungen nicht beliebig erhöhen. Dafür sorgt die Mietpreisbremse, die es seit einiger Zeit in großen Städten wie Hamburg, Berlin oder München gibt und die auch für möblierte Wohnungen gilt. Die Netto-Kaltmiete darf demzufolge nur zehn Prozent höher als ortsüblich liegen. Jedoch gibt es auch Ausnahmen. So gilt die Mietpreisbremse nicht, wenn die Wohnung nur befristet vermietet wird. Bei welcher Wohnzeit es sich allerdings um einen nur vorübergehenden Gebrauch handelt, ist gesetzlich nicht festgelegt. Auch bei Neubauten ab dem Jahr 2014 gilt die Mietpreisbremse nicht. Und das nutzen Vermieter aus.

Wie hoch darf der Möblierungszuschlag sein?

In der Regel zahlen die Mieter einen Pauschalpreis für die angebotene Wohnung, in dem die Netto-Kaltmiete, die Betriebskosten sowie der Möblierungszuschlag enthalten sind. Manchmal sind auch noch weitere Positionen wie der Rundfunkbeitrag oder eine Reinigungsgebühr im Mietpreis enthalten. Wie viel die Möbel der eingerichteten Wohnung jedoch wirklich gekostet haben, erfahren Mieter erst nach Vertragsabschluss. Vorher besteht kein Auskunftsrecht. Das heißt, im Mietvertrag müssen die Kosten der einzelnen Möbelstücke nicht dargestellt werden. Genau deswegen kann es für die Mieter am Ende böse Überraschungen geben. Die Münchner Maklerin Brigitta Jabri hält überhaupt nichts von diesem Trend: "Wenn ich mir manche möblierte Wohnungen anschaue, dann sind das in meinen Augen Sperrmüll-Möbel, die kein Mensch braucht" sagt sie gegenüber BR24.

Lediglich nach Vertragsabschluss können Mieter laut dem Bürgerlichen Gesetzbuch die einzelnen Kosten erfragen, aber auch nur dann, wenn ein Verdacht des Verstoßes gegen die Mietpreisbremse besteht. Gerichtlich festgelegt ist aktuell ein Möblierungszuschlag von circa zwei Prozent des Nutzungswertes. Das heißt, wenn die Wohnung beispielsweise für 5000 Euro eingerichtet wurde, müssen Mieter monatlich 100 Euro für die Möbel zahlen.

Regulierungsgesetz nicht in Sicht

Da Mietenpolitik eine Sache der Bundespolitik ist, können die Länder alleine kaum gesetzlich eingreifen, um Mieter vor erhöhten Preise vieler möblierter Wohnungen zu schützen. Das Bundesbauministerium teilte auf Anfrage von NDR Info mit, dass die Ampel-Koalition aktuell nicht vorhat, die Gesetzeslücken bei der Vermietung möblierter Wohnungen zu schließen. Das Bundesjustizministerium prüfe allerdings in einem Forschungsvorhaben, ob es hier aktuell überhaupt einen Regulierungsbedarf gibt.

Was im Klartext heißt: Aktuell werden die bestehenden Gesetzeslücken der Mietpreisbremse bei möblierten Wohnungen und kurzzeitigen Vermietungen nicht geschlossen. Das Anbieten überteuerter Wohnraums seitens Vermietern ist also weiterhin möglich. Mieter haben also immer noch kaum Möglichkeiten, zu kontrollieren, ob der Mietpreis, den sie zahlen, überhaupt angemessen ist.

(Dieser Artikel wurde am Sonntag, 18. September 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, imi

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