Britische RentenversicherungenRendite kostet Sicherheit
Lebens- und Rentenversicherungen englischer Versicherungsgesellschaften geraten ins Wanken. Die Anlageform, welche Jahrzentelang als die sicherste Variante galt, sollte nicht als Selbstläufer betrachtet werden.
Lebens- und Rentenversicherungen sind die beliebtesten Anlageformen der Deutschen. Neben dem klassischem Sparkonto und dem Bausparvertrag, sollten diese Varianten jedoch nicht als Selbstläufter betratet werden. Vor allem Altersvorsorgeverträge, die in England abgeschlossen wurden, sind seit der Finanzkrise ins wanken geraten.
Ist der Zinssatz bei Vertragsabschluss einer Versicherung ausschlaggebend, wird sich der Anleger nicht für eine deutsche Lebensversicherung entscheiden. Hier beträgt der Garantiezins nur 2,25 Prozent. Einige englische Lebensversicherer, wie beispielsweise "Standard Life", "Clerical Medical" und die Kanadische Lebensversicherungsgesellschaft "Canada Life", werben mit höheren Renditen. Entscheidet sich der Anleger für eine solche Versicherung, muss er viele Kleinigkeiten berücksichtigen: Anderes Steuerland, andere Vorgaben und Zinssätze sind nur einige Beispiele.
"Standard Life" wurde bereits 1825 gegründet. Sie ist eine der größten Versicherungsgesellschaften in Großbritannien, die auf diversen Internetseiten angepriesen wird. Bei Ablauf eines 25-jährigen Vertrages erzielt die britische Gesellschaft eine Durchschnittsrendite von satten 6,8 Prozent. Deutschlands größter Versicherer Allianz, mit einem Marktanteil von 17 Prozent, erwirtschaftet dagegen nur eine Nettorendite von 4,85 Prozent. Das britische Konzept verzichtet allerdings auf eine Garantieverzinsung. Dadurch bekommt die Gesellschaft einen höheren Spielraum für Anlagen und kann sich am Markt "freier" bewegen.
Aktienpakete im Kurssturz
Die Flexibilität spiegelt sich auch in der Risikoquote wieder. Britische Versicherer dürfen bis zu 100 Prozent in Aktien anlegen. Dies führt in guten Börsenzeiten zu erheblichen Gewinnen, in schlechten Zeiten jedoch ist diese Strategie besonders den Schwankungen am Kapitalmarkt ausgesetzt. Folglich begrenzt Standard Life bereits ihren Aktienanteil auf rund 55 Prozent.
Wie die Fonds der einzelnen Anlagen arbeiten, kann auf der Internetseite verfolgt werden. Hat sich der Kunde für den angepriesenen "Power Fonds Suxxess II" entschieden, liest er auf der Startseite, dass die Wertentwicklung bei stolzen plus zehn Prozent liegt. Dies ist jedoch auf den Zeitraum zwischen 2006 und Februar 2008 begrenzt und außerdem sind die Gebühren noch nicht abgezogen. "Suxxess" hört sich nach "Success", auf Deutsch "Erfolg" an. Im Informationsblatt für Kunden liest sich die Erfolgsgeschichte aber ganz anders. Seit Auflage 2006 sackt der Fonds auf minus 19 Prozent ab.
Verständlich, da die Aktienmärkte in Großbritannien massiv an Wert verloren haben. Dies trifft auch auf die Versicherungsgesellschaften. Bei dem Anbieter "Clerical Medical" wurden Nettogewinne zwischen sieben und dreizehn Prozent in den letzten Jahren ausgewiesen. Durch den Abschwung hat auch der Garantiertfonds "Guaranteed Access Fonds" von Clerical Medical, innerhalb von zwölf Monaten 15 Prozent verloren. Dieser heisst zwar Garantiefonds, aber ist nur mit 80 Prozent gesichert.
Grund zur Sorge?
In Deutschland dagegen, darf der Aktienanteil bei Versicherern die 35 Prozent Marke nicht übersteigen. Zudem zahlen Versicherungsgesellschaften seit der Pleite der Mannheimer Versicherung in einen Einlagensicherungsfond ein. In Großbritannien dagegen gilt britische Zurückhaltung. Erst seit 1975 besteht ein gesetzlicher Schutz für den Fall der Fälle. Damals sind aber nicht alle Gesellschaften eingestiegen. "Clerical Medical" beispielsweise ist erst seit Februar 2008 dabei. Der Anlegerschutz "Financial Services Compensation Scheme (FSCS)" ist kein Komplettschutz. Nur die ersten 2000 Pfund sind voll abgesichert, der restliche Wert muss sich mit 90 Prozent Absicherung zufrieden geben.
Keine Auskünfte
Wer sich dennoch für einen der britischen Lebensversicherer entscheidet, findet zahlreiche Internetadressen, die einen kostenlosen Vergleich anbieten. Direkt auf den Portalen gibt es keine Möglichkeit, ein persönliches Angebot zu berechnen. Erst müssen die persönlichen Daten und Wünsche eingegeben werden, damit die freien Berater entsprechendes zusenden.
Auf mehrere Anfragen von n-tv.de, wollte keiner der Verkäufer etwas über die Einlagensicherung der Gesellschaften preisgeben. Vermutlich hat die Geheimniskrämerei etwas damit zu tun, dass bei einigen Versicherern die Absicherung erst für Verträge, die ab 2001 abgeschlossen wurden, greift.
In Deutschland ist der Anleger zusätzlich über die Bafin geschützt. Diese kann aber nur helfen, wenn Verbraucher sich schlecht beraten fühlen, da sie nur als reine Missbrauchsaufsicht dient.
Strenge Überwachung
Damit es garnicht so weit kommt, unterliegen die britischen Versicherer einer strengen Finanzaufsicht (FSA). Jede Gesellschaft muss ihr gegenüber nachweisen, dass sie über genügend finanzielle Reserven verfügt um jederzeit ihren Verpflichtungen nachzukommen.
Ein Vorteil der britischen Versicherungen, im Vergleich zu den Deutschen Versicherungen, liegt in der Flexibilität. Bei fast jeder Versicherung sind Kapitalentnahmen während der Laufzeit möglich. "Clerical Medical" beispielsweise verlangt dafür keine Extragebühr. Wie hoch die Auszahlung ausfällt, muss jedoch im Einzelfall geprüft werden. Die Summe richtet sich nach Vertragsbedingungen und dem jeweiligen Marktpreis, der momentan eher niedrig ist.