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Führerschein weg? So kann man die Sperrzeit verkürzen

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imago/Eibner

Ist die Fahrerlaubnis einmal entzogen, kann es eine Weile dauern, bis man sie wiederbekommt - sechs Monate bis fünf Jahre, um genau zu sein. Die Betroffenen können die Sperrzeit reduzieren. Dazu müssen sie sich aber Mühe geben.

Betrunken Autofahren kann nicht nur teuer werden. Ab 1,6 Promille risikieren Autofahrer auch ihren Führerschein. Nicht nur für ein paar Monate, sondern im schlimmsten Fall für ein paar Jahre oder sogar lebenslänglich. Das gleiche gilt für notorische Raser oder Verkehrsteilnehmer, die sich mit Drogen am Steuer erwischen lassen. Anders als beim vorübergehenden Fahrverbot bekommt man den "Lappen" beim Führerscheinentzug nicht einfach wieder, sondern muss ihn zum Ende der Sperrzeit neu beantragen. Laut Strafgesetzbuch ist das nach frühestens sechs Monaten möglich, die Richter können aber auch deutlich längere Sperren von bis zu fünf Jahren anordnen.

Was vielen Betroffenen nicht klar ist: Die Zeiten sind nicht sind in Stein gemeißelt. Unter Umständen lassen sich die verhängten Fristen verkürzen. "Ergibt sich Grund zu der Annahme, dass der Täter zum Führen von Kraftfahrzeugen nicht mehr ungeeignet ist, so kann das Gericht die Sperre vorzeitig aufheben", heißt es dazu im Strafgesetzbuch. Vorzeitig, das heißt im besten Fall schon nach drei Monaten. Wiederholungstäter, die ihren Führerschein in den letzten drei Jahren schon einmal verloren hatten, müssen mindestens ein Jahr warten. Das wichtigste aber: Sie müssen das Gericht überzeugen, dass sie zuverlässige Autofahrer sind.

Private Gründe zählen nicht

Auch bei der regulären Sperrfrist ist die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis kein Selbstläufer. Häufig müssen die straffällig gewordenen Autofahrer ein medizinisches-psychologisches Gutachten beibringen, oder regelmäßig ihre Abstinenz nachweisen. Was also bleibt noch an Möglichkeiten, wenn man den Führerschein schon vorher zurückhaben will? Mit privaten oder beruflichen Argumenten braucht man jedenfalls nicht auf Gnade hoffen. Die Sperre ist keine Strafe, sondern sie dient dem Schutz der Allgemeinheit vor einem potentiell gefährlichen Verkehrsteilnehmer. Wenn etwa ein Lieferfahrer ohne Führerschein seinen Job verlieren könnte, ist das zwar bedauerlich, aber kein Grund, die Sperrzeit zu verkürzen – zumindest nicht, wenn sein vorheriges Alkoholproblem weiter besteht.

Die betroffenen Kraftfahrer müssen also nachweisen, dass sie willens und in der Lage sind, sich künftig an die Regeln zu halten. Möglich ist das etwa über Nachschulungen oder die Teilnahme an verkehrspsychologische Beratungen. Solche Aufbauseminare bieten beispielsweise TÜV und Dekra an, aber auch diverse andere private Anbieter. Wenn Alkohol oder Drogen zum Führerscheinverlust geführt haben, ist freiwillige Abstinenz hilfreich. Gern gesehen ist auch der Besuch von Selbsthilfegruppen. Wichtig bei Alkohol- und Drogendelikten: Meist gibt es den Führerschein erst nach bestandener MPU zurück. Über diese Voraussetzung wird man aber erst später informiert, wenn man die Fahrerlaubnis neu beantragt. Wer auf eine Sperrzeitverkürzung spekuliert, sollte rechtzeitig bei der Führerscheinbehörde nachhaken. Generell gilt: Wer sich frühzeitig selbst kümmert und guten Willen demonstriert, kann am ehesten auf ein Entgegenkommen hoffen.

Ein teures Unterfangen

Die Gerichte müssen dann jeden Antrag individuell prüfen und entscheiden, ob der Verurteilte immer noch eine übermäßige Gefahr für den Straßenverkehr darstellt. Die Chancen sind nicht so schlecht, wie ein Fall aus Berlin zeigt. Erst kürzlich hat das dortige  Landgericht Berlin einem Autofahrer eine Sperrfristverkürzung genehmigt, der an einem Aufbauseminar der Dekra teilgenommen hatte. Die Dekra attestierte ihm im Rahmen dessen einen "deutlichen Informations- und Erkenntniszuwachs", es gebe keinen Grund mehr zur Annahme, dass er zum Führen von Kraftfahrzeugen ungeeignet sei (Az.: 520 Qs 72/17).

Nachschulungen oder freiwillige psychologische Gutachten sind natürlich mit Kosten verbunden – oft liegen sie im vierstelligen Bereich. Ob sich der Aufwand lohnt, klärt man vorher am besten mit einem Anwalt. Laut dem Portal bussgeldkatalog.org ist selten eine Verkürzung von mehr als drei Monaten drin.

Quelle: n-tv.de

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