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Mehr Zeit für die Kinder statt für die Firma? Per Gesetz ist das kein Problem, doch in der Praxis stellen sich manche Arbeitgeber quer.
Mehr Zeit für die Kinder statt für die Firma? Per Gesetz ist das kein Problem, doch in der Praxis stellen sich manche Arbeitgeber quer.(Foto: imago/photothek)
Mittwoch, 24. Januar 2018

Tenhagens Tipps: So klappt's mit der Teilzeitarbeit

Bei 40 oder 42 Wochenstunden in der Firma bleibt nicht allzu viel Zeit für Familie, Freunde oder Hobbys. Wer weniger arbeiten will, hat ein Recht darauf, das Pensum zu reduzieren. Doch nicht jeder Arbeitgeber reagiert begeistert. Finanztip-Chef Tenhagen erklärt, wie Teilzeit funktionieren kann.

n-tv.de: Manche Leute würden gerne Vollzeit arbeiten, dürfen aber nicht. Andere würden das Pensum gerne etwas reduzieren, aber man lässt sie nicht. Dabei gibt es eigentlich ein Recht auf Teilzeit. Für wen gilt es?

Hermann-Josef Tenhagen: Teilzeit zu bekommen ist eigentlich einfach, darauf haben Arbeitnehmer nämlich per Gesetz einen Anspruch. Und der gilt grundsätzlich für alle Berufsgruppen und auch für alle Positionen. Voraussetzung: Die Firma hat mehr als 15 Mitarbeiter und man ist dort mindestens seit sechs Monaten beschäftigt. Und wenn der Arbeitgeber dann keine sehr guten Gründe vorträgt, die dagegen sprechen, dann läuft das auch.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Website Finanztip.
Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Website Finanztip.

Und wenn der Arbeitgeber dann sagt: "Tut mir leid, aber du bist unverzichtbar auf der Vollzeitstelle?"

So einfach kann er das nicht. Er muss schon sehr wichtige betriebliche Gründe anführen, die dagegen sprechen. Der Gesetzgeber nennt als Beispiele eine wesentliche Beeinträchtigung der Organisation oder des Arbeitsablaufs oder der Betriebssicherheit. Wenn die Firma durch Teilzeit unverhältnismäßig hohe Kosten hätte, wäre das auch ein Grund. Aber mit pauschalen Aussagen ist es da nicht getan, der Arbeitgeber muss belegen können, dass er den Mitarbeiter wirklich 40 Stunden braucht. Daran scheitert es dann meistens auch schon, spätestens wenn der Fall vor das Arbeitsgericht geht. Wer nicht mit der Firma prozessieren will, findet aber erfahrungsgemäß oft auch über Verhandlungen zu einer Lösung. Oft ist es ganz praktisch, wenn man auf konkrete vergleichbare Stellen verweisen kann, bei denen Teilzeit auch funktioniert.

Sind die Einwände der Arbeitgeber denn berechtigt?

Ob Teilzeit funktioniert, ist am Ende meistens eine Frage der Organisation. Ich habe das selbst auch aus Arbeitgeberperspektive durchdekliniert. Da hatten wir am Ende eine ziemlich große Teilzeitgruppe, die aber nur funktioniert hat, weil es feste Regeln gab, an die sich dann auch alle halten mussten. Einfach hin- und herswitchen ging da zum Beispiel nicht. Da mussten alle Beteiligten wie Erwachsene arbeiten, ihre Aufgaben erledigen, Absprachen einhalten und Konferenztermine auch. Aber je größer der Betrieb ist, desto besser lässt sich so etwas auch organisieren.

Im besten Fall kann die Firma ja auch profitieren.

Ja. Wenn man zum Beispiel ein Unternehmen nimmt, das nicht gleichmäßig ausgelastet ist, dann sind Teilzeitregelungen sogar ganz gut. Mit denen lässt sich dann ein atmender Betrieb aufbauen, in dem Mitarbeiter in Stoßzeiten vielleicht 90 Prozent arbeiten, aber vielleicht auch mal nur 60 oder 70 Prozent. Und im besten Fall arbeiten die Leute auch effizienter und motivierter und sind seltener krank.

Viele Leute würden ja gerne übergangsweise ihre Arbeitszeit reduzieren, haben dann aber Angst, dass sie dann nicht mehr in die Vollzeit zurückkehren können. Zu Recht?

Das kann tatsächlich heikel werden. Einen Anspruch zur Rückkehr auf Vollzeit gibt es nämlich bislang nicht. Es gilt nur die Regel, dass der Arbeitgeber den rückkehrwilligen Teilzeitmitarbeiter bevorzugen muss, wenn wieder eine Vollzeitstelle frei wird. In der Praxis ist das größte Problem aber oft nicht die Rückkehr in die Vollzeit, sondern das Aufstocken. Wenn der Teilzeitler auf 50 Prozent gerne auf 80 Prozent gehen möchte, bietet ihm der Chef vielleicht eine Vollzeitstelle an. Aber die will der Mitarbeiter ja gar nicht haben. Gut für den Chef, der dann nicht umorganisieren muss.

Künftig könnte der Druck auf die Arbeitgeber aber wachsen, zumindest wenn es Wirklichkeit würde, was die neue GroKo im Sondierungspapier stehen hat. Schon in der letzten Legislaturperiode hat die SPD einen Gesetzentwurf eingebracht, der Beschäftigten einen Anspruch auf zeitlich begrenzte Teilzeitarbeit sichert. Da geht es dann um Zeiträume zwischen einem und fünf Jahren, damit die Unternehmen Planungssicherheit haben. Aber von einem schrittweisen Aufstocken ist da auch keine Rede.

Welche finanziellen Folgen hat Teilzeitarbeit?

Man bekommt natürlich weniger Geld – aber normalerweise nicht so viel weniger, wie man weniger arbeitet. Das liegt an der steuerlichen Progression: sinkt das Einkommen, dann sinkt auch der Steuersatz. Wer die Arbeitszeit um 25 Prozent reduziert, büßt dann vielleicht nur 20 Prozent an Gehalt ein. In manchen Unternehmen bekommen Teilzeitmitarbeiter sogar noch einen Zuschlag vom Arbeitgeber, aber das ist eher die Ausnahme.

Natürlich sollte man im Hinterkopf behalten, dass sich dann später auch die Rente reduziert. Man zahlt ja weniger aus dem Bruttoeinkommen ein. Da muss man dann gegebenenfalls über private Altersvorsorge einen Ausgleich schaffen oder in anderen Jahren nachzahlen.

Und was ist mit Urlaubsansprüchen?

Die bleiben voll erhalten, solange man weiter an fünf Tagen die Woche arbeitet. Der Urlaubsanspruch ist dann eben weniger wert, weil es für die Urlaubstage ja auch nur das Teilzeitgehalt gibt. Oft ist Teilzeit aber auch so organisiert, dass Mitarbeiter gar nicht an allen Tagen arbeiten. Dann wird der Urlaubsanspruch anteilig berechnet. Nachteile hat das aber nicht. Geht man zum Beispiel auf 80 Prozent und arbeitet vier Tage die Woche voll, dann muss man für zwei Wochen Urlaub eben auch nur acht Urlaubstage nehmen, keine zehn.

Wie sollten Angestellte vorgehen, die in Teilzeit wechseln möchten?

Man guckt erstmal, ob die Bedingungen erfüllt sind, also ob es 15 weitere Mitarbeiter im Betrieb gibt. Dann überlegt man sich, wie man das organisieren würde und geht dann zum Chef und macht einen konkreten Vorschlag. Wenn man miteinander reden kann, hat es auch Sinn, erstmal mündlich abzuklären, was möglich ist, bevor man den schriftlichen Antrag stellt.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Isabell Noé

Quelle: n-tv.de