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Genesung nicht beeinträchtigt Trotz Krankschreibung zum Bewerbungsgespräch

Der Termin für das Vorstellungsgespräch steht fest. Doch am vereinbarten Tag ist der Bewerber krank. Und kommt dennoch der Einladung nach und wird von seinem bisherigen Arbeitgeber fristlos gekündigt.

Während einer Krankschreibung kann man zum Bewerbungsgespräch gehen. Foto: Arno Burgi

Während einer Krankschreibung kann man zum Bewerbungsgespräch gehen.

(Foto: dpa)

Ein arbeitsunfähig erkrankter Arbeitnehmer hat während seiner Ausfallzeit durch sein eigenes Verhalten dafür Sorge zu tragen, dass er die Phase der Arbeitsunfähigkeit möglichst zügig überwindet. Das bedeutet aber nicht, dass er stets nur das Bett zu hüten hat oder jedenfalls die eigene Wohnung nicht verlassen sollte. Es hängt vielmehr von dem jeweiligen Krankheitsbild ab, welche Tätigkeiten einem Arbeitnehmer während der Zeit der Arbeitsunfähigkeit untersagt sind.

Demnach muss eine Krankschreibung grundsätzlich kein Grund sein, ein Bewerbungsgespräch abzusagen. Das gilt jedenfalls, wenn es die Genesung nicht beeinträchtigt. Das hat das Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern entschieden (Az.: 5 Sa 106/12). 

In dem verhandelten Fall hatte sich ein Mitarbeiter eines Sanitärfachhandels bei einer städtischen GmbH als Geschäftsführer beworben. Im August 2011 war der Angestellte zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Er ging hin, obwohl er an dem Tag krankgeschrieben war. Der Arbeitgeber fand das heraus, weil die Presse über die Vorstellung der Kandidaten für die Geschäftsführerposition berichtete. Er sprach daraufhin die fristlose Kündigung aus.

Vor Gericht hatte die Kündigung jedoch keinen Bestand. Der Arbeitnehmer sei wegen Problemen mit seinem Arm krankgeschrieben gewesen. Der Besuch des Vorstellungsgesprächs habe seine Genesung aber nicht beeinträchtigt - und sei deshalb auch kein Kündigungsgrund.

Des Weiteren rechtfertigt ein vom Arbeitnehmer gezeigter Abkehrwille nicht ohne weiteres die Kündigung. Solange der Arbeitnehmer seine vertraglichen Pflichten erfüllt, kann es ihm grundsätzlich nicht vorgeworfen werden, dass er sich nach einem anderen Arbeitsfeld umschaut. Artikel 12 des Grundgesetzes gewährt dem Arbeitnehmer die freie Arbeitsplatzwahl. Eine Kündigung kann daher allenfalls dann gerechtfertigt sein, wenn der Arbeitnehmer seine Pflichten im alten Arbeitsverhältnis zugunsten seiner zukünftigen Tätigkeit vernachlässigt, urteilten die Richter.

Quelle: n-tv.de, awi/dpa

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