Ratgeber

Schweizer Konten Was Steuersünder tun können

Noch ist nicht ganz sicher, welche Bank oder Banken vom Datendiebstahl in der Schweiz betroffen sind. Das macht es für Steuersünder nicht einfacher, die jetzt vor der Frage stehen: Selbstanzeige oder nicht? Im besten Fall gehen Bußfertige straffrei aus. Wer zu voreilig ist, könnte sich aber versehentlich selbst vor den Kadi bringen.

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Steuersünder können bis zu zehn Jahre in den Knast wandern. Sehr oft kommt das aber wohl nicht vor. Geldstrafen sind dem Fiskus nämlich lieber.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Für Klaus Zumwinkel hätte es schlimmer kommen können: Der wohl bekannteste Steuersünder Deutschlands büßte für sein Vergehen mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe und der Zahlung von einer Million Euro. Angesichts der gesetzlichen Möglichkeiten ist der frühere Postchef glimpflich davongekommen. Die Abgabenordnung sieht für Steuerhinterziehung Geld- oder Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren vor. In besonders schweren Fällen kann das Strafmaß auf zehn Jahre ausgeweitet werden. Nicht gerade beruhigende Aussichten für die 1500 Anleger mit Konten in der Schweiz, deren Daten nun der Bundesregierung zum Kauf angeboten wurden.

Noch ist nicht ganz sicher, welche Bank oder Banken vom Datendiebstahl betroffen sind. Das macht es für Steuersünder nicht einfacher, die jetzt vor der Frage stehen: Selbstanzeige oder nicht? Grundsätzlich regelt die Abgabenordnung, dass man unrichtige oder unvollständige Angaben bei der Finanzbehörde nachträglich berichtigen kann und dann straffrei ausgeht. Das funktioniert aber nur, solange die Steuerprüfung nicht auf den Plan getreten ist und noch kein Straf- oder Bußgeldverfahren eingeleitet wurde.

Teure Reue

Kritiker könnten nun  einwenden, Steuerhinterziehung werde als Kavaliersdelikt verharmlost.  Wer sich etwa nach begangener Fahrerflucht der Polizei stellt, kann allenfalls mit einem milderen Urteil rechnen, aber nicht damit, dass man die Sache unter den Tisch fallen lässt. Nun haben bußfertige Steuersünder aber einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Straftätern: Ihre Reue bringt Geld. Nach der Selbstanzeige setzt das Finanzamt eine Frist, innerhalb derer der ausstehende Betrag nachzuzahlen ist, Zinsen inklusive. Für jeden Monat ab Beginn der Hinterziehung - in der Regel ist das die Abgabe der unrichtigen Steuererklärung - werden 0,5 Prozent Zinsen berechnet. Und die lassen sich nicht bei der nächsten Steuererklärung absetzen.

Die Selbstanzeige macht man nicht bei der Polizei, sondern beim zuständigen Finanzamt. Das interessiert sich nicht für Beweggründe oder sonstige Ausführungen, sondern allein für die Daten, auf deren Basis dann der neue Steuerbescheid erlassen wird. Sofern die Selbstanzeige vollständig war und keine weiteren Straftatbestände auftauchen, ist die Sache mit der fristgerechten Nachzahlung erledigt.

Vorsicht Falle

Meistens ist die Angelegenheit aber nicht so einfach. Kompliziert wird es beispielsweise, wenn es Mittäter gibt, etwa Ehegatten oder Bankberater. Zudem sollte man vorher klären, ob die Steuerhinterziehung eventuell bereits verjährt ist. Die strafrechtliche Verjährungsfrist beträgt regulär fünf Jahre ab Tatzeitpunkt. Die Festsetzungsverjährung läuft allerdings doppelt so lange. Das heißt: Wer nach zehn Jahren erwischt wird, muss zwar nicht vor Gericht, aber reichlich nachzahlen. Zudem sollte man vor einer Selbstanzeige klären, ob die Voraussetzungen für Straffreiheit überhaupt vorliegen.

Anleger, die jetzt wegen ihres Schweizer Kontos zittern, tun gut daran, erst einmal Rücksprache mit dem Steuerberater halten. Sonst könnte die Selbstanzeige mehr schaden als nützen.

Quelle: ntv.de