Ratgeber

Tinkturen, Kapseln, SprayWas gegen Haarausfall hilft

31.03.2010, 16:06 Uhr
imagevon Isabell Noé

Nicht jedem steht eine Glatze so gut wie Kojak. Verständlich also, dass viele Männer bei ersten Anzeichen von Haarausfall zu Kapseln und Tinkturen greifen, um der fortschreitenden Stirnglatze Einhalt zu gebieten. In der Tat gibt es wirksame Hilfe - allerdings mit Nebenwirkungen.

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Nicht jeder trägt seine Glatze mit so viel Würde wie Kojak. (Foto: picture-alliance / dpa)

Manch einer hat schon mit 30 kaum mehr Haare auf dem Kopf, andere können sich noch im Rentenalter den dichten Schopf fahren – die Gene sind eben ungerecht verteilt. Der klassische Haarausfall, der mit Geheimratsecken beginnt und manchmal mit einer Vollglatze endet, ist erblich. Frauen leiden sehr viel seltener unter schwindender Haarpracht, und wenn, dann meist erst nach den Wechseljahren. Bei den Männern ist etwa jeder zweite ab 50 betroffen. Die Hälfte von ihnen will sich nicht damit abfinden. Die Zeitschrift "Ökotest" hat nun geprüft, ob es sich lohnt, in Haarausfall-Mittel zu investieren.

Mittel aus der Drogerie

Wenn die Stirn immer höher wird, führt der erste Weg meist nicht zum Arzt, sondern in die Drogerie. Dort gibt es zahlreiche Sprays, Tonika und Lotionen, die Hilfe bei Haarausfall versprechen. "Bei", nicht "gegen" – ein entscheidender Unterschied. "Hilft gegen" Haarausfall wäre nämlich ein medizinisches Wirkversprechen und auf das können sich die Hersteller von Kosmetika nicht einlassen.

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Oben Massage, seitlich kämmen: Trotz ihrer zweifelsohne angenehmen Wirkung konnte sich die 1950 präsentierte "Hairline Brush" letztlich nicht durchsetzen. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Egal, ob auf Koffein, Ginseng oder Hopfenextrakt gesetzt wird, auf Aminosäuren oder Eiweißbruchstücke – kein Anbieter kann in seriösen wissenschaftlichen Studien nachweisen, dass das Mittel funktioniert. Zwar hält es auch "Ökotest" für plausibel, dass einzelne Wirkstoffe positive Effekte haben könnten, belegen lässt sich das aber nicht. "In vielen Kosmetika stecken Inhaltsstoffe, die Allergien auslösen und möglicherweise zu Leber- und Nierenschäden führen können", warnt Chefredakteur Jürgen Stellpflug. Die beiden Alpecin-Produkte im Test und das Neril Reaktiv Haartonikum wurden wegen bedenklicher Inhaltsstoffe mit "ungenügend" bewertet. "Ungenügend", so auch das Urteil über die Innéov Anti-Haarausfall-Tabletten, ein Nahrungsergänzungsmittel.

Hilfe aus der Apotheke

Grundsätzlich ist es durchaus möglich, Haarausfall von innen heraus zu bekämpfen. Zuverlässige Hilfe gibt es aber nur auf Rezept: Finasterid heißt ein Wirkstoff, der den Hormonspiegel im Blut beeinflusst und so die Anzahl der Haare steigert. Das funktioniert aber nur bei Männern zwischen 18 und 41 Jahren und auch nicht ohne Nebenwirkungen. Der Beipackzettel warnt vor Libidoverlust und Erektionsstörungen, die Langzeitwirkungen sind noch ungeklärt. Zudem wirken Medikamente mit Finasterid nur solange man sie auch einnimmt. Nach dem Absetzen fallen die Haare wieder aus.

Wer die möglichen Nebenwirkungen von Finasterid scheut, findet vielleicht in Regaine Hilfe. In Studien hat sich das Arzneimittel bewährt, bei 20 bis 40 Prozent der behandelten Männer konnte es den Haarausfall zumindest stoppen. Auch für betroffene Frauen kommt Regaine in Betracht, wirkt aber weniger. Regaine ist zwar nicht rezeptpflichtig, aber dennoch nicht frei von Nebenwirkungen. Wegen ungeklärter Herz-Kreislauf-Risiken vergibt Ökotest nur ein "befriedigend".

Fazit: Wer ernsthaft unter Haarausfall leidet, sollte einen Hautarzt entscheiden lassen, ob eine medizinische Behandlung sinnvoll ist. Das Geld für kosmetische Mittel kann man sich sparen. Vielleicht hilft es auch einfach, an Bruce Willis, Sean Connery oder Seal zu denken – denen hat die Platte auf dem Kopf bekanntlich auch nicht geschadet.