Ratgeber

Wohngebäudeversicherung Wenn Altkunden der Rauswurf droht

Wer ein Haus hat, braucht eine Gebäudeversicherung. Doch für die Versicherer wird das Geschäft mit den Hauspolicen immer riskanter. Viele Altkunden sollen deshalb gehen. Was kann man tun, um den Schaden zu begrenzen?

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Auf eine Gebäudeversicherung sollte kein Hausbesitzer verzichten.

(Foto: imago stock&people)

Schwere Stürme, Unwetter und Hochwasser verhageln den Wohngebäudeversicherern die Bilanzen. Für die meisten Gesellschaften ist die Sparte inzwischen ein Verlustgeschäft. Das bekommen die Kunden zu spüren. Die große Mehrheit der Versicherer hat für 2015 die Preise erhöht. Bei Altverträgen ohne Preisanpassungsklausel ist das allerdings gar nicht möglich. Was auf den ersten Blick wie ein Glücksfall aussieht, kann den Kunden auf die Füße fallen. Denn oft machen die Anbieter hier einfach kurzen Prozess. So hat die Allianz im letzten Jahr rund 15.000 Alt-Policen gekündigt, die Ergo wollte sogar 120.000 Versicherte loswerden.

Immer noch furchforsten die Versicherer ihre Bestände auf der Suche nach Verträgen, die sich für sie nicht mehr rechnen. Oft trifft es dann Kunden, die bereits einen oder mehrere Schäden gemeldet haben. Dass die Regulierung schon einige Jahre zurückliegt, ist kein Hinderungsgrund. Grundsätzlich können die Versicherer – wie auch die Kunden – Verträge nicht nur nach einem Schaden kündigen, sondern auch mit einer dreimonatigen Frist zum Ende des Versicherungsjahrs.

Oft würden die Anbieter die Kunden gerne behalten – nur eben nicht zu den bisherigen Konditionen. Wenn Preiserhöhungen im Vertrag ausgeschlossen sind, kommt eine sogenannte Änderungskündigung in Frage: Der alte Vertrag wird aufgelöst, stattdessen gibt es einen neuen, der teils andere Leistungen umfasst und in der Regel deutlich teurer ist. Üblich ist auch ein höherer Selbstbehalt im Schadensfall. 

Besser selber gehen

Darauf muss man sich natürlich nicht einlassen, hat aber dann womöglich ein Problem damit, einen neuen Anbieter zu finden. Denn beim Antrag muss man angeben, dass der alte Vertrag vom Versicherer gekündigt wurde. Und dann schrillen beim neuen Versicherer schon die Alarmglocken. Entweder man wird überhaupt nicht versichert oder nur zu schlechteren Bedingungen als bei einem freiwilligen Wechsel.

Besser ist es, der Versicherung zuvorzukommen. Doch das ist nicht so einfach, schließlich werden Kündigungen in der Regel ohne Vorwarnung ausgesprochen. Als nützlich kann sich ein guter Draht zum Versicherungsvertreter oder Makler erweisen. Vertreter mit aktivem Bestandskundenmanagement wissen, was die Versicherung plant und können die Kunden rechtzeitig informieren. Wurde der Vertrag übers Internet abgeschlossen, hilft das allerdings wenig.    

Liegt die Kündigung schon auf dem Tisch, geht es um Schadensbegrenzung. Vielleicht ist eine Weiterversicherung ja doch noch möglich, wenn man sich beispielsweise auf eine höhere Selbstbeteiligung einlässt. Ansonsten sollte man fragen, ob eine Kündigungsumkehr möglich ist. Oft lassen sich Versicherungen darauf ein, um ihren Ex-Kunden den Weg zu einem neuen Anbieter nicht zu verbauen. Im Antrag beim neuen Versicherer kann man dann sagen, man habe freiwillig gekündigt. Die Schadensfälle aus der Vergangenheit muss man aber natürlich trotzdem angeben.

Besser teuer als gar kein Vertrag

Bessere Karten haben Kunden, denen die Versicherung einen neuen Vertrag anbietet. Hat man keine Chance mehr, der Kündigung zuvorzukommen, beißt man am besten in den sauren Apfel und lässt sich erstmal auf das neue Angebot ein – auch wenn das eine deutliche Verschlechterung bedeutet. Dann bleibt aber immerhin genügend Zeit, nach einem Jahr selbst zu kündigen und sich bis dahin einen günstigeren neuen Anbieter zu suchen.  Erhöht die Versicherung die Preise, hat man auch außerhalb der regulären Kündigungsfrist ein Sonderkündigungsrecht.

Einfach komplett auf den Versicherungsschutz zu verzichten, ist jedenfalls keine Option: Die Wohngebäudeversicherung ist für Hausbesitzer fast zwingend, weil sie vor existenziellen Risiken schützt. Sie zahlt, wenn die Immobilie durch Feuer, Sturm, Hagel oder Leitungswasser verwüstet wird. Hier können fünfstellige Schadenssummen zusammenkommen, die kaum jemand aus der Portokasse bezahlt. Oft vergeben Banken Immobilienkredite deshalb auch nur, wenn die Kunden eine Gebäudeversicherung nachweisen können.

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Quelle: ntv.de, ino

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