Ratgeber

Makler ohne Auftrag Wer nicht aufpasst, zahlt Provision

Makler bringen Immobilienbesitzer und Interessenten zusammen. Manche tun das auch ungebeten: Sie bieten Immobilien mit Courtage an, die man auch direkt beim Eigentümer kaufen könnte. Wer auf den Trick hereinfällt, hat Pech gehabt.

38289856.jpg

Grundsätzlich sind Courtagen frei verhandelbar.

(Foto: picture alliance / dpa)

Makler nehmen Eigentümern lästige Arbeit ab und verhelfen Suchenden zur Wunschimmobilie. Doch manchmal tun sie das ungefragt: Die Stiftun g Warentest warnt vor unseriösen Maklern, die ohne Auftrag tätig werden und Objekte vermitteln, die auch direkt vom Eigentümer angeboten werden. Bezahlen muss man sie in solchen Fällen trotzdem.

Ganz neu ist die Masche nicht, schon 2002 wurde ein entsprechender Fall bis vor den Bundesgerichtshof gebracht. Was die Richter damals entschieden, gilt auch heute noch: Ein Makler kann auch dann Provision vom Mieter verlangen, wenn er ungefragt tätig wird. Entscheidend ist lediglich, ob am Ende ein Mietvertrag zustande kommt.

Mussten die Makler früher die Immobilienseiten durchforsten, um attraktive Angebote direkt vom Eigentümer zu finden, so fällt ihnen die Suche heute dank zahlreicher Immobilienportale leichter. So auch im Fall, über den das Magazin "Finanztest" berichtet: Ein Ehepaar zahlte 10.000 Euro Provision für die Vermittlung einer Doppelhaushälfte, obwohl die Verkäufer die Immobilie selbst bei Immobilienscout 24 und Immowelt inseriert hatten. Daraufhin hatten sich zahlreiche Makler mit der Bitte um Besichtigungstermine gemeldet. Obwohl die Eigentümer nur auf zwei dieser Anfragen eingegangen waren, boten acht Makler die Immobilie im Internet an, zwei von ihnen sogar zu einem geringeren Verkaufspreis. Die meisten der ungebetenen Vermittler hatten einfach die Bilder aus der ursprünglichen Anzeige kopiert. Letzteres ist ein Verstoß gegen das Urheberrecht.

Eigentümer dürfen verbieten

Das ungefragte Anbieten an sich ist allerdings nicht gesetzlich verboten, zumindest nicht bei Kaufimmobilien. Die Eigentümer können aber selbst ein Verbot erlassen. Hält sich ein Makler nicht daran, hilft eine einstweilige Verfügung. Möglicherweise bekommen die ungebetenen Vermittler auch mit der Konkurrenz Ärger, wenn ein Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht vorliegt. 

Bei Mietwohnungen sieht die Sache übrigens anders aus, hier sind Mieter und Vermieter durch das Wohnungsvermittlungsgesetz geschützt. Demnach dürfen Makler nur Wohnungen anbieten, wenn sie dazu einen Auftrag vom "Vermieter oder einem anderen Berechtigten" haben. Bei Zuwiderhandlungen droht ein Bußgeld bis zu 2500 Euro. Schwarze Schafe unter den Maklern dürfte das trotzdem nicht abschrecken, falls eine entsprechende Provision winkt.  

Damit die Provisionsvereinbarung wirksam wird, muss noch nicht einmal ein schriftlicher Vertrag ausgehandelt werden. Es genügt, wenn der Makler ein Exposé schickt, in dem er deutlich auf die Provision hinweist. Außerdem muss er es schaffen, mit dem Eigentümer, der ja gar keinen Makler beauftragt hat, einen Besichtigungstermin zu vereinbaren. Finden die beiden Parteien dann zusammen und vereinbaren einen Kaufvertrag, dann hat der Makler ein Recht auf seine Courtage.

Manchmal muss auch der Besitzer zahlen

Deren Höhe ist bei Mietverträgen auf zwei Monatsmieten begrenzt. Bei Kaufimmobilien ist die Provision Verhandlungssache, eine gesetzliche Regelung gibt es nicht, nur bei offensichtlichem Wucher kann es Ärger geben. Meistens orientieren sich die Makler aber an den regionalen Gepflogenheiten: Üblich sind zwischen 5,95 und 7,14 Prozent Provision. Wer sie zu tragen hat, ist nicht festgelegt. In den meisten Bundesländern teilen sich Käufer und Verkäufer die Summe. Wenn es dumm läuft, zahlt am Ende also auch der Verkäufer Provision, obwohl er ursprünglich gar keinen Makler eingeschaltet hatte.   Das kann etwa passieren, wenn Makler für eine schwer verkäufliche Immobilie einen Interessenten präsentieren.    

In der Branche beobachtet man das Makeln ohne Auftrag mit Argwohn. Der Immobilienverband Deutschland (IVD) verurteilt das als standeswidriges Verhalten und droht Mitgliedern bei Verstößen mit Rausschmiss. Die Pläne verschiedener Bundesländer, dass Mieter künftig nur noch dann Provision zahlen sollen, wenn sie einen schriftlichen Auftrag zur Suche gegeben haben, lehnt der Verband aber ab. Derzeit befasst sich der Bundesrat mit diesem  Vorschlag. 

Wer als Mieter oder Käufer die Courtage umgehen will, kann auf den einschlägigen Immobilienportalen auch explizit nach Immobilien ohne Provision suchen. Meist findet man dann Angebote, die direkt vom Eigentümer oder manchmal auch vom Vormieter eingestellt wurden. Bei provisionsfreien Kaufangeboten vom Makler sollte man sich aber keinen Illusionen hingeben: Hier ist die Courtage in der Regel schon eingepreist.

Finanzierung gesucht? Zum Vergleich

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema