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Grüne Berge und Gestank fauler Eier Algen vergiften Strandurlaub

Algenpest in Frankreich im vergangenen Jahr: Auch in diesem Sommer werden die Wasserpflanzen an vielen Stränden der Bretagne wieder zum Problem.jpg

Viele Strände der Bretagne werden Jahr für Jahr von der Algenpest heimgesucht. (Archivbild)

Die Reiseführer schwärmen von einer bezaubernden Dünenlandschaft, türkisfarbenem Wasser und malerischen Steinhäuschen. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus im Norden der Bretagne: die Algenpest ist wieder da. Auch in Polen gibt es Algen-Probleme an Badeorten.

An der Bucht von Saint-Brieuc in der nördlichen Bretagne wurden im Juli am Sandstrand 36 tote Wildschweine gefunden, mitten im nach faulen Eiern stinkenden, grün-braunen Algenschlamm. Die Faulgase, die die Grünalgen beim Vermodern absondern, waren wahrscheinlich für den Tod der Borstentiere verantwortlich, in fünf von sechs untersuchten Kadavern wurde den Behörden zufolge Schwefelwasserstoff nachgewiesen.

"Wir wissen, dass das von den Algen kommt", sagt der Sprecher der Umweltorganisation France Nature Environnement (FNE), Benoît Hartmann, im Radiosender Europe 1. "Wir müssen aufhören, den Kopf in den Sand zu stecken", ergänzt er mit einem Seitenhieb auf die Behörden, die immer noch keine klare Verbindungen zwischen dem "grünen Gift" und dem Tod der Wildschweine ziehen wollen. Schließlich seien die Algen, von denen dieses Jahr bereits fast 32.000 Tonnen mit Traktoren von den Stränden weggekarrt wurden, auch für Menschen schädlich.

Lebensgefährliche Faulgase

Vor zwei Jahren starb ein Arbeiter, der beim Abtransport der Algen geholfen hatte, an einem Herzstillstand, der möglicherweise durch die giftigen Gase ausgelöst wurde. Außerdem erstickte ein Pferd an den fauligen Dämpfen am Strand, der Reiter wurde von Spaziergängern bewusstlos aufgefunden. Dass die Faulgase lebensgefährlich sein können, hatte im August 2009 ein Regierungsgutachten bestätigt. An einigen Strandabschnitten wurde laut Umweltministerium das Doppelte einer tödlichen Dosis Schwefelwasserstoff gemessen.

Im Frühjahr 2010 legte die Regierung dann einen 134 Millionen Euro teuren Aktionsplan auf, der Kompostieranlagen für die Algen und einen sparsameren Einsatz von Dünger in der Landwirtschaft vorsah - für Umweltschützer der Hauptgrund für die "Killeralgen". Dennoch gelangen weiterhin jährlich rund 70.000 Tonnen Nitrat ins Meer, wie die Umweltpartei Europe Ecologie im vergangenen Herbst mitteilte. "Das landwirtschaftliche Modell muss sich auf alle Fälle ändern", fordert Hartmann. Neben Düngemitteln sind es vor allem die Fäkalien aus der intensiv betriebenen Schweinezucht, die die Umweltschützer für das enorme Algenwachstum verantwortlich machen.

Sarkozy bei Treffen zur Algenpest

Doch Präsident Nicolas Sarkozy kam den gescholtenen Landwirten Anfang Juli zu Hilfe. "Es ist absurd, Schuldige auszumachen, mit dem Finger auf die Landwirte zu zeigen, die schon große Fortschritte in dieser Sache gemacht haben", sagte er bei einem Treffen zur Algenpest. Die Landwirtschaft ist der stärkste Industriezweig in der Bretagne - noch deutlich vor dem Tourismus, der laut dem bretonischen Tourismusverband CRT acht Prozent der regionalen Wirtschaft ausmacht und 51.000 Menschen Arbeit gibt.

Die Umweltorganisation FNE schreckt nicht vor drastischen Aktionen zurück, um auf die grüne Gefahr aufmerksam zu machen. Im vergangenen Jahr stellten die Umweltschützer am Rande der Landwirtschaftsmesse eine Plakatkampagne vor, auf der ein spielendes Kind auf einem algenverseuchten Strand zu sehen ist. Damit es nicht so weit kommt, sperrten die Behörden dieses Jahr bereits mehrere Strände.

Kein Wunder, dass kaum eines der französischen Regierungsmitglieder, die am Montag ihre Sommerferien begannen, seinen Urlaub in der Bretagne verbringen will. Lediglich Haushaltsministerin Valérie Pécresse entschied sich für La Baule in der Südbretagne, immerhin drei Autostunden von der Algenbucht von Saint-Brieuc entfernt.

Schwimmverbot nach Algenalarm in polnischem See

Auch Polen hat ein Problem mit Algen, hier sind es Blaualgen: Die polnischen Gesundheitsbehörden haben am Mittwoch das Baden und Schwimmen im westpommerschen See Lipowo bei Debno (Neudamm) verboten. Die Konzentration von Blaualgen in dem See im Grenzgebiet zu Deutschland sei ein Gesundheitsrisiko für Badegäste, gab eine Sprecherin des Sanitäramts in Stettin (Szczecin) als Grund dafür an. An den westpommerschen Ostseestränden und in der Stettiner Bucht dagegen sei das Schwimmen weiterhin möglich.

Mit dieser Einschätzung steht die Behörde allerdings im Widerspruch zu der Naturschutzorganisation WWF. Umweltexperten des polnischen WWF hatten am Mittwoch gewarnt, der derzeitige Blaualgenbefall könne entlang der polnischen Ostseeküste zu Gesundheitsproblemen führen. "Durch den hohen Algenbefall wird das ökologische Gleichgewicht gestört", sagte eine WWF-Sprecherin. Die von den Algen produzierten Gifte können in hoher Konzentration auch Menschen schaden. "Besonders hoch ist das Risiko für Kinder, die lange Zeit im Wasser spielen", hieß es in der WWF-Warnung.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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