Reise

Wenns im Urlaubsland kracht Deutsche meiden Krisengebiete

Fast jeder zweite Bundesbürger passt sein Reiseverhalten den Terror- und Reisewarnungen an. Immerhin 13 Prozent der Befragten aber lassen sich von Krisen nicht beeinflussen und ändern nichts.

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Manche lassen sich nicht abhalten: Touristen an den Pyramiden von Gizeh am 9. Februar.

(Foto: AP)

Immer mehr deutsche Urlauber reagieren auf Unruhen in Urlaubsregionen wie Ägypten oder Tunesien und meiden Reisen in Krisengebiete. Fast jeder zweite Bundesbürger passe sein Verhalten den Terror- und Reisewarnungen inzwischen an, ergab eine Umfrage im Rahmen der 27. Deutschen Tourismusanalyse, die heute in Hamburg vorgestellt wurde. Nur 13 Prozent der 4000 Befragten gaben an, sich von Krisen nicht beeinflussen zu lassen.

Für 24 Prozent käme eine Änderung des Reiseziels infrage und 13 Prozent würden eine Stornierung der gebuchten Reise in Erwägung ziehen. 8 Prozent der Befragten würden die Reisezeit und 3 Prozent gegebenenfalls das Verkehrsmittel ändern. Ein Drittel (33 Prozent) der Befragten erklärte, ohnehin nur in risikoarme Regionen wie zum Beispiel Deutschland zu reisen.

Damit habe sich die Einstellung der Deutschen im Vergleich zu früheren Krisen deutlich geändert, sagte der wissenschaftliche Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen, Prof. Ulrich Reinhardt. Im Jahr des 1. Golfkriegs 1991 hatten noch 78 Prozent der Befragten angegeben, ihre Urlaubspläne nicht zu ändern, nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 waren es 67 Prozent. "Auch in Krisenzeiten wollen die Deutschen reisen", sagte Reinhardt. Die Tourismusbranche werde daher eher kurzfristige Schwankungen als Einbrüche erleben. "Und auch die Reiseziele in Ägypten und Tunesien können langfristig wieder beliebte Reiseziele der Deutschen sein." Ob die Touristen aber schon in diesem Sommer zurückkämen, sei fraglich.

Spanien wieder am beliebtesten

Mit Abstand begehrtestes Auslandsziel der Deutschen war im vergangenen Jahr mit einem Anteil von 12,9 Prozent wieder Spanien. Das Land verlor im Vergleich zu 2009 jedoch 0,3 Prozentpunkte. An zweiter Stelle lag Italien (6,7 Prozent) knapp vor der Türkei mit 6,6 Prozent und Österreich (4,1 Prozent). "Kroatien war der Gewinner der Reisesaison 2010", berichtete der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Prof. Ulrich Reinhardt. Das Adrialand legte von einem Anteil von 1,7 Prozent im Vorjahr auf 3,3 Prozent zu und kann sich seiner Einschätzung nach in den kommenden Jahren zu einem echten Konkurrenten für die anderen Mittelmeerländer entwickeln. Zu den Verlierern gehörte das krisengeplagte Griechenland, das 2010 noch auf einen Anteil von 3 Prozent kam (minus 0,3 Punkte).

In Deutschland lag Bayern mit einem konstanten Anteil von 8,1 Prozent weiter vorn. Gewinner waren Schleswig-Holstein mit 6,4 Prozent (+0,8 Punkte) und Mecklenburg-Vorpommern mit 7,3 Prozent (+0,5 Punkte). Als Absteiger des Jahres gab Baden-Württemberg 0,9 Punkte ab und kam noch auf 2,8 Prozent. Das Land müsse aufpassen, nicht zu einem reinen Zweiturlaubsziel zu werden, sagte Reinhardt.

Aus den Antworten der in diesem Januar befragten 4000 Personen im Alter von mindestens 14 Jahren geht auch hervor, dass die durchschnittliche Reisedauer im vergangenen Jahr um einen halben Tag auf 12,5 Tage zurückgegangen ist. Damit setzt sich der Trend zu kürzeren Reisen weiter fort. Außerdem gaben die Urlauber im Durchschnitt nur noch 944 Euro für ihre Reise aus (Vorjahr: 1038 Euro).

Quelle: n-tv.de, dpa