Reise

Langsamer werden und mehr genießen Entdeckungstouren in Florida

Und wieder kommt ein Dollar an die Decke: Ein Gast hat mit Filzstift seinen Namen auf dem Geldschein verewigt, den er nun mit Klebeband an einem Balken fixiert. So ist es Brauch im Restaurant auf der Insel Cabbage Key im Südwesten Floridas - rund 70.000 US-Dollar hängen schon an den Wänden. Es ist Mittagszeit, der Laden ist voll: Kellner schleppen Cheeseburger heran, die Besucher lehnen sich zurück. Sie haben einen Gang heruntergeschaltet, denn sie sind an einem Ort, an dem alles im Schritttempo passiert. Cabbage Key ist nur per Boot erreichbar, und auf der Reise hierher hat sich gezeigt: Je niedriger das Tempolimit, desto gelassener das Leben.

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Kinder am Strand von Fort Myers.

(Foto: REUTERS)

Drei Tage zuvor auf dem Interstate-Highway 75: Mit 70 Meilen in der Stunde, immerhin 112 Stundenkilometern (km/h), geht es auf Fort Myers zu. Hier an Floridas Westküste verbrachten schon der Erfinder Thomas Edison und Automagnat Henry Ford regelmäßig den Winter - ihre Häuser gehören heute zu den größten Sehenswürdigkeiten in Lee County.

Hauspreise enorm gesunken

Die beiden Prominenten waren Vorbilder für Hunderttausende andere Amerikaner, die sich in Fort Myers und Umgebung Ferienhäuser gekauft haben. Aber auch rund 65.000 Deutsche besitzen Immobilien in Floridas Südwesten, erklärt Nancy Hamilton vom regionalen Tourismusverband. Derzeit dürften viele weitere Bundesbürger auf Besichtigungstour sein, nicht nur wegen des günstigen US-Dollars. Auch in Lee County sind in der Finanz- und Immobilienkrise die Preise gesunken: Lokale Medien berichten von halbierten Forderungen der Hauseigentümer.

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Entspanntes Radeln an der Wasserkante.

(Foto: REUTERS)

Die meisten Deutschen aber fliegen nicht nach Fort Myers, um ein Haus zu finden, sondern um sich in die Sonne zu legen, in den Outlets günstig einzukaufen und die Natur zu genießen. 2008 kamen 170.000 Besucher mit deutschem Pass nach Lee County - so viele wie aus keinem anderen Land außerhalb der USA. Vom Flughafen zum Meer dauert die Fahrt 30 Minuten. Sie führt an Fastfood-Lokalen und Einkaufszentren vorbei, und das Tempolimit beträgt nun 55 Meilen (88 km/h) - noch nicht wenig genug, um den Alltag wirklich hinter sich zu lassen.

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Urlauber am Strand von Fort Myers.

(Foto: REUTERS)

Viele Urlauber zieht es nach Fort Myers Beach, wo sich in der kleinen Fußgängerzone Times Square die Restaurants und Läden mit Bademode konzentrieren. Aus "Jimmy B's Rooftop Bar" dröhnt Rock, unter dem Pier rauschen die Wellen - der Ort verspricht Tage am Meer mit einem Mix aus Trubel und Entspannung. Auch Naturliebhaber finden Interessantes, zum Beispiel im Lovers Key State Park, der südlich an die Insel anschließt und drei Zugänge zum "Calusa Blueway" besitzt, einem 305 Kilometer langen Wasserwegenetz, das sich durch das County zieht. Benannt ist es nach den einst hier lebenden Calusa-Indianern.

Mit Kajaks und Kanus geht es durch die Mangrovenlandschaft, große Wasservögel kreuzen den Weg. Im Sommer ist aber Vorsicht angebracht: "Wichtig ist es, alle Wassersport-Aktivitäten dann in die Vormittagsstunden zu legen, weil nachmittags immer Gewittergefahr besteht", empfiehlt die "Calusa-Blueway"-Koordinatorin Betsy Clayton.

Eintritt zu heiler Welt

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Sanibel Island

(Foto: SP)

Vom Wasser zurück auf die Straße, das nächste Ziel ist Sanibel Island. Sechs Dollar (4,30 Euro) kostet die Brückenbenutzung, eine Art Eintrittsgeld zu einer heileren Welt. Schnell fällt auf: Die Menschen nehmen sich mehr Zeit. Viele sind per Fahrrad unterwegs, und das Tempolimit sinkt von 55 auf 35 Meilen pro Stunde (56 km/h) - vor allem, um die Wildtiere zu schützen. Denn ein Großteil Sanibels liegt in einem nach dem Naturschützer J.N. "Ding" Darling benannten Schutzgebiet, durch das der knapp 6,5 Kilometer lange Wildlife Drive führt. Urlauber können ihn mit dem Mietwagen befahren oder geführte Touren buchen.

Nördlich von Sanibel liegt Captiva Island, wo das Tempolimit auf 30 und schließlich 25 Meilen pro Stunde sinkt. Viele Palmen und üppiger Hibiskus verstellen den Blick auf die Villen entlang der Straße. Dafür schimmert immer wieder der Golf von Mexiko zwischen den Bäumen hindurch. Captiva ist ein Ziel für Menschen mit dem nötigen Kleingeld und wirkt noch lieblicher und entspannter als Sanibel.

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Captiva Island

(Foto: The Ledger)

Hier beginnt auch die Bootsfahrt mit der "Lady Chatwick" nach Cabbage Key. Schon kurz nach dem Ablegen tauchen Delfine an der Steuerbordseite auf. Kapitän Tom Jones pfeift auf vier Fingern, die Passagiere klatschen wie verrückt - das bringt die Meeressäuger immer wieder dazu, über die vom Schiff geschlagenen Wellen zu springen.

Der Landgang auf Cabbage Key ist mit gut zwei Stunden angesetzt. Es gibt einen Naturlehrpfad, den auch viele Mücken mögen, und eine Aussichtsplattform auf einem etwa 20 Meter hohen Wasserturm, der seit den 30er Jahren allen Hurrikans getrotzt hat. So bleibt viel Zeit für das rustikale Restaurant mit seiner Cheeseburger-Platte für 7,99 Dollar (5,70 Euro). Wer zahlt, lässt dann nicht nur das Trinkgeld liegen, sondern fragt meist auch nach Filzstift und Klebeband - denn ein Dollar kommt ja an die Decke, bevor es zurück geht in eine Welt, die mit jeder Meile Richtung Festland wieder etwas hektischer wird.

Informationen

The Beaches of Fort Myers & Sanibel Island, Sommer Touristik Marketing, Hanauer Straße 6, 63739 Aschaffenburg (Tel.: 06021/32 53 03)

Quelle: ntv.de, Christian Röwekamp, dpa

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