Reise

Dem Mythos auf der Spur Illuminaten führen durch Ingolstadt

Ingolstadt 23 nach. Typisch Illuminaten, möchte man meinen. Zahlreichen Verschwörungstheoretikern zufolge war die 23 die magische Zahl des mythenumwobenen Geheimbundes.

Ingolstadt 23 nach. Typisch Illuminaten, möchte man meinen. Zahlreichen Verschwörungstheoretikern zufolge war die 23 die magische Zahl des mythenumwobenen Geheimbundes.

Und 23 Minuten nach 17 Uhr beginnt auch die Generalprobe der neuen Ingolstädter Stadtführung "Jesuiten, Illuminaten und die 'Sau von Ingolstadt'". Gleich zu Beginn verspricht ein ominös anmutender Historiker Beweise für "die definitive Existenz des Ordens der Illuminaten", die Infiltration der US-Regierung und vor allem: die vollständige Mitgliederliste.

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Michael Klarner, verkleidet als Aristoteles bzw. Illuminaten-Ordensgründer Adam Weishaupt, vor dem Münster in Ingolstadt.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Doch Schicksal oder Verschwörung soweit kommt es nicht. Der Pergamentumschlag mit der Namensliste fängt Feuer. Wie aus dem Nichts taucht stattdessen ein historisch anmutender Edelmann mit weißen Handschuhen, Gehrock und Spazierstock auf. "Gestatten Aristoteles" so laute sein Geheimname, "aber bitte vergessen Sie das gleich wieder." Wichtig sei nur, dass er der "einzig legitimierte Repräsentant des Illuminatenordens zu Ingolstadt" ist und nun erstmals Nicht-Eingeweihten die wahre Geburtsstadt seines Geheimbundes zeige.

"Illuminati"-Film sorgt für Hype

Zeit wurde es: Seit Dan Browns verfilmter Verschwörungs-Roman "Illuminati" in den Kinos läuft, laufen im Kulturbüro der Stadt Ingolstadt die Telefone heiß: "Auf dem Höhepunkt waren es 25 Anrufe pro Tag", sagt der städtische Pressesprecher, Gerd Treffer. Alle wollten sie mehr wissen über die Illuminaten, ihre Mythen und die angebliche Weltverschwörung.

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Seit der "Illuminati"-Film im Kino ist, laufen in Ingolstadt die Telefone heiß. (Hauptdarsteller Tom Hanks und Ayelet Zurer sowie Regisseur Ron Howard vor dem CERN in Genf)

(Foto: picture-alliance/ dpa)

"Das alles sollten sie schleunigst vergessen", winkt der illuminatische Stadtführer jedoch ab, "denn diese Legenden verstellen nur den Blick auf die Wahrheit, auf die wirkliche historische Wahrheit". Im echten Leben heißt der vermeintliche Geheimbündler Michael Klarner und bietet seit 14 Jahren Erlebnis-Stadtführungen auf den Spuren der Romanfigur Frankenstein durch Ingolstadt an.

Über den Gruseldoktor stieß er auch auf die Illuminaten: "Mary Shelley ließ ihren Roman 'Frankenstein' nämlich nur in Ingolstadt spielen, weil sie ein Buch über die Illuminaten gelesen hat." Tatsächlich hatte der Kirchenrechtler Adam Weishaupt 1776 in Ingolstadt die Illuminaten übersetzt: "die Erleuchteten" gegründet.

Schweigepflicht

Bevor sich die Teilnehmer der neuen Stadtführung jedoch auf die Spuren des mythenumrankten Ordens begeben, müssen sie ihrem geheimnisvollen Stadtführer "bei ihrer Ehre und ihrem guten Namen" absolutes Stillschweigen über alles Gehörte versprechen. Erst dann berichtet der Ingolstädter Illuminat von geheimen Zusammenkünften, aufklärerischem Gedankengut und zeigt die wenigen Spuren des Geheimbundes in Ingolstadt, die noch heute zu sehen sind. Er spannt einen Bogen von Gegenreformation und Aufklärung, über das Wirken der Jesuiten an der Ingolstädter Hochschule bis hin zu den Illuminaten.

Eine Verschwörungs-Tour will Klarner jedoch nicht bieten. "Wir versuchen, wegzukommen von den ganzen Mythen und Legenden, die sich rund um die Illuminaten heute ranken, hin zum historischen Ursprung", betont der 35-Jährige. Monatelang hat er sich deshalb durch Archive gewühlt. So kommt ein Zuschauer zur Ehre, mit dem originalgetreuen Schwur in den Geheimbund aufgenommen zu werden. Und im historischen Gewand diskutiert Klarner in der Rolle des Ordensgründers Adam Weishaupt mit dem wohl berühmtesten Illuminaten dem Freiherrn Adolph von Knigge. Er brachte 1780 die Geheimsprache und die eigene nämlich altpersische Zeitrechnung in den Illuminatenorden nicht jedoch ein Höflichkeits-Büchlein, darauf legt der umtriebige Aufklärer wert. "Das stammt nicht von mir, ich bin doch kein Benimmlehrer."

Quelle: ntv.de, Frederik Obermaier, dpa

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