Reise
Mittwoch, 15. April 2009

Frische Farbe für Berliner Mauer: Künstler malen nochmal

Fast 20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer haben die ersten Künstler mit der Wiederherstellung des als East Side Gallery bekannten Mauerstücks entlang der Spree begonnen. "Sie werden dieselben Motive wie 1990 malen, und das ist natürlich für uns ein riesiger Erfolg", sagte Kani Alavi, Vorsitzender der Künstlerinitiative East Side Gallery. So bestehe die "Chance, diese Authentizität aufzubewahren". Die Initiative hatte sich 1996 gegründet, um das wohl berühmteste Mauerstück zu erhalten.

1990 bemalten Künstler aus Chile, Indien, Iran, Japan und den USA das 1,3 Kilometer lange graue Beton-Monument mit großformatigen bunten Bildern. Im Laufe der Jahre litten die Wandmalereien unter Verwitterung und den Abgasen des vierspurig vorbeirauschenden Verkehrs.

Laut Alavi machten sich bereits vier Künstler an die Arbeit, weitere 86 sagten demnach ihre Mitwirkung bei der Auffrischung des Freiluftkunstwerks zu, das sich auf der östlichen Seite der früheren Mauer entlang der Spree erstreckt. Etwa hundert der seinerzeit fast 120 Künstler aus aller Welt konnte der Berliner Alavi aufspüren. Inzwischen sind einige verstorben, andere waren beim besten Willen nicht aufzutreiben.

Einige fordern höheres Honorar

Wieder andere weigern sich, ihre seinerzeit zwischen Oberbaumbrücke und Ostbahnhof gefertigten Werke zu restaurieren, solange sie nicht mit 15.000 statt mit den zugesagten 3000 Euro honoriert werden. Sprecher dieser Gruppierung ist der 1952 im hessischen Hanau geborene und in Leipzig, Amsterdam, Frankfurt am Main und Berlin aufgewachsene Künstler Bodo Sperling. Er argumentiert, dass aus den bereitgestellten Mitteln für die Sanierung unsinnige und überflüssige Ausgaben getätigt würden. Er und seine Mitstreiter kritisieren zudem, dass ihre Arbeiten in Büchern, Kalendern und anderen Merchandising-Produkten Millionen Euro einbrachten, für die Künstler davon aber nichts abfiel.

Rose-Marie Schinzler aus Freiburg im Breisgau geht es dagegen darum, die von ihr geschaffenen Bilder "einfach wiederherzustellen". Sie sei "aufgeregt" und freue sich zugleich sehr, "dass diese Mauer noch als Mahnmal restauriert" werde. Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November soll die Galerie jedenfalls wieder wie neu, also wie nach der ersten Bemalung aussehen.

Quelle: n-tv.de