Reise

Schluchten und Lorbeerwälder La Gomera lockt Wanderer

Tiefe Schluchten, die sich ihren Weg zu Küste graben, üppige Vegetation und winzige Dörfer prägen das Bild La Gomeras, das wie ein großer Felsblock auf 1500 Meter in die Höhe ragt. Viele Touristen sind von der unberührten Natur beeindruckt. Dabei hat die Kanareninsel gerade einmal einen Durchmesser von 25 Kilometern.

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La Gomera - kleine Insel im Atlantik.

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Wie ein runder Felsblock erhebt sich La Gomera aus dem Atlantik und streckt sich fast 1500 Meter hoch in den Himmel. Vom Garajonay-Gipfel aus haben Wanderer einen eindrucksvollen Blick auf die Kanareninsel mit ihrem Durchmesser von gerade mal 25 Kilometern. Mehr als 40 tiefe Schluchten graben sich von hier aus den Weg bis zur Küste. Jeder dieser Barrancos ist mit üppiger Vegetation, mächtigen Felsformationen und winzigen Dörfern ein Erlebnis für sich.

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Die Inselhauptstadt San Sebastián war Sprungbrett für Christoph Kolumbus auf dem Weg nach Amerika.

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Die Inselhauptstadt ist San Sebastián. Das Hafenstädtchen war 1492 das Sprungbrett für Christoph Kolumbus, der mit seinen Karavellen "Santa Maria", "Pinta" und "Nina" nach Westen aufbrach, um den Seeweg nach Indien zu finden. Ein kleines Museum erinnert an den Seefahrer. Heute legen im Hafen von San Sebastián vor allem Fährschiffe an, die Touristen von der Nachbarinsel Teneriffa nach La Gomera bringen.

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Keine erste Adresse für Badeurlaub - La Gomeras Strände wie der Playa del Inglés sind überschaubar.

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"Urlauber, die sich in ihren Ferien vor allem Sonne, Sand und Meer wünschen, sind bei uns auf der falschen Insel und sollten sich lieber für Teneriffa entscheiden", sagt Jorge, der im Zentrum von San Sebastián eine kleine Weinbar betreibt. La Gomera hat nur wenige Strände, die meist klein und steinig sind.

"Tal des Großen Königs"

Besonders Bergwanderer zieht es dagegen immer wieder nach Gomera. Ein beliebter Ausgangspunkt ist das Valle Gran Rey, das "Tal des Großen Königs" im Südwesten. Es weitet sich von einer engen Schlucht in den Bergen zu einem großen grünen Trichter am Meer. An seinen Seiten kleben Jahrhunderte alte kunstvoll angelegte Terrassen, auf denen Bananen, Papayas und Zitrusfrüchte gedeihen.

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Kräftige Steigungen sind auf La Gomera nichts Ungewöhnliches - selbst die Palmen wachsen oft auf hügeligem Untergrund.

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Mehr als 160 tropische und subtropische Fruchtbäume - von Avocados über Guaven bis zur japanischen Wollmispel - gedeihen zum Beispiel in der "Finca Argaga". Dort hat die aus Israel stammende Rosita Schrader zusammen mit ihrem Mann vor mehr als 20 Jahren Terrassen angelegt. Zunächst war der Obst- und Gemüsegarten nur für den eigenen Bedarf gedacht, doch weil sich immer mehr Besucher für die exotischen Pflanzen und Früchte interessierten, gibt es jetzt an bestimmten Tagen sogar Führungen durch das Pflanzenparadies der Schraders.

Anspruchsvolle Touren

Anspruchsvoll ist eine Tour zu den Bergdörfern im Süden Gomeras. "Gute Kondition, festes Schuhwerk und immer ausreichend Wasser sollten Touristen mitbringen", rät Jürgen Schubert. Seit mehr als zehn Jahren führt er vor allem deutsche Wanderer durch die schönsten Landschaften der Insel. "Wichtig ist auch wetterfeste Kleidung, denn das Wetter in den Bergen kann sich plötzlich ändern." Über einen "Camino Real", auf dem Bauern und Händler seit jeher Waren transportierten, gelangen die Touristen zum ersten Tagesziel, dem Töpferdorf El Cercado.

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Einfach, aber lecker: Die kanarischen Kartoffeln werden auf La Gomera ungeschält gegessen, mit roter oder grüner "Mojo".

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Dort laden gleich mehrere Restaurants zur Stärkung ein. Vor allem landestypische Kost kommt hier auf den Tisch: Kaninchen in scharfer Sauce, ungeschält zu essende Kartoffeln, rote oder grüne "Mojo"-Soße, Fisch und Meeresfrüchte. Zum Dessert gibt es kalorienträchtige "Leche asada" mit Palmenhonig. Nach dem kulinarischen Genuss bleibt Zeit, den Töpfern über die Schulter zu schauen. "In El Cercado wird noch immer nach der Art der Urbevölkerung ohne Töpferscheibe gearbeitet", erklärt Schubert.

Palmenreiche Täler, sagenumwobener Märchenwald

Dann geht es weiter nach Las Hayas, einem der palmenreichsten Täler Gomeras. Unterwegs verändert sich die Landschaft und oft auch das Wetter: Während im Valle Gran Rey noch die Sonne scheint, ziehen hier oben schwere Regenwolken durch den sagenumwobenen Märchenwald. Im Bergdorf Arure, dem Ziel der Wanderer, ist es zudem deutlich kühler als im sonnenverwöhnten "Tal des Großen Königs".

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Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit sind viele Baumstämme von Moosen überzogen - der Nationalpark rund um den Garajonay gehört seit 1986 zum Unesco-Weltnaturerbe.

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Am Tag darauf geht es in den Nationalpark von Garajonay. Das Bergmassiv im Zentrum der Insel gehört zu den letzten Resten der immergrünen Lorbeerwälder, die vor Millionen Jahren auch die meisten der am Mittelmeer gelegenen Länder bedeckten. Am besten lässt sich der Nationalpark, der zehn Prozent der Insel einnimmt, zu Fuß erkunden. Die Parkverwaltung hat ein gut ausgeschildertes Wegesystem angelegt, darunter drei Lehrpfade, zu denen im Besucherzentrum Info-Broschüren auch in deutscher Sprache ausliegen. Der Rundweg "Los Barranquillos" ("Die kleinen Schluchten") etwa vermittelt einen ersten Eindruck von der Landschaft. Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit sind viele Baumstämme von Moosen überzogen, von den Ästen hängen lange Flechten herab.

Eine Entdeckungsreise nach La Gomera lässt sich gut mit einer Bootstour abrunden. Angeboten werden Fahrten mit umgebauten Fischerbooten. Mit etwas Glück trifft man auf Delfine oder Pilotwale, die das Boot begleiten. An einsamen Buchten wird für einen Badestopp und zum Schnorcheln geankert. Gebucht werden können aber auch Ausflüge zu den "Los Organos", den nur vom Meer aus zu besichtigenden bizarren Felsformationen an der Nordküste Gomeras.

Quelle: ntv.de, Detlef Berg, dpa