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Große Bühne, kleines Tennis Alle deutschen Herren gescheitert

So schlecht wie zuletzt vor zwei Jahren präsentieren sich die deutschen Tennis-Herren beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres. In Runde drei der US Open verabschiedet sich Philipp Kohlschreiber als letzter Deutscher mit einer unnötigen Niederlage. Die deutschen Hoffnungen ruhen nun auf Andrea Petkovic.

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Raus ohne Applaus: Philipp Kohlschreiber war der letzte deutsche Hoffnungsträger bei den Herren.

(Foto: dpa)

Auf der größten Tennis-Bühne der Welt haben sich die deutschen Herren erneut als Minimalisten entpuppt: Als letzter von ihnen verpasste Philipp Kohlschreiber den Sprung in die dritte Runde der US Open in New York. Der 26-Jährige aus Augsburg, Nummer eins der deutschen Rangliste, unterlag trotz zweimaliger Satzführung dem Franzosen Gilles Simon mit 6:4, 3:6, 6:1, 1:6, 3:6. Damit war das schlechteste deutsche Abschneiden bei einem Grand-Slam-Turnier seit exakt zwei Jahren perfekt.

"Keiner ist über sich hinausgewachsen. Natürlich hätte ich mir mehr gewünscht. Gerade bei einem Grand-Slam-Turnier wäre es schön, wenn mal einer in die zweite Woche käme", sagte Davis-Cup-Teamchef Patrik Kühnen. Bei den Frauen hielt zumindest noch Andrea Petkovic die deutsche Fahne hoch. Die Darmstädterin spielt gegen Peng Shuai (China) um den Einzug ins Achtelfinale.

Damit misslang auch die Generalprobe für die Playoff-Partie des Davis-Cup-Teams gegen Südafrika vom 17. bis 19. September in Stuttgart, dort wird allerdings auf Sand gespielt. Erstmals seit vier Jahren muss Deutschland wieder um den Klassenerhalt im wichtigsten Mannschaftswettbewerb bangen. Im schlimmsten Fall müsste man den Gang in die Kontinentalzone antreten.

Gut, aber nicht gut genug

Die Auftritte in Flushing Meadows waren alles andere als ein Mutmacher für die Zukunft. Sieben deutsche Männer scheiterten bereits in der ersten Runde, für die restlichen vier war in Runde zwei Endstation. Symptomatisch das Aus von Kohlschreiber auf Court 13. Der Weltranglisten-31. konnte in den entscheidenden Situationen seine Chancen nicht nutzen und verpasste ein Night-Session-Spiel gegen den Weltranglisten-Ersten Rafael Nadal (Spanien) im 23.771 Zuschauer fassenden Arthur-Ashe-Stadium. Kohlschreiber: "Es ist traurig, dass kein Deutscher in der dritten Runde ist. Aber es ist kein Weltuntergang."

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Philipp Petzschner spielte gegen Novak Djokovic gut mit, gewann aber keinen Satz.

(Foto: AP)

Im größten Tennis-Stadion der Welt bekamen auch die Hoffnungsträger Andreas Beck (Stuttgart) und Philipp Petzschner aus Bayreuth vor Augen geführt, was den Unterschied zur Weltspitze ausmacht. "Die wirklichen Topleute nutzen ihre Möglichkeiten. Ich war dagegen ein Chancentod", sagte der Weltranglisten-52. Petzschner, der mit 5:7, 3:6, 6:7 (6:8) dem an Position drei gesetzten Novak Djokovic (Serbien) unterlag. Linkshänder Beck bekam von Grand-Slam-Rekordsieger Roger Federer beim 3:6, 4:6, 3:6 eine Lehrstunde erteilt.

Beim Blick auf seine eigene Grand-Slam-Bilanz in diesem Jahr bringt Kohlschreiber das allgemeine Dilemma auf den Punkt. "Es haben die Highlights gefehlt. Ich habe mein Minimalziel erreicht, aber nicht mehr. Aber ich gebe nicht auf, ich bin ein Kämpfer", sagte der in New York einzige gesetzte Deutsche. Kohlschreiber war in Melbourne, Paris und Wimbledon jeweils in der dritten Runde gescheitert - immer gegen Top-Ten-Spieler.

Kohlschreiber macht sich Druck

Doch die relativ frühen Duelle mit den Bestplatzierten bei den großen Turnieren lassen sich eben nicht vemeiden, bis Kohlschreiber in der Rangliste nicht mindestens Rang 24 erreicht hat. "Ich halte mich zu lange auf den Plätzen 25 bis 35 auf. Es hilft nur, auf kleineren Turnieren Punkte zu sammeln, um sich in der Weltrangliste verbessern zu können", sagte der Bayer, dem ein wenig die Zeit wegläuft: "Wenn ich es im nächsten Jahr nicht schaffe, dann vielleicht nie mehr." Zurzeit ist er noch auf der Suche nach einem neuen Trainer.

Aktuell hat Kohlschreiber mit Blick auf die Davis-Cup-Partie außerdem noch ganz andere Sorgen. Seine Mitte August erlittene Schulterverletzung ist nach wie vor nicht ganz ausgeheilt. Bei den US Open spielte der Rechtshänder vorsorglich mit Schmerzmitteln. In der nächsten Wochen soll vielleicht noch einmal eine Kernspin-Untersuchung gemacht werden. "Ich hoffe, dass ich dann rechtzeitig voll ins Training einsteigen kann", sagte Kohlschreiber.

Quelle: n-tv.de, sid

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