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Presse fürchtet "schwarze Bestie"Als Deutschlands "Wer-Wolff" durch Spaniens Albträume tobte

19.01.2026, 17:52 Uhr
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Der "Wer-Wolff", die mystische Sagengestalt des spanischen Handballs. (Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto)

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft steht vor dem wichtigsten Spiel ihrer jüngeren Geschichte, bei der EM droht im Gruppenfinale gegen Spanien nicht weniger als ein Desaster. Der Blick auf zwei große Spiele weckt Hoffnung. Und bei Spanien böse Erinnerungen.

Gehetzt und schwitzend kämpfen und mühen sie sich, mit wachsender Verzweiflung, immer wieder aufs Tor zu. Doch jedes mal, wenn sie sich am Ziel fühlen, stürzt ein großer, grimmig blickender Wolf auf sie zu und frisst einfach wieder und wieder ihre frisch keimende Hoffnung auf. Und dann wird es dunkel.

Es ist gut möglich, dass in den Albträumen spanischer Handballprofis seit dem EM-Finale 2016 häufig ein solches Szenario vorkommt. Denn Andreas Wolff hat sie alle aufgefressen, an jenem großen deutschen Handball-Abend, als die "Bad Boys" den Favoriten völlig chancenlos mit 24:17 aus der Halle in Krakau schossen. Weniger Tore ließ kein anderes Team jemals in einem EM-Endspiel zu. Und das lag eben an Wolff: 48 Prozent aller spanischen Würfe hielt der damals 24-Jährige, ein wahnsinniger Wert.

"Selten solchen Druck gehabt"

Was die spanischen Superstars um Kreisläufer Julen Aguinagalde und Rückraumstratege Raul Entrerrios auch versuchten, beinahe nichts funktionierte. Es war zum Verzweifeln. Es war traumatisch. Die "Bad Boys" rollten über die frustrierten Spanier zu ihrem Wintermärchen. Und Wolff war die Lokomotive. "Andreas Wolff ist seit heute mit seinen Wahnsinnsparaden eine der schwarzen Bestien des spanischen Handballs" hieß es damals in der spanischen Presse

Nun steht die deutsche Mannschaft am Abend wieder in einem "Endspiel" gegen Spanien (20.30 Uhr/ZDF und im Liveticker auf ntv.de), zehn Jahre nach dem Triumph von Krakau ist es aber nur das Gruppenfinale der Europameisterschaft. Es ist jedoch ein Alles-oder-nichts-Spiel, nur mit einem klaren Sieg mit mehr als drei Toren Unterschied vermeidet das so ambitionierte DHB-Team sicher das Ausscheiden - und damit ein Komplett-Desaster.

Nach dem schwer zu erklärenden Kollaps beim 27:30 gegen Serbien steht Deutschland gegen die bisher tadellosen Spanier "mit dem Rücken zur Wand", wie es der frustrierte Spielmacher Juri Knorr formulierte. "Wir hatten selten solch einen Druck und müssen schauen, dass wir gegen Spanien ein anderes Gesicht zeigen. Es gilt, sich gegenseitig Mut zu machen und top motiviert ins Feld zu ziehen", appellierte Titan Wolff an seine Mitspieler.

Bundestrainer Alfred Gislason, der gegen Spanien wohl auch in sein ganz persönliches Job-Endspiel geht, beschwor mit Blick auf den Abend ein anderes großes Duell mit dem Europameister von 2020 und 2022: Man müsse das "Olympia-Wunder wiederholen, wenn wir weiterkommen wollen", forderte der angezählte Gislason jetzt. "Mit sehr viel Herz, aber auch mit sehr viel Kopf."

Präsenter als der Albtraum von 2016, als die Spanier als großer Favorit ins Endspiel gegangen waren, ist allen Beteiligten nämlich das dramatische Olympische Halbfinale von 2024. Die deutsche Mannschaft kämpfte hungrige Spanier vor 20.000 schwer mitgenommenen Fans im Fußballstadion von Lille nieder. 25:24 hieß es am Ende, Deutschland jubelte, Spanien weinte.

"Wolff ist der Werwolf"

Wahnwitzige 49 Prozent aller Bälle hielt Wolff gegen Spaniens Angreifer. Schon "einige tolle Spiele" von seinem Torwart habe er gesehen, sagte Bundestrainer Alfred Gislason, "aber das hier ist einfach nur unglaublich". Die spanische Sportzeitung "AS" verneigte sich vor dem deutschen Wunder-Torwart: "Wolff und das Halbfinale, unüberwindbare Mauern". Zum fünften Mal erreichten "Los Hispanos" ein olympisches Halbfinale - und zum fünften Mal scheiterten sie. "Andreas Wolff ist der Werwolf, der die Spanier bei einem weiteren gescheiterten Anlauf auf ein olympisches Finale erschreckte."

2016 hatte Wolff die Spanier verhext, er schaffte es ganz tief in ihre Köpfe. 2024, im Hexenkessel von Lille, kehrte er in die Albträume einer neuen Generation spanischer Handballer zurück. Und heute muss Wolff noch einmal hexen, sonst gibt es für die deutsche Mannschaft ein ganz, ganz böses Erwachen.

Quelle: ntv.de, ter

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