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Krachender K.o. vor 16 Jahren Als Klitschko mysteriös zu Boden ging

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Ringrichter Byrd sagte über Klitschko: Ich wollte eine Antwort von ihm, aber es kam nichts."

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

69 Profikämpfe bestreitet Boxer Wladimir Klitschko in seiner Karriere und erleidet dabei nur fünf Niederlagen. Die dubioseste kassiert der Ukrainer am 10. April 2004 gegen den US-Amerikaner Lamon Brewster. Bis heute ist unklar, ob an dem Abend in Las Vegas alles mit rechten Dingen zugeht.

Las Vegas, Mandala Bay Resort & Casino, 10. April 2004. Die Vorzeichen vor dem Boxkampf um den vakanten WBO-Titel sind eindeutig: Auf der einen Seite steht Wladimir Klitschko, ein 28-jähriger Ukrainer, der (scheinbar) im Vollbesitz seiner Kräfte und boxerischen Fähigkeiten den nächsten Anlauf auf den Box-Thron startet. In der anderen Ecke wartet Lamon Brewster, ein durchaus erfolgreicher, technisch jedoch limitierter Kämpfer, der vor dem Duell gegen Klitschko zwar 29 seiner 31 Profi-Kämpfe gewann, dabei aber oft nur "Fallobst" vor die Fäuste bekam.

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Alle hatten einen Favoritensieg Klitschkos erwartet.

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Die Zuschauer in Vegas und vor den TV-Bildschirmen stellen sich dementsprechend auf einen kurzen Kampf ein. Und Klitschko tut in den ersten Runden alles dafür, um seiner Favoritenrolle gerecht zu werden. "Dr. Steelhammer" lässt die Fäuste nur so fliegen und deckt seinen überforderten Gegner mit krachenden Jabs, wuchtigen Haken und präzisen Geraden ein.

45:5 Treffer nach zwei Runden

Schon nach der zweiten Runde redet die Ecke von Brewster flehend auf den hoffnungslos unterlegenen Außenseiter ein: "Du darfst ihn nicht schlagen lassen, du musst nach vorne gehen, greif ihn an." Umsetzen kann der Underdog die Vorgaben nicht. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Klitschko alleine 45 Jabs ins Ziel gebracht, Brewster dagegen überhaupt nur fünf Treffer gelandet.

In der vierten Runde geschieht schließlich das Unvermeidliche: Binnen Sekunden schlagen zwei Rechte Hammer von Klitschko am Kinn von Brewster ein. Der Count des Ringrichters Robert Byrd dauert bis zur Acht - dann steht Brewster wieder. Klitschko setzt seinen wankenden Kontrahenten weiter unter Druck, doch Brewster klammert als ginge es um sein Leben und rettet sich irgendwie in die nächste Pause.

Brewster bläst zum Gegenangriff

Nach kurzem Abtasten zu Beginn der fünften Runde setzt Klitschko drei, vier, fünf heftige Wirkungstreffer nacheinander. Das Kampfende scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Aber der Ukrainer setzt nicht nach. Brewster nutzt die Pause und bläst 50 Sekunden vor dem Ende der Runde zum Gegenangriff.

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Völlig überraschend siegt Lamon Brewster.

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Zwei linke Haken, eine Gerade und noch ein linker Haken treffen Klitschkos Kinn aus heiterem Himmel. Der Ukrainer taumelt in die Ecke, Brewster verfolgt ihn und setzt seine Schlag-Serie fort. Die Zuschauer springen auf und verwandeln die Halle vor lauter Aufregung in ein Tollhaus. "Wenn Klitschko von Lamon Brewster K.o. gehauen wird, sollte er mit dem Boxen aufhören", brüllen die US-Kommentatoren euphorisch in ihre Mikrofone.

Zwar rettet sich Klitschko bis zum Gong, doch als die Glocke ertönt, geht der schwer angeschlagene Favorit zu Boden. Byrd spricht Klitschko an, aber der reagiert nicht. Der Ringrichter ist gezwungen, den Kampf sofort abzubrechen. "Ich wollte eine Antwort von ihm, aber es kam nichts. Auf diese Weise musste ich in meiner gesamten Karriere keinen Kampf abbrechen", erklärt Byrd später.

Blut- und Urinprobe sind verschwunden

Wer gedacht hätte, dass der Gong am Ende der fünften Runde auch das Ende des Kampfes bedeuten soll, sieht sich auch noch nach 15 Jahren getäuscht. Rund einen Monat später ließ Klitschko über einen Anwalt verlauten, dass die Niederlage von den Behörden untersucht werden soll. Der Grund: Nach dem Fight waren sowohl die Urin- als auch die Blutprobe von Klitschko auf mysteriöse Weise verschwunden. Das Warum und Wohin ist bis heute ungeklärt.

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Dieser Text ist zunächst bei den Kollegen von sport.de erschienen.

Passend dazu gab es auf dem Wettmarkt einige ungewöhnliche Entwicklungen: So sank die Quote auf einen Sieg Brewsters an jenem Samstag von 11:1 auf 3,5:1 - ein klares Zeichen dafür, dass jemand oder gar mehrere Wetter eine große Menge Geld auf einen Sieg des Underdogs gesetzt hatten. Alles Zufall?

Klitschko selbst sagte nach dem Kampf, dass er sich nach der zweiten Runde wie "unter Drogen gefühlt" und "Beine wie Gummi gehabt" habe. Spekulationen darüber, ob Klitschko an jenem Abend betäubt, vergiftet oder tatsächlich unter Drogen gesetzt wurde, halten sich bis heute. Weitere wilde Verschwörungstheorien beinhalten die russische Mafia, Bestechung durch Promoter-Legende Don King und eine Diabetes-Erkrankung Klitschkos, die sich beim Kampf negativ ausgewirkt haben soll.

Was letztlich dazu führte, dass Wladimir Klitschko einen sicheren Sieg noch aus der Hand gab und sich einem Gegner geschlagen geben musste, den er im Rückkampf drei Jahre später auseinander nahm (Abbruch in der sechsten Runde), wird wohl für immer im Verborgenen bleiben.

Quelle: ntv.de