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Sportvideos für die Quarantäne Als der stärkste Mann alle zu Tränen rührt

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Matthias Steiner wird 2008 auf einen Schlag berühmt.

(Foto: imago/Laci Perenyi)

Der Livesport steht still, die Coronavirus-Krise stoppt die Ligen, Wettkämpfe sind abgesagt. Auf Sport aus dem TV muss trotzdem niemand verzichten, schließlich gibt es Aufzeichnungen von historischen Ereignissen. Heute: Matthias Steiner kürt sich zum stärksten Mann der Welt.

Da steht dieser Koloss von Mann auf dem Podium, ihm wird die Goldmedaille der Olympischen Spiele von 2008 in Peking um den Hals gehängt - und dann? Gewichtheber Matthias Steiner, irre 145 Kilogramm schwer, mit einem gewaltigen Bauch, hält neben der Medaille auch ein Foto in die Kameras. Das Foto seiner Frau, seiner einem Jahr zuvor tödlich verunglückten Frau Susann. Der damals 25-Jährige weint - vor Freude und vor Trauer zugleich. Die Bilder gehen um die Welt, sie rühren die Menschen vor den TV-Schirmen, sie machen den Olympiasieg Steiners unvergesslich.

"Wahnsinn, Wahnsinn, ich kann das nicht erklären. Dieses Gold widme ich Susann", sagt Steiner nach seinem Sieg. "Ich hoffe und denke, dass sie das mitbekommt. Ich bin kein abergläubischer Typ, aber ich wünsche mir, dass es so ist. Ich freue mich für jeden, der mir geholfen hat. Vor allem aber für meine Frau."

Kurz zuvor hat Steiner eine "unmenschliche" Leistung vollbracht, so nennt sie der Bundestrainer der Gewichtheber, Frank Mantek. Der gebürtige Wiener holt alles aus sich heraus, die überraschend starke Konkurrenz ist mit dem allerletzten Versuch düpiert. 258 Kilogramm wuchtet Steiner im Stoßen über den Kopf - und holt damit in der Endabrechnung mit den 203 Kilogramm aus dem Reißen den ersten deutschen Olympiasieg in der Superschwergewichts-Klasse. "Eigentlich war das über meinem Vermögen. Ich war nicht in Topform", sagt er hinterher.

Nach dem Autounfall, bei dem seine Frau stirbt, überlegt er lang, ob er überhaupt weitermachen soll mit seinem Sport. Dann fällt der Entschluss: "Wenn ich es jetzt bleibenlasse, ist dieses Geschehene trotzdem passiert. Es wird mich sowieso mein Leben lang begleiten." Erst Anfang 2008 erhält er nach Querelen mit dem österreichischen Verband die deutsche Staatsbürgerschaft, wird im April Europameister - das Selbstvertrauen ist zurück.

Der Olympiasieg - er scheint im Verlauf des Wettkampfs schon fast verloren - setzt unerwartete Kräfte frei. Steiner sinkt nach dem 258-Kilogramm-Versuch auf die Knie, springt umher, hüpft wie ein kleines Kind mit Mantek über die Bühne. "Es war ein Gefühl als würden tausend Ketten wegspringen", so Steiner rückblickend. Die Emotionen, sie kommen, Steiner lässt ihnen freien Lauf - und die ganze Welt kann daran teilhaben.

Quelle: ntv.de