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Tennis trifft Zwangsauktion Becker sucht seinen Weg aus der Misere

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Hier fühlt er sich wohl: Boris Becker im All England Lawn Tennis and Croquet Club.

(Foto: dpa)

Boris Becker kommentiert wieder für das BBC-Fernsehen die Tennisspiele in Wimbledon. Gleichzeitig werden einige der Trophäen des ehemaligen Profis meistbietend zwangsversteigert, um Geld für seine Gläubiger einzutreiben. Die Frage ist, ob seine finanziellen Probleme damit gelöst sind.

In Wimbledon blüht Boris Becker auf. Hier erlebte er als Tennisprofi seine schönsten Erfolge, hier fühlt er sich wohl. Nun, mit 51 Jahren, spricht er in diesen Tagen wieder als Kommentator für die BBC über seine Liebe zu diesem Sport, analysiert gewohnt fachkundig das Geschehen auf dem Platz und staunt wie alle über die erst 15 Jahre alte Cori Gauff. Dabei gäbe es einiges zu beklagen: In dieser Woche werden einige seiner Trophäen zwangsversteigert.

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Er war jung und hatte noch Geld: Boris Becker im Jahr 1985.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Doch der Verlust seiner Erinnerungsstücke und die Schlagzeilen zu seiner finanziellen Schieflage stehen hier nicht im Fokus. Auf der großen Tennis-Bühne kennt sich Becker aus, er nimmt wie gewohnt den hinteren Eingang, spaziert im Anzug über die Anlage. Becker humpelt, weil sein Körper gelitten hat. Manchmal hält er für ein Foto an. Hier im All England Lawn Tennis and Croquet Club hat der Deutsche und Wahl-Londoner 1985 als 17-Jähriger auf dem Heiligen Rasen triumphiert und 1986 den Coup wiederholt.

"Es ist die Liebe und die Leidenschaft für das Spiel, die mich erfolgreich gemacht haben", sagt er. Dass er und Steffi Graf in Wimbledon beide die bedeutendsten Trophäen in den Händen hielten, ist an diesem Dienstag genau 30 Jahre her, 1989 war das. Graf, die jüngst ihren 50. Geburtstag feierte, zog sich am Ende ihrer Karriere zurück und lebt mit ihrem Mann Andre Agassi und den zwei Kindern weitgehend unbehelligt in Las Vegas in den USA. Wenn es um die siebenmalige Wimbledon-Siegerin geht, geht es auch um das Geheimnis einer glücklichen Ehe - Becker dagegen sorgt regelmäßig mit seinem Privatleben für Schlagzeilen.

20.000 Pfund für Replika der US-Open-Trophäe

In diesen trubeligen Tagen von Wimbledon werden insgesamt 82 Erinnerungsstücke in einer Online-Auktion zwangsversteigert. Damit soll Geld für die Gläubiger eingetrieben werden, nachdem Becker im Juni 2017 von einem britischen Gericht für insolvent erklärt worden war. Schon am Donnerstag sollen die Pokale, Medaillen, Uhren und andere Stücke den Besitzer wechseln. Das Auktionshaus Wyles Hardy & Co liegt in Hemel Hempstead, eine Stunde mit dem Auto von der Church Road entfernt. Die Versteigerung spielt sich im Internet ab.

Wenige Tage vor dem Abschluss der Auktion hat Insolvenzverwalter Mark Ford einige Erinnerungsstücke in einen Besprechungsraum in der Londoner City geholt. Da stehen sie, die Metall gewordenen Sternstunden Beckers: Glänzende Pokale wie die Replika der US-Open-Trophäe von 1989, für die am Dienstag bereits mehr als 20.000 Pfund geboten wurden, das sind 22.250 Euro. Eine Kopie des Davis-Cup-Pokals von 1988 in Göteborg stand bei 4000 Pfund. Zwei elegante Renshaw-Trophäen mit ihren geflügelten Figuren, die Wimbledon-Sieger erhielten, waren den Bietern jeweils 18.000 Pfund wert.

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Ein Bambi, zwei Renshaw-Trophäen, die Nachbildung eines Wimbledon-Pokals und die Goldene Kamera aus dem Jahr 1989.

(Foto: dpa)

Es ist kein Zufall, dass die Auktion während des Tennis-Turniers in London stattfindet. Ford erhofft sich durch die globale Aufmerksamkeit höhere Gebote. "Würde ich das ohne öffentliche Versteigerung an ein paar Wintertagen verkaufen, würde ich sehr viel weniger dafür bekommen." Der Plan scheint aufzugehen. Selbst für ein Paar von Beckers alten Tennisschuhen samt Unterschrift wurden 800 Pfund geboten. Die Interessenten kommen aus Deutschland, Großbritannien und den USA, sagt Ford.

Ursprünglich war die Versteigerung schon für den vergangenen Sommer geplant gewesen. Beckers Anwälte hatten sie aber gestoppt. Er genieße diplomatische Immunität, weil er zum Sport-Attaché in der EU-Vertretung der Zentralafrikanischen Republik berufen worden sei, argumentierte Becker. Mit seiner schwierigen Lage habe das nichts zu tun. "Bei dieser Versteigerung geht es nur darum, mir persönlich wehzutun, weil ich natürlich emotional an den Trophäen hänge", hatte er der "Bild am Sonntag" einmal gesagt. Schließlich machte er seinen Diplomatenstatus nicht länger geltend, es kam zur Auktion. Doch auch in dieser Sache könnte sich ein Silberstreifen am Horizont zeigen. Insolvenzverwalter Ford macht Hoffnung, dass die Misere schon bald zu Ende sein könnte. "Ich hoffe sehr, diese Insolvenz in den nächsten sechs bis neun Monaten abzuschließen." Und wer weiß, vielleicht ist unter den Käufern ja jemand, der es gut meint mit Becker und ihm die Erinnerungsstücke zurückgeben will? Ford schließt das nicht aus.

Quelle: n-tv.de, Kristina Puck und Christoph Meyer, dpa

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