Sport

"Schlag für den Diktator" Belarus kritisiert WM-Entzug als "grundlos"

imago0096794943h.jpg

Lukaschenko hätte die WM nur zu gerne für seine Politik benutzt, sagte der belarussische Menschenrechtsaktivist Bialiatski..

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Die Eishockey-Weltmeisterschaft wird nicht in Belarus stattfinden. Damit gibt der Weltverband dem Drängen von Menschenrechtlern und dem Co-Gastgeber Lettland nach, die einen Entzug gefordert hatten. Für das Land von Machthaber Lukaschenko ist das Vorgehen nicht nachvollziehbar.

Belarus hat wie erwartet mit Unverständnis auf den Entzug der Gastgeberrolle für die Eishockey-WM 2021 reagiert. Das Organisationskomitee "bedauert die grundlose Entscheidung" des Weltverbandes IIHF, heißt es in einer Stellungnahme auf der Internetseite der Regierung. Sie stelle einen Präzedenzfall dar, wie Sportveranstaltungen als ein Instrument benutzt werden, "um die Interessen von politischen Demagogen zu befriedigen".

Am Montagabend hatte die IIHF nach langem Zögern Belarus und damit dem umstrittenen Machthaber Alexander Lukaschenko die Austragungsrechte der Weltmeisterschaft (21. Mai bis 6. Juni) entzogen. Als Begründung führte der Weltverband die "wachsenden Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit den zunehmenden politischen Unruhen sowie Covid-19" an. Ob Belarus womöglich eine Klage gegen den IIHF erwägt, wurde aus der Stellungnahme nicht ersichtlich.

Druck auf Verband war groß

Zuvor hatte es viel Kritik an der Austragung in dem osteuropäischen Land aus der Politik, von Menschenrechtlern und von Co-Gastgeber Lettland gegeben. Die IIHF-Sponsoren Skoda und Liqui Moly hatten zudem ihren Rückzug angekündigt, sollte Belarus Co-Gastgeber des Turniers bleiben, und so den Druck auf die IIHF massiv erhöht.

"Ich bin sehr glücklich und zufrieden, dass der Eishockey-Weltverband endlich auf die Kritik reagiert hat", sagte der belarussische Menschenrechtsaktivist Ales Bialiatski. Lukaschenko hätte ansonsten die WM für seine Politik benutzt, betonte der mit dem "Alternativen Nobelpreis" (Right Livelihood Award) ausgezeichnete Bialiatski: "Das ist ein schwerer Schlag für den Diktator und sein Image. Es ist ein bisschen so, als nehme man einem Kind das Spielzeug weg."

Kein gutes Bild gab IIHF-Präsident Rene Fasel ab, der auch aufgrund seiner Nähe zu Lukaschenko lange an Belarus als WM-Gastgeber festgehalten hatte. "Der IIHF-Präsident hat sich schlichtweg verzockt", sagte die Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag. Die SPD-Politikerin forderte nun auch die Absage anderer internationaler Titelkämpfe wie der Fünfkampf-WM im Juni in Minsk. "Es wird niemand ernsthaft behaupten wollen, dass sich bis dahin die Zustände im Lande des Diktators Lukaschenko grundlegend verbessert haben werden", sagte Freitag.

Quelle: ntv.de, ara/sid

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.