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Nach einem Jahr ohne Fight legt Brähmer ein Wahnsinns-Comeback hin.
Nach einem Jahr ohne Fight legt Brähmer ein Wahnsinns-Comeback hin.(Foto: dpa)
Samstag, 28. Oktober 2017

Nahe am medizinischen Wunder: Box-Oldie Brähmer greift nach dem Jackpot

Zwölf Jahre Altersunterschied liegen zwischen Jürgen Brähmer und seinem Gegner Rob Brant - doch der Oldie boxt sich nach einem Jahr ohne Fight zum 49. Erfolg im 52. Profikampf. Zwei Siege fehlen im nun bis zum Gewinn der mit 50 Millionen Euro dotierten Ali-Trophy.

Das Blut rann Jürgen Brähmer aus der Nase und dem Cut über seinem rechten Auge, doch allzu sehr kümmerte es den Box-Oldie nicht. Lässig schnäuzte er in das türkise Handtuch, das er im Nacken trug, und reckte den Sieger-Daumen in Richtung der johlenden Menge. Der 39-Jährige hatte es wieder einmal allen gezeigt - nach einem Jahr ohne Fight.

"Ein bisschen Rost war noch dran", sagte der Ex-Weltmeister nach seinem klaren Punktsieg gegen den zuvor ungeschlagenen US-Amerikaner Rob Brant in seiner Heimatstadt Schwerin: "Am Ende habe ich es mit meiner klassischen Erfahrung runtergeboxt." Durch seinen 49. Erfolg im 52. Profikampf zog Brähmer in die Vorschlussrunde der millionenschweren Muhammad-Ali-Trophy ein. Dort bekommt er es im Februar mit dem topgesetzten Briten Callum Smith zu tun, der in Schwerin nach dem Kampf plötzlich im marineblauen Maßanzug im Ring aufkreuzte. "Er hat einen guten Job gemacht", sagte der Liverpooler zur Leistung seines kommenden Gegners. Beide posierten für die Kameras, stierten sich gallig an. Alles Weitere ist Zukunftsmusik.

Comeback dank Salat-Diät

Jetzt darf Brähmer erstmal seine Wiederauferstehung feiern. Vor heimischen Publikum trotzte er gegen Brant dem Schicksal. Im Oktober des Vorjahres hatte er seinen WBA-Gürtel im Halbschwergewicht in Führung liegend an den inzwischen zurückgetretenen Briten Nathan Cleverly verloren. Eine Armverletzung zwang ihn damals zur Aufgabe. "Ich wollte nicht so aufgeben. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich da sehr zielstrebig bin", sagte Brähmer. Um einen Rückkampf bemühte sich Brähmer vergeblich, deswegen der Wechsel zurück ins Supermittelgewicht, um an der mit 50 Millionen US-Dollar dotierten Ali-Trophy teilnehmen zu können. Mit einer strengen Salat-Diät wurde er die nötigen Kilos los. Und die Agilität war Brähmer im Duell mit Brant anzumerken.

Immer wieder tauchte der Altmeister unter den Geraden seines zwölf Jahre jüngeren Kontrahenten hinweg und schlug schon zu Beginn entfesselte Kombinationen. "Ich wollte unbedingt zeigen, dass ich es noch drauf hab, dass ich härter schlagen kann", sagte Brähmer. Manchmal bot er etwas zu viel Angriffsfläche: In der fünften Runde erwischte ihn eine Rechte von Brant mitten im Gesicht - von da an mischte sich Schweiß mit Blut. Brähmer wurde zunehmend aggressiver. "Hau ihn um", schallte es nicht nur einmal aus dem Publikum. Doch Brant saß es aus.

Brähmers Promoter Kalle Sauerland, nebenbei auch Erfinder der Ali-Trophy, hielt sich nach dem Kampf mit Lob nicht zurück. "Ich habe Jürgen noch nie so gut gesehen. Und ich habe viele Kämpfe von ihm gesehen", sagte der 40-Jährige. Ein Umstand nahe am medizinischen Wunder, hatten doch ein Bandscheibenvorfall und ein Muskelfaserriss für Brähmers rund einjährige Pause gesorgt. Und nun - ganz plötzlich - wird wieder von Titeln geredet, auch die Ali-Trophy ist in Reichweite. "Wenn ich es mir nicht zutrauen würde, würde ich auch nicht mitmachen", sagte Brähmer. Zwei Siege fehlen dem Box-Oldie noch.

Quelle: n-tv.de

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