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Späte Retourkutsche vom Freund? Bundestrainer kritisiert Pechstein - und fliegt

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Große leitet den Kahlschlag bei der DESG ein.

(Foto: imago images/Matthias Koch)

Die rigorose Aufräumaktion startet: Matthias Große entlässt als kommissarischer Präsident der Eisschnellläufer als Erstes den bisherigen Bundestrainer. Mit dem liegt er im Zwist - es geht um Großes Lebensgefährtin Claudia Pechstein. So jemand "gehört nicht in dieses Amt", verkündet der neue starke Mann.

Der neue starke Mann im deutschen Eisschnelllauf, Matthias Große, macht ernst: Der bisherige Bundestrainer Erik Bouwman wird entlassen. Große startet damit seine angekündigte Aufräumaktion. Der erst am 18. Juni berufene kommissarische Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft verkündete, dass dem Niederländer schriftlich zum 31. Juli das Ende seines Arbeitsverhältnisses mitgeteilt worden sei. "Er ist nicht der Richtige", sagte Große zur wenig überraschenden Trennung.

Bis zur "Klärung des Sachverhalts der Neubesetzung" übernimmt der langjährige Teamleiter Helge Jasch die sportliche Koordinierung. Eine Aussprache mit Bouwman gab es laut Große nicht. Zuletzt hatte es immer wieder Konflikte zwischen Bouwman und Großes Lebensgefährtin Claudia Pechstein gegeben. "Ein Bundestrainer, der die Bewerbung um das höchste Amt der DESG als einen Witz bezeichnet und die erfolgreichste deutsche Eisschnellläuferin Claudia Pechstein 'zum Kotzen' findet, gehört nicht in dieses Amt", erklärte Große.

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Bouwman muss sich einen neuen Job suchen.

(Foto: imago images/VI Images)

Der für den Langstreckenbereich zuständige Bouwman hatte Pechstein vor der Saison 2019/20 mitgeteilt, dass er "keinen Bock" darauf habe, dass sie zu seiner Trainingsgruppe gehöre. Es entbrannte ein heftiger Disput, Pechstein forderte eine Entschuldigung und trainierte in der Folge mit der polnischen Mannschaft. Nach einem vermeintlichen Burgfrieden entbrannte der Streit im Februar erneut, als Bouwman Pechstein heftig attackierte ("boshaft", "peinlich", "populistisch"). Auch Große wurde nicht verschont. Dass dieser eine ernsthafte Option auf das Amt des DESG-Präsidenten sei, "ist der größte Witz, den ich je im Spitzensport erlebt habe", hatte Bouwman gesagt. Große forderte Konsequenzen - und sorgte für diese in seiner neuen Funktion nun selbst.

"Werde diese Entschuldigung einfordern"

Einen Seitenhieb bekam die Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag ab, auf deren Antrag Große vor zehn Jahren Hausverbot im Bundestag erhalten hatte, da sie sich von ihm bedroht fühlte. "Ich erwarte, dass sie sich für ihr Verhalten im Fall Claudia Pechstein entschuldigt. Ich werde von einer Fraktion in den Sportausschuss eingeladen werden und diese Entschuldigung einfordern", so Große.

Darüber hinaus verkündete Große seine Vision für die Zukunft mit kämpferischem Blick und einem klaren Anspruch an sein Amt. In einer rund 30-minütigen Rede warb er für sich selbst, bis zur Mitgliederversammlung am 19. September will er die Wähler hinter sich bringen und sich im Amt bestätigen lassen.

Ein zentraler Punkt in Großes Agenda ist die Akquise neuer Sponsoren für den finanziell angeschlagenen Verband. Am Donnerstag verkündete er die Partnerschaft mit dem Wohnwirtschafts-Unternehmen B&O-Gruppe. Die Langfristigkeit des Engagements ist jedoch an Großes Wahl im September gekoppelt. Bauunternehmer Große bezeichnete die in Bad Aibling ansässige B&O-Gruppe als "sehr, sehr starken Partner". Es sei ein großer Tag für die DESG, der Sponsor werde den Verband finanziell über Jahre sichern: "Die DESG wird bis Olympia 2022 keine finanziellen Probleme mehr haben. Das ist die Grundvoraussetzung, damit der Verband in ruhige Fahrwasser gerät", sagte Große. Jährlich darf der Verband dann mit einer sechsstelligen Summe durch die mittelständische Firma rechnen.

Seit dem Rückzug des bisherigen Geldgebers DKB im vergangenen Sommer war der Verband in finanzielle Schwierigkeiten geraten, auf rund 400.000 Euro hatte Schatzmeister Dieter Wallisch die Verbindlichkeiten beziffert, falls das Bundesinnenministerium seinen Mittelfluss gestoppt hätte. "Die DESG hat derzeit keine Schulden", erklärte Große. Aber der Deutsche Olympische Sportbund habe keinen Tag länger diese ungewisse Situation geduldet. Daher habe das BMI die Mittel auch nicht für das gesamte Jahr ausgezahlt. Mit dem neuen Sponsor wären diese Probleme behoben, kündigte Große an.

Quelle: ntv.de, ara/sid/dpa