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Wer bereitet ihm im November Kopfzerbrechen? Magnus Carlsen kann sich das Turnier in Berlin ganz entspannt anschauen.
Wer bereitet ihm im November Kopfzerbrechen? Magnus Carlsen kann sich das Turnier in Berlin ganz entspannt anschauen.(Foto: imago/Bildbyran)
Freitag, 09. März 2018

Gegner für Weltmeister gesucht: Casting für Schachgenie Carlsen

18 Tage, 8 Kandidaten, 0 Favoriten: In Berlin ermittelt die internationale Schach-Elite, wer der Herausforderer von Weltmeister Magnus Carlsen sein wird. Der Ausgang ist völlig offen - das erhöht die Spannung. Der WM-Titel wird im November ausgespielt.

Heiße Duelle im Kühlhaus - Berlin sucht den Mann für London, den Herausforderer von Schach-Weltmeister Magnus Carlsen. Erstmals in der Geschichte geht ein Kandidatenturnier mit acht Teilnehmern in der deutschen Hauptstadt über die Bühne - und zwar im ehemaligen Kühlhaus Kreuzberg, das heute ein Veranstaltungsort ist. Am Sonntag, 11. März, geht es los, am 27. März steht Carlsens Kontrahent fest. Im November muss der 27-jährige Norweger in London seinen Titel verteidigen.

Dass das Turnier in Berlin und damit zum zweiten Mal nach 2002 in Deutschland stattfindet, hat viel mit der erfolgreichen Schnellschach-WM 2015 an gleicher Stelle zu tun. Die deutsche Schachszene ist durchaus vital, die Bundesliga lockt regelmäßig Spitzenspieler an und die guten Zuschauerzahlen von damals hatten den privaten Turnier-Veranstalter Agon Limited überzeugt, erneut die Hauptstadt als Austragungsort zu wählen.

Wesley So aus den USA.
Wesley So aus den USA.(Foto: imago/Agencia EFE)

Das russische Unternehmen hat sich eine bessere mediale Vermarktung des Schachsports zum Ziel gesetzt. Ein durchaus ambitioniertes Vorhaben, schließlich gibt es fraglos telegenere Sportarten als Schach. Viel zu sehen ist nicht, wenn die Meister stundenlang beinahe regungslos über den Brettern brüten. Schach ist ein kühles, ein strategisches Spiel - und fasziniert als solches doch seit über 1000 Jahren die Menschen rund um den Globus.

Sieg-Vorhersage ist unmöglich

Titelträger Carlsen ist da wie ein Geschenk für Agons große Pläne. Der 27-Jährige ist der globale Superstar seines Sports. Früh als Wunderkind gefeiert, brach er etliche Altersrekorde, wurde 2013 im Alter von 22 Jahren zum ersten Mal Weltmeister und verteidigte den Titel 2014 und 2016 zweimal erfolgreich. Carlsen ist jung, charismatisch, gutaussehend und quasi nebenbei auch noch einer der besten Schachspieler der Geschichte. Und wartet nun gespannt auf seinen nächsten Gegner.

Schachrijar Mamedscharow aus Aserbaidschan ist derzeit die Nummer 2 der Schach-Welt und damit hinter Carlsen am besten platziert. Doch dies ist nur eine Momentaufnahme, lediglich ein Faktor in einem Alles-oder-nichts-Turnier. Es geht auch um die Tagesform, um die Vorbereitung, die Nerven spielen immer eine Rolle. Auch der Russe Wladimir Kramnik (Nummer 3), Wesley So (USA/4), Levon Aronjan (Armenien/5), Fabiano Caruana (USA/8), der Chines Ding Liren (11) und der Russe Alexander Grischuk (12) wollen ihre Chance nutzen. Dessen Landsmann Sergej Karjakin (13) hatte sich Ende 2016 im WM-Duell mit Carlsen erst im Tiebreak geschlagen geben müssen.

In Berlin spielt jeder zweimal gegen jeden. Einmal führen sie dabei die schwarzen, einmal die weißen Steine, was durch das Recht der Eröffnung einem Aufschlagsspiel im Tennis gleichkommt. Bei Punktgleichheit entscheidet ein mehrstufiges und nicht unumstrittenes Feinwertungssystem. Wer das vermutlich knappe Rennen machen wird, ist so schwer wie selten vorauszusagen. Die möglichen Herausforderer und auch Weltmeister Carlsen selbst hielten sich im Vorfeld auffällig bedeckt. In der Weltrangliste wechselten die Positionen hinter Carlsen in den letzten zwölf Monaten beinahe wöchentlich.

Erstmals ein Chinese als WM-Kandidat

Bei den Kommentatoren und Fans geht der Trend spürbar in Richtung Aronjan oder Caruana, doch Beobachter fragen sich schon, ob dabei nicht eher Sympathie und Charisma die Einschätzungen bestimmen. Jedenfalls sind die Chancen von Mamedscharow, So oder Kramnik - mit 42 Jahren der älteste Teilnehmer - nicht schlechter. Als Außenseiter gelten Ding Liren, der erste chinesische WM-Kandidat, Grischuk und Karjakin.

Doch Carlsens letzten Herausforderer hatte schon 2016 niemand auf der Rechnung. Dann siegte Karjakin im Kandidatenturnier - und entriss Carlsen sogar fast die WM-Krone. Anschließend ging der 28-jährige Russe wieder auf Tauchstation. Bei einer kurzen Generalprobe am vergangenen Wochenende in Moskau gewann indes einer, der in Berlin gar nicht dabei ist: der von Carlsen 2013 entthronte Inder Viswanathan Anand. Mamedscharow, Karjakin, Grischuk und Kramnik landeten im geschlagenen Feld. In Abwandlung eines bekannten Fußballzitats kann das nur bedeuten: Das Brett ist eckig, und eine Schachpartie dauert - manchmal über sechs Stunden.

Quelle: n-tv.de